Ernst Fien (83) aus Würgassen baut seit 22 Jahren Krippen und versieht die Ställe mit liebevollen Details
Weil in der Herberge kein Platz für sie war

Würgassen -

Holz, Leim, ein Schnitzmesser und ein paar Nägel – viel mehr braucht Ernst Fien nicht für sein großes Hobby, den Bau von Krippen. Ach doch, etwas noch: Zeit, viel Zeit. Aber die hat der 83-jährige Würgasser.

Samstag, 28.11.2020, 05:50 Uhr
Damit fängt alles an: Boden, Vorder-und Rückseite. „Der Rest ergibt sich“, sagt Krippenbauer Ernst Fien. Foto: Alexandra Rüther

 

Vor gut 20 Jahren fing alles an. Mit seiner Frau Heidrun (76) war er zu Besuch in seiner alten Heimat Eschwege, als die beiden in einem Schaufenster eine Krippe entdeckten. 246 D-Mark sollte sie kosten – dachten sie. Das Preisschild setzte sich aus Steckzahlen zusammen. Und die 1, die vor die 246 gehörte, war umgefallen und nicht zu sehen. „Über den Preis habe ich mich so geärgert, dass ich mir vorgenommen habe, die Krippe selber zu bauen“, erzählt der ehemalige Eisenbahnsignaltechniker, der sich schon immer für den Werkstoff Holz begeistern konnte.

Pappel, Fichte, Kiefer, Buche, Eiche – eigentlich kommt jedes dieser Hölzer bei jeder Krippe zum Einsatz. „Das ergibt sich“, sagt Fien. Wie sich überhaupt das meiste erst während des Bauens ergibt. Den Anfang machen der Boden, die Vorder- und die Rückseite. Manchmal kommt auch eine alte Wurzel zum Einsatz, um die dann herum gebaut wird. Dann werden Schindeln geschlagen, Fensterrahmen genagelt, Futtertröge zusammen gesteckt, Leitern mit Sprossen versehen, Brunnen, Lagerfeuer und Türen gebaut. Und bekommen nicht etwa Metallbeschläge, sondern werden gezapft, sie laufen in Holz. „Zu Zeiten Josefs und Marias gab es schließlich auch keine Metallbeschläge“, erklärt er gerne seinen Kunden. Beim Strom nimmt er es dann geschichtlich nicht so genau. Natürlich ist jeder seiner Krippenställe mit Strom ausgestattet. Wert legt Ernst Fien dabei auf indirektes Licht. „Es ist schon manchmal etwas knifflig, die Glühbirnen zu verbauen. Man soll sie nicht direkt sehen, aber man muss natürlich noch dran kommen.“

In seinem kleinen Ausstellungsschuppen in Würgassen stehen noch einige Exemplare, zwei fallen besonders auf. Die eine Krippe ist gebaut wie eine Grubenlampe der Kumpel in den Bergwerken, die andere ist quasi ein Doppelhaus, vereint sie doch die Herberge, die Maria und Josef wieder verlassen müssen, weil dort kein Platz für sie war, und den Stall, den sie dann stattdessen aufsuchen. Auch die allererste Krippe, die Ernst Fien 1998 für seine Frau gebaut hat, steht hier noch. Heute gehört sie dem gemeinsamen Sohn des Ehepaares. „Und der will sie auch nicht mehr hergeben“, sagt Heidrun Fien.

Das ist die allererste Krippe, die Ernst Fien 1998 gebaut hat. Heute gehört sie seinem Sohn.

Das ist die allererste Krippe, die Ernst Fien 1998 gebaut hat. Heute gehört sie seinem Sohn. Foto: Alexandra Rüther

Sie unterstützt ihren Mann gerne bei seinem Hobby. Manchmal drängt sie ihn auch spätabends dazu, endlich ins Bett zu gehen, wenn er sich mal wieder nicht von einer „Baustelle“ trennen kann. So packt er die 60 bis 80 Stunden, die er an einer Krippe ungefähr arbeitet, auch gerne mal in eine Woche. Normalerweise wären die beiden an diesem Wochenende auf dem Weihnachtsmarkt in Fürstenberg, wie so viele Jahre zuvor. Aber normal ist halt in diesem Jahr nichts.

Trotz oder vielleicht auch wegen Corona hat Ernst Fien aber auch ohne Märkte schon viele Krippen verkauft. Die Kunden melden sich direkt in Würgassen. „Sie wollen es sich zuhause gemütlich machen. Und dazu gehört in der Vorweihnachtszeit für viele eine Krippe“, sagt Heidrun Fien und zeigt auf ein dickes Album, in dem von jeder verkauften Krippe ein Foto steckt. „Wenn dann jemand im Nachhinein einen Anbau oder etwas Zubehör möchte, hat er die Krippe vor sich und ich das Foto. Und so wissen wir, worüber wir reden“, sagt der Hobby-Architekt, der das Krippenbauen eigentlich schon vor drei Jahren an den Nagel hängen wollte. „Aber so lange ich beweglich bleibe, mache ich wohl weiter.“ Zeit hat er ja.

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