Bagger legt Burg Bühne in Schutt und Asche – Stadt prüft juristisches Nachspiel
Besitzer sagt: »Abriss war ein Unfall«

Borgentreich (WB). Das wohl prägendste Denkmal des Borgentreicher Ortsteils Bühne ist Geschichte: Die Burg Bühne wurde aus heiterem Himmel abgerissen. Am frühen Morgen des letzten April-Samstags rückt plötzlich ein Bagger an. Auf Bitten der Stadt Borgentreich schreitet sogar die Polizei ein.

Mittwoch, 08.05.2019, 17:59 Uhr aktualisiert: 08.05.2019, 18:02 Uhr
Die Burg Bühne ist ein Schutthaufen: Vom historischen nördlichen Torhaus und dem dazugehörigen Anbau ist nicht mehr viel übrig. Es gibt verschiedene Geschichten dazu, was am Morgen des 27. April in Bühne passiert ist. Foto: Timo Gemmeke

»Das nördliche Torhaus und der Anbau wurden widerrechtlich abgerissen«, erklärt Borgentreichs Bürgermeister Rainer Rauch auf Nachfrage des WESTFALEN-BLATTES.

Anonymer Hinweis an die Stadtverwaltung

Am besagten Samstagmorgen, gegen 7.40 Uhr, bekam die Stadtverwaltung demnach den anonymen Hinweis, dass die Burg abgerissen werde. Verwaltungsmitarbeiter eilten daraufhin zum Komplex, der seit 1986 unter Denkmalschutz steht. Sie wollten die Arbeiten stoppen.

»Das Grundstück war aber verschlossen und unzugänglich«, schildert Rauch. Die Verwaltung rief schließlich die Polizei zur Hilfe. Nach etwa 40 Minuten trafen die Beamten ein. Gemeinsam mit der Polizei haben die Verwaltungsmitarbeiter dann das Grundstück betreten, heißt es weiter.

Die Arbeit war da aber schon getan. Und weite Teile der Burg Bühne, die im wesentlichen Teil Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden ist und deren Kern ins 13. Jahrhundert datiert, verloren.

Polizisten sprechen Abriss-Stopp aus

Die Schäden wurden dokumentiert. Anschließend fuhren die Polizisten mit den Verwaltungsmitarbeitern zum Eigentümer der Burg Bühne. Ihm gegenüber sprachen die Polizisten mündlich einen Abriss-Stopp aus.

Für den Anbau am nördlichen Torhaus und das südliche Torhaus war 2012 eine Abrissgenehmigung erteilt worden, erklärt die Stadtverwaltung. Daraufhin wurde das südliche Torhaus abgebrochen, nicht aber der Anbau am nördlichen Torhaus. Diese Abrissgenehmigung sei mittlerweile abgelaufen. Vom Abriss des nördlichen Torhauses sei nie die Rede gewesen.

Die Stadt moniert zudem, dass es seit Monaten Versuche gebe, das Denkmal durch die Stadt und den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Augenschein zu nehmen. »Wir haben verschiedene Terminvorschläge gemacht«, erklärt Rauch. Aber der Eigentümer habe sich gegen einen Besuch gesperrt. »Dann haben wir einen Besuch angekündigt, da die Untere Denkmalbehörde ein Betretungsrecht hat«, sagt Rauch.

Besitzer erhebt Klage gegen Ordnungsverfügung

Gegen diese sogenannte Ordnungsverfügung habe der Eigentümer der Burg Bühne beim Verwaltungsgericht Minden Klage erhoben, »die eine aufschiebende Wirkung hat«, sagt Rauch. Vivienne Bock, Richterin und Pressesprecherin des Verwaltungsgerichtes, bestätigt den Eingang dieser Klage.

Der Eigentümer des Geländes, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, bestreitet die Schilderungen der Stadtverwaltung. Sehr wohl sei an jenem Samstag ein Bagger vor Ort gewesen. Auch habe der ein Gebäude abreißen sollen.

»Aber der Bagger war für den Abriss des Anbaus am nördlichen Torhaus da, der nicht unter Denkmalschutz steht«, erklärt er auf Nachfrage.

»Dass am Ende die komplette Burg Bühne in Schutt und Asche lag, ist einem Unfall geschuldet.«

Eigentümer der Burg Bühne

Den Abriss des nördlichen Torhauses habe er weder in Auftrag gegeben, noch gewollt. »Ich war auch nicht zugegen«, sagt der Eigentümer. Dass am Ende die komplette Burg Bühne in Schutt und Asche lag, sei einem Unfall geschuldet.

»Das war vorher so nicht ersichtlich.«

Der Anbau und das nördliche Torhaus seien miteinander verbunden gewesen. »Das war vorher so nicht ersichtlich.« Auch einem involvierten Architekten und einem Bauunternehmen sei das nicht aufgefallen. Beim Abriss des Anbaus sei dann auch das nördliche Torhaus stark beschädigt worden.

Für Mittwoch, 8. Mai, sei vor Ort ein Erörterungstermin anberaumt. Dabei solle geklärt werden, was genau am 27. April geschehen ist.

Der Eigentümer des Burgareals bestätigt, dass die genannte Abrisserlaubnis abgelaufen war. Als er die Genehmigung beim Kreisbauamt verlängern wollte, habe man ihm dort mitgeteilt, dass dies seit 2019 für ein Gebäude dieser Größe nicht mehr notwendig sei. Grund sei eine neue Bauordnung. Daraufhin habe er den Abriss des Anbaus angeordnet.

Stadt prüft juristisches Nachspiel

Die Klage beim Verwaltungsgericht wiederum sei eine Art letztes Mittel gewesen. Und zwar hätten Stadt und LWL bei einem Ortstermin an der Burg eine Gefahr im Verzug entdeckt und dadurch ein Zutrittsrecht erwirken wollen.

Die vorgeschlagenen Termine hätten dem Eigentümer der Burg nicht gepasst, »aber ich konnte dagegen keinen Einspruch einlegen. Zudem hat die Stadt darauf beharrt«, erklärt er. »Daher musste ich mich ans Gericht wenden.«

Die Stadt Borgentreich wird nun prüfen, inwiefern der Abriss des Denkmals ein juristisches Nachspiel haben wird, erklärt Rauch.

Kommentare

Irene Reindl  wrote: 10.05.2019 12:22
Ich glaube nicht, dass das ein "Unfall" war. Allein, dass der Zugang auf das Gelände während der Arbeiten nicht möglich war zeigt mir, dass man möglichst schnell Fakten schaffen wollte, bevor man gestoppt wird. Ich hoffe, das wird für den Besitzer richtig richtig teuer.
Ein Bühner  wrote: 09.05.2019 21:10
Auf jeden Fall wieder aufbauen
So etwas kann einfach nicht sein. Es muss wieder aufgebaut werden.
Georg Enders  wrote: 08.05.2019 21:20
Wer baut das wieder auf ?
Das wird doch wohl wieder aufgebaut oder kommen die damit durch ?
Total 3 comments
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