Einmal im Jahr hat Hans-Werner Ueckert seinen großen Auftritt mit weißem Bart und rotem Mantel
„Mein Leben als Nikolaus“

Lauenförde -

Auch ein Nikolaus muss mal in Rente gehen. Und so hat sich Hans-Werner Ueckert aus Lauenförde gedacht, nach 40 Jahren sei der Zeitpunkt gekommen, den roten Mantel an den Nagel zu hängen.

Mittwoch, 02.12.2020, 06:15 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 06:20 Uhr
Hans-Werner Ueckert hat den Nikolaus-Mantel nach 40 Jahren an den Nagel gehängt Foto: Alexandra Rüther

Allerdings nicht, ohne ein Tagebuch zu hinterlassen, in dem er nicht nur seinen Werdegang, sondern auch viele kleine Geschichten und Anekdoten aus seinem 40-jährigen Nikolaus-Leben festgehalten hat.

Eigentlich sollte er den Lauenförder Nikolaus Alfred Goldbach nur einmal vertreten. 1977 war das. Goldbach, ein Nachbar Ueckerts, war so erkältet, dass er keine Stimme mehr hatte. Nach einer kurzen Einweisung zog Ueckert also das erste Mal los – nicht ahnend, dass sein Nachbar nur ein halbes Jahr später sterben sollte und aus der Vertretungslösung eine dauerhafte werden würde.

Damals war Ueckert 30 und er fand Gefallen an seinem Nikolaus-Dienst. „Es kam meiner Liebe, vor anderen Menschen aufzutreten, Spaß und Freude zu produzieren und etwas zu präsentieren, doch sehr gelegen“, erzählt er in seinem Buch. So wurde er im Kindergarten und in der Grundschule in Lauenförde eine Institution. Doch auch auf dem Sternenmarkt in Beverungen ist er regelmäßig aufgetreten. Hier allerdings als Weihnachtsmann – da ist er flexibel –, weil der Sternenmarkt erst immer Mitte Dezember gefeiert wird. Mindestens 100 Veranstaltungen mit mehr als 5000 Kindern habe er besucht. „Frau Nikolaus“ habe ihn dabei immer begleitet und darauf geachtet, dass er gut angezogen ist und der Bart richtig sitzt. Sein kuscheliger roter Mantel stammt auch von ihr. Ein weiteres wichtiges Utensil bei seiner Arbeit ist das Goldene Buch. „Eigentlich eine Zettelwirtschaft“, verrät Ueckert. Denn in dem dicken Wälzer hat er die Zettel mit Hinweisen und Stichpunkten gesammelt, die er von Kindergärtnerinnen, Lehrern oder Eltern zugesteckt bekommen hat und auf denen zum Beispiel steht, dass Klara schon gut mit der Bastelschere umgehen kann oder Erik so gerne singt. „Die ungläubigen Augen der Kinder, wenn sie hören, dass ich etwas über sie weiß, was sie mir aber nicht selbst gesagt haben, werde ich nie vergessen.“ Genauso wie die Aufregung, die herrschte, wenn er den Raum betrat, die Stille, die dann eintrat, den Respekt, den die Kinder ihm gegenüber hatten, die vielen Bilder, die sie für ihn gemalt haben, und die Freude und Zufriedenheit, die er hinterließ, wenn er wieder ging.

„Das Tolle am Nikolaus-Sein ist, dass sie ihn lieben“, sagt Ueckert. Begeisterung, Dankbarkeit und Liebe habe er immer wieder erfahren,. „Für mich war der Nikolaus-Tagt stets der schönste Tag im ganzen Jahr.“

Zur Person

Hans Werner Ueckert, 1947 in Beverungen geboren, studierte Maschinenbau an der FH Paderborn. Er war 25 Jahre in der freien Wirtschaft beschäftigt, bevor er in die Selbstständigkeit als Vermögens- und Anlageberater wechselte. Diese freie Zeiteinteilung ermöglichte es ihm, mehr als 40 Jahre als Nikolaus zu wirken. Ueckert ist verheiratet und hat zwei mittlerweile erwachsene Kinder. Seine Ehefrau Angelika unterstützt seine Leidenschaft, die Mitmenschen zu bespaßen, auf der Bühne zu stehen, zu singen, Gedichte, Vorträge und Liedtexte zu schreiben und vorzutragen.

Das Nikolaus-Tagebuch ist für zehn Euro erhältlich in der Buchhandlung Lesbar in Beverungen oder beim Nikolaus persönlich in Lauenförde, Im Paeken 3.

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