Zweite Amtszeit von Bürgermeister Grimm ist fast 100 Tage alt – Umstellung der Aktenführung wird forciert
Beverunger Rathaus wird digitaler

Beverungen -

„100 Tage, 100 Masken“, sagt Hubertus Grimm zur Begrüßung des Bilanzgesprächs fast 100 Tage nach seiner Wiederwahl als Beverunger Bürgermeister. Corona ist das bestimmende Thema – natürlich auch im Rathaus auf dem Kellerplatz.

Donnerstag, 04.02.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 04.02.2021, 13:26 Uhr
Die Papierordner wandern bald ins Archiv, Bürgermeister Hubertus Grimm arbeitet mit seiner Verwaltung an der Umstellung auf digitale Aktenführung. Foto: Alexandra Rüther

Nach und nach wird die Beverunger Stadtverwaltung auf digitale Aktenführung umgestellt. „Einige Kollegen arbeiten schon rein digital, andere werden gerade geschult“, sagt Grimm. Das bedeute nicht nur weniger Papier, sondern vor allem flexibleres Arbeiten. Da, wo ein PC ersetzt werden muss, wird daraus ein Laptop. Versehen mit einer speziellen und personalisierten Dockingstation, ein so genannter „Token“, können die Mitarbeiter auch von zu Hause aus auf Daten und Akten aus dem Rathaus zurückgreifen. „In der Kämmerei zum Beispiel, wo ja kaum Publikumsverkehr herrscht, macht das Sinn“, sagt Grimm. Auch einige Mitarbeiter aus Doppelbüros hätten auf „mobiles Arbeiten“ umgestellt. Echte Homeofficeplätze gebe es bisher zwei. „Die sind dienstags und freitags im Büro und ansonsten zu Hause.“

Bis 2022 müssen die Verwaltungen einer Landesverordnung nach ihre Dienstleistungen digital anbieten können. „Ein Schwerpunkt also, den wir jetzt eh angegangen wären, Corona hin oder her“, verdeutlicht der Bürgermeister.

Ordnungsamt

Der zweite Schwerpunkt innerhalb der Verwaltung liege beim Ordnungsamt. Sieben Tage die Woche sind die Mitarbeiter seit Monaten im Einsatz. Zwei Kollegen aus dem Tourismusbereich unterstützen sie. „Wir haben immer noch zig Anfragen jeden Tag, mit den unterschiedlichsten Anliegen“, sagt der Bürgermeister. Sei es der Fitnessstudiobetreiber, der „Gesundheitssport“ anbieten will, oder Hinterbliebene eines Verstorbenen, die wissen möchten, wie viele Personen die Friedhofskapelle besuchen dürfen. Verstöße gegen die Coronaschutzverordnung seien seltener, aber aufwendig in der Bearbeitung. Genauso wie die Anordnung oder Aufhebung oder Verlängerung von Quarantäneverordnungen. „Ein Riesen-Aufwand“, so Grimm.

Haushalt

Unter Corona-Bedingungen geht die „normale“ Arbeit weiter. Die Verabschiedung des Haushaltes ist um drei Wochen auf Ende Februar verschoben worden, die Fraktionsberatungen liefen im Januar teils digital, teils in Präsenz. Viele Anträge aus den Parteien heraus erwartet der Bürgermeister nicht, „schließlich wissen alle um den Spielraum, den wir haben, beziehungsweise eben nicht“.

„Wir investieren in das nötigste, Straßen, Kanäle, Wasserversorgung. Für den Rest brauchen wir Fördermittel.“ Und um die zu beantragen, müsse man schon Experte sein, beziehungsweise die Expertise einkaufen. „Weniger Fördermittel und dafür mehr pauschales Geld für die Kommunen“, wäre der Vorschlag aus Beverungen nach Düsseldorf. „Die Landesregierung packt jedes Jahr eine Milliarde Euro in einen Topf und verteilt es im Rahmen des Gemeindefinanzierungsgesetzes über einen Schlüssel an die Kommunen“, erklärt Grimm. Das seien 23 Prozent der Einnahmen des Landes. „Kämen wir wieder zurück zu den 28 Prozent, die es vor Jahren mal waren, stünden wir besser da und wären nicht so abhängig von Fördermitteln, die das Land ‚segensreich‘ verteilt.“

Aber das ist Zukunftsmusik, und so setzt auch die Stadt Beverungen darauf, Fördermittel, wo es sie gibt, auszuschöpfen. Dabei liegt der Schwerpunkt klar auf dem Tourismus. So soll das neue Weserufer bis April fertig sein – einschließlich der Anpflanzungen und des Mobiliars. Im Rahmen der Regionale 2022 „Weser Fluss Erleben“ sind Rast-Infotafeln entlang des Radweges unter anderem in Würgassen, Herstelle und Wehrden vorgesehen. In dem Zusammenhang soll auch über den SPD-Antrag auf einen 100-Bäume-Wald und die Attraktivierung der Bevermündung am Tretbecken geredet werden. Langfristig sei auch die Anbindung des Axelsees an die Weser ein Thema. Was die Förderung der Sanierung der Freibad-Umkleiden (Land) und den Neubau eines Hallenbades (Bund) angeht, rechnet Grimm mit einer Entscheidung im März.

Unterdessen sind die Grundstücke im benachbarten Neubaugebiet komplett vermessen. Erste Bauanträge liegen vor, 28 der 40 Grundstücke sind vergebnen. Als nächstes wird jetzt die Zufahrt über die Dalhauser Straße gebaut. Auch die Straßensanierung am Selsberg geht weiter. Nach der Königsberger und der Breslauer ist jetzt die Danziger Straße an der Reihe.

Thematisch zurück in der Innenstadt will der Bürgermeister an seinen Plänen, die Weserstraße von der Langen Straße bis zur Burgstraße für den Verkehr zu sperren, festhalten. Dazu plant er eine Anliegerversammlung – sobald das wieder möglich ist. Ziel ist – auch durch die Ansiedlung von Gastronomie und Einzelhandel – mehr Aufenthaltsqualität. Deshalb gehöre als zweiter Schritt auch die Sanierung des Kellerplatzes dazu. „Das geht aber nicht ohne Städtebaufördermittel“, sagt Grimm und ist wieder beim Kern des Problems: „Wir sind einfach unterfinanziert.“ Zumal noch nicht final zu sagen sei, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie letztendlich auf die Wirtschaft und damit auch auf die Gewerbesteuer habe.

Nach Corona

„Gerade, was die Gastronomie betrifft, hoffe ich, dass alle genug Kraft haben und wieder an den Start werden gehen können“, sagt Grimm. Ihm selbst fehle das Treffen von Freunden in großer Runde. Für den Sommer sieht er das noch nicht. „Aber ich bin optimistisch, dass wir es im Laufe des Jahres hinkriegen werden.“

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