Digitale Mammutsitzung des Vereins: Alle Bewerber für die Neuwahlen stehen fest – Abstimmung per Brief
Bürgerinitiative stellt sich neu auf

Beverungen-Würgassen -

Diese außerordentliche Mitgliederversammlung war richtungsweisend und eine Premiere für die Bürgerinitiative „Atomfreies 3-Ländereck“.

Montag, 25.01.2021, 00:02 Uhr aktualisiert: 25.01.2021, 00:10 Uhr
Blick auf Bahnschienen vor dem ehemaligen Kernkraftwerk in Würgassen. Auf dem Gelände plant die BGZ ein Logistikzentrums für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Dagegen weht sich die Bürgerinitiative massiv. Foto: Harald Iding

Alle Mitglieder des alten Vorstandes erklärten am Freitagabend ihren Verzicht auf einen Posten in einem noch per Briefwahl neu zu bestimmenden Leitungsgremium – obwohl sie dazu von Mitgliedern während der Versammlung immer wieder vorgeschlagen wurden. In der digitalen, dreieinhalbstündigen Mammutsitzung hatten die Mitglieder (ordentliche wie fördernde) die Gelegenheit, über Chats und dem Live-Stream (YouTube), ihr Vorschläge für eine Zukunft der Initiative unter neuer Führung einzubringen beziehungsweise die Beiträge von einzelnen Mitgliedern zu verfolgen. Aktuell gehören dem Verein 499 Mitglieder an.

Für diese digitale Versammlung wurde ein Raum in der Stadthalle Beverungen genutzt. Dort war reichlich Übertragungstechnik aufgebaut und an den Computern und Mikros saßen neben dem Moderator Professor Dr. Dr. Martin Hörning (Vorstandsmitglied) die weiteren Gründungsmitglieder Heinrich Wenisch (Schriftführer), Hubertus Hartmann (Kassenwart) und Edith Goetz (2. Vorsitzende). Außerdem gehörte der Runde noch Wilhelm Holz an (seit November als Beirat).

Hörning machte gleich zu Beginn der Versammlung deutlich, warum sie diesen „außerordentlichen“ Status hat. Hörning: „Leider ist in den letzten knapp drei Monaten die Energie des Vorstands nicht mehr nur auf die Verhinderung des Zwischenlagers in Würgassen gerichtet gewesen. Wir haben eine Menge interne Probleme und Auseinandersetzungen gehabt, die uns geschwächt haben – und möglicherweise auch nachhaltig schwächen werden. Diese Mitgliederversammlung soll das Ganze ein wenig heilen helfen.“

Es sei ein Punkt erreicht, bei dem die verbliebenen Gründungsmitglieder im Vorstand das Gefühl haben, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Hörning: „Wir sind zuletzt fälschlicherweise als eher undemokratisch dargestellt worden. Daher haben wir uns entschieden, Neuwahlen anzuberaumen und allen Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, den Vorstand zu wählen, den sie haben wollen.“ Und davon machten rund 150 ordentliche Mitglieder in einer zugeschalteten Zoom-Video-Konferenz auch Gebrauch, während die anderen über YouTube live über die Abstimmungen und Kandidatenvorstellungen informiert wurden.

Die vom Vorstand vorgelegte Tagesordnung wurde von allen mehrheitlich befürwortet, ebenso der Bericht des Kassenprüfers Hubertus Hartmann und die Entlastung des Vorstandes (Hartmann: „Danke für den Vertrauensbeweis uns gegenüber!“) als auch die Entscheidung, eine Briefwahl im Nachgang der Versammlung durchzuführen und einen Rechtsanwalt/Notar als neutrale „Empfänger-Adresse“ festzulegen.

Ein Wahlgremium wurde bestimmt, das sich nun darum kümmern wird, dass ein neuer Vorstand gewählt werden kann. Die Terminierung sei nun alleinige Sache des Wahlausschusses. Solange bleibe der bisherige Vorstand im Amt.

Für den Chefposten (1. Vorsitzende beziehungsweise 1. Vorsitzender) stellten sich an dem Abend gleich drei Personen zur Verfügung. Es sind Susanne Wilke aus dem Landkreis Holzminden sowie der ehemalige Vorsitzende Dirk Wilhelm aus Drenke (er war im Oktober 2020 überraschend zurückgetreten).

Als Dritter wurde Martin Zühlsdorf notiert. Der hat aber inzwischen seine Kandidatur wieder zurückgezogen, wie das WESTFALEN-BLATT erfahren hat. Zühlsdorf gab dafür gegenüber dieser Zeitung am Sonntag gesundheitliche Gründe an. „Aber ich bleibe natürlich weiterhin Mitglied der BI“, so der Lauenfördener.

Für das Amt des zweiten Vorsitzenden kandidieren Martin Ahlborn (Uslar) sowie Martin Hoppe (Bad-Karlshafen). Für den Posten des Kassenwartes gibt es nur eine Kandidatur – und zwar die von Katrin Meyer aus Meinbrexen. Für die vier Beisitzerposten haben sich zur Wahl gestellt: Rüdiger Brandt (Beverungen), Reiner Lenzing (Bad Karlshafen), Paus Weskamp (Höxter), Thorsten Schäfer (Bad Karlshafen) und Oliver Stellmacher (Fürstenberg).

Zum Ende der Versammlung gab es mehrfach Lob von Mitgliedern für die gelungene Ausrichtung der digitalen Konferenz und dass auch dank der souveränen Moderation und Arbeit des Vorstandes im Hintergrund alles stressfrei und diszipliniert abgelaufen sei.

Nach der ausführlichen Stellungnahme der BGZ im Hinblick auf das Gutachten der BI sagte Hörning: „Dass die BGZ so umfangreich reagiert, zeigt zumindest, dass unsere Kritik bei denen voll ins Schwarze getroffen hat!“

Es gibt auch schon eine erste Einschätzung des BI-Rechtsanwaltes Siegfried de Witt. „Das Endlager beginnt nicht am Förderkorb, sondern in der Bereitstellung am Schacht. Deshalb kann die erweiterte Bereitstellungshalle in ein ergänzendes Planfeststellungsverfahren einbezogen werden. Damit kann der Standort dafür direkt beim Schacht Konrad festgelegt werden.“ Die Stellungnahme der BGZ würde diesen Zusammenhang nur „vernebeln“, so de Witt.

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