Nordzucker AG stellt Bewerbungsverfahren vor – weitere Offerte von Pfeifer & Langen
Neue Chance für Rübenanbauer

Borgentreich (WB). Die Schließung der Warburger Zuckerfabrik hat die Südzucker AG beschlossen. Das Aus für das Werk nach der Kampagne 2019/2020 scheint aber nicht das Ende des Rübenanbaus im Kreis Höxter zu bedeuten. Die Nordzucker AG hat Interesse an den heimischen Zuckerrüben. Vertreter des Unternehmens haben Landwirte über das Bewerbungsverfahren und Lieferkonditionen informiert.

Dienstag, 02.04.2019, 22:01 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 23:00 Uhr
Knapp 200 Landwirte haben sich über das Angebot der Nordzucker AG informiert. Nach der Vorstellung der Lieferkonditionen haben Rübenanbauer wie Markus Dierkes aus Menne den Unternehmensvertretern aber auch kritische Fragen gestellt. Foto: Silvia Schonheim

Knapp 200 Rübenanbauer aus dem Kreis Höxter folgten der Einladung des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Höxter und zeigten am Montagabend in Borgentreich-Großeneder Interesse an dem Nordzucker-Angebot.

»Das Verfahren läuft bis zum 30. April.«

»Sie können sich bei uns bewerben. Das Verfahren läuft bis zum 30. April. Ob Sie uns Ihre Rüben 2020/2021 an die Zuckerfabrik in Nordstemmen liefern können, erfahren Sie Mitte Mai«, erklärte Claus-Friso Gellermann, Verantwortlicher für alle Agri-Center, so heißen die Standorte im Konzern.

Er stellte den Landwirten die Struktur der Nordzucker AG vor: »80 Prozent der benötigten Rüben nehmen wir von unseren Aktien-Inhabern über deren verbrieften Lieferanspruch an. 20 Prozent vergeben wir über die sogenannte freie Menge.« Jeder könne sich darauf bewerben.

Zuschlag hängt von mehreren Faktoren ab

»Ob Sie den Zuschlag bekommen, hängt von mehreren Faktoren ab, etwa von der Anzahl der Bewerber, von der Entfernung zum Werk und davon, ob sinnvolle Lieferstrukturen möglich sind«, erläuterte er.

Da Nordzucker bei konventionellen Rüben zu 100 Prozent die Frachtkosten übernehme, spiele die Entfernung zum Werk eine entscheidende Rolle. »Aber das Einzugsgebiet ist groß«, machte Gellermann den Landwirten aus dem Kreis Höxter Hoffnung.

Nordzucker hat auch Interesse an Bio-Rüben

»Ans Werk Uelzen werden zum Beispiel Rüben aus dem 200 Kilometer entfernten Rendsburg geliefert. Borgentreich ist 93 Kilometer vom Werk in Nordstemmen entfernt, von Höxter aus sind es 64 Kilometer.« 2018/2019 sei jede Bewerbung auf eine freie Menge zum Zuge gekommen, in der Kampagne 2017/2018 hätte man aber auch Absagen erteilen müssen.

Claus-Friso Gellermann betonte, dass Nordzucker auch Interesse an Bio-Rüben habe: »Die verarbeiten wir im Werk Schladen, 160 Kilometer von Warburg entfernt.«

Drei Vertragsmodelle mit verschiedenen Basispreisen

Zu welchen Konditionen die Bauern aus dem Kreis Höxter ihre konventionell angebauten Rüben liefern könnten, falls sie den Zuschlag bekommen, erklärte Andreas Windt. Er ist bei Nordzucker verantwortlich für die Agri-Center in Deutschland.

»Es gibt drei Vertragsmodelle mit verschiedenen Basispreisen: ein fixes Preismodell über ein Jahr Laufzeit, ein variables Preismodell ebenfalls über ein Jahr Laufzeit und einen Vertrag über drei Jahre Laufzeit.« Bei der anschließenden Fragerunde wurde deutlich, dass die Landwirte nach dem beschlossenen Aus für die Zuckerfabrik Warburg »gebrannte Kinder« sind.

»Sind wir Lückenbüßer für schlechte Zeiten?«

»Was macht die Nordzucker AG so optimistisch für die Zukunft?« oder »Sind wir die Lückenbüßer für schlechte Zeiten?« lauteten kritische Fragen an die Unternehmensvertreter. Die maximale Vertragslaufzeit von drei Jahren stellt für die Landwirte keine lange Planungssicherheit dar.

So gab es auch Fragen nach der Möglichkeit, Aktien mit dem entsprechenden Lieferanspruch von Aktion-Inhabern abzukaufen. Auch die Organisation der Rüben-Anlieferung nach Nordstemmen stellt die Landwirte vor Fragen: »Wie viel Tonnen Rüben müssen aus der Börde kommen, damit Nordzucker hier tätig wird?«, »Wie kommen die Rüben nach Nordstemmen?«

Ein weiterer Interessent melden sich

Claus-Friso Gellermann antwortete: »Wir würden vor Ort vorhandene Liefergemeinschaften abfragen, ob sie Interesse am Transport haben, oder unsere eigenen abfragen. Wir würden die Rüben auch hier wegholen.« Noch am Montagabend konnten interessierte Rübenbauern ein Formular zum Anbauinteresse ausfüllen oder nach Hause mitnehmen.

Die Nordzucker AG ist allerdings nicht der einzige Interessent. »Auch das Unternehmen Pfeifer & Langen mit seinem Werk im nordrhein-westfälischen Lage will sich hier vorstellen. Diese Info-Veranstaltung folgt«, kündigte Udo Engemann, stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, an.

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