U3-Neubau im Borgentreicher Stadtkern ist Thema – Bürger empfinden Eingriff in die Natur als unnötig Initiative wehrt sich gegen Baupläne

Borgentreich (WB/aho). In Borgentreich hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die sich gegen die Auswirkungen der 5. Änderung des Bebauungsplanes Nr. 8 »Kernstadt« wehrt. Unter der Federführung von Ute Dohmann-Bannenberg, Dirk Lücke und Lisa McTaggart wurden bereits Unterschriften gesammelt. Diese sollen bald Ortsvorsteher Werner Dürdoth oder Bürgermeister Rainer Rauch vorgelegt werden.

Sie protestieren vor dem Familienzentrum Borgentreich gegen die Änderung des Bebauungsplanes (von links): Emma, Heike Schäfer-Jacobi, Monika Göke, Ute Dohmann-Bannenberg, Hubertus Herbold, Lisa McTaggart, Finn, Lorenz Sökefeld und Heinrich Gabriel.
Sie protestieren vor dem Familienzentrum Borgentreich gegen die Änderung des Bebauungsplanes (von links): Emma, Heike Schäfer-Jacobi, Monika Göke, Ute Dohmann-Bannenberg, Hubertus Herbold, Lisa McTaggart, Finn, Lorenz Sökefeld und Heinrich Gabriel. Foto: Astrid E. Hoffmann

Neubau für U3-Plätze

Die Stadt Borgentreich hatte zwei Grundstücke gekauft, um in der Nähe des Familienzentrums einen Neubau für 30 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren errichten zu können. Die Areale grenzen in südlicher und südöstlicher Richtung an den Spielplatz des Familienforums. Der Neubau soll zwischen der evangelischen Kirche und dem Spielplatz am Familienzentrum entstehen. Für den Neubau war der Bebauungsplan geändert worden.

Eingriff in die Natur

Das Grundstück befindet sich damit auch direkt an einem Fußweg, der von der Lehmtorstraße zum Lehmberg und zur Neutorstraße führt. Dafür müsste der Weg im Zuge des Neubaus unterbrochen werden. Nach Aussage von Ute Dohmann-Bannenberg sei der Fußweg jedoch sehr beliebt. »Es geht nicht gegen den Neubau der Kindertagesstätte, Plätze zur U3-Betreuung sind notwendig«, betont Lorenz Sökefeld von der Bürgerinitiative. Die Bürger wollen aber den aus ihrer Sicht unnötigen Eingriff in die Natur verhindern und auch den Fußweg erhalten.

Alte Stadtbefestigung

Den Aktiven geht es zudem um ein Grundstück, das in nördlicher Richtung an das Familienzentrum angrenzt. Hierfür gilt ebenfalls die Änderung des Bebauungsplanes. Auf diesem Areal möchte die Initiative eine mögliche Bebauung verhindern. Dieses Wiesenstück liege nämlich auf dem »Hagen«. Die Stadt sei früher von einer Befestigung umgeben gewesen, der aus einer Mauer aber auch einem Graben bestand, erklärten die Anwesenden. Diese alte Befestigungsanlage sei heutzutage sozusagen der grüne Gürtel der Stadt, der allerdings Löcher aufweise.

Unberührte Vegetation

»Auf diesem Stück des Hagens ist die Vegetation unberührt, Kleinstlebewesen und Vögel finden hier Nahrung«, erklärt die Borgentreicherin Ute Dohmann-Bannenberg. »Außerdem ist dies ein naturbelassener Abenteuerspielplatz für die Kinder. Solche Flächen gibt es kaum noch.«

Heimatgeschichte erhalten

»Den Hagen als Grüngürtel der Stadt zu schützen, ihn für die Kinder als Naturentdeckungsraum zu erhalten, das ist unser Bestreben«, sagt Ute Dohmann-Bannenberg. Auch sei ihnen wichtig, dass die Geschichte der Stadt sichtbar erzählt werden könne. Am Fußweg, direkt an der Rückseite des Familienzentrums gelegen, befinde sich etwa der alte Felsenkeller. »Es gibt hier so viel Heimatgeschichte, die darf doch nicht einfach verloren gehen oder verbaut werden«, sagt Dohmann-Bannenberg.

»Gegen die Willkür«

»Ich bin gegen die Willkür, mit der stadtbildprägende Substanz zerstört wird«, sagt Lisa McTaggart. Zum Beispiel sei das Gebiet »Judenhagen« zwischen Hagenstraße und Mühlenstraße schon zu einer Rasenfläche mit Bäumen »verkommen«. »Früher haben wir hier verstecken gespielt, dass geht nicht mehr, man kann ja jeden sehen«, berichtet die neunjährige Emma.

Unterschriften gesammelt

Bei der Unterschriftensammlung hätten die Aktiven außerdem bemerkt, dass vielen Menschen nicht bewusst sei, was mit dem Fußweg geschehen soll, ergänzt Ute Dohmann-Bannenberg.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.