Menschen 2020: Amelunxer Filip Radamm zur Erlebnispädagogik in Jugendeinrichtung
Eule und Fuchs schärfen die Sinne

Amelunxen (WB). Die Gruppe fällt sofort auf. Neun Personen, mit schweren Rucksäcken und Kletterausrüstung bepackt, meistern enge Schluchten und steile Anstiege im Elbsandsteingebirge. Das Nachtlager bereiten sie sich unter einem Felsüberhang in freier Natur. „Das war für alle ein beeindruckendes Erlebnis“, sagt der Amelunxer Filip Radamm.

Samstag, 24.10.2020, 06:00 Uhr
Gut gesichert ist der Amelunxer Filip Radamm in den Bergen unterwegs und verarbeitet die Gruppenerlebnisse nun unter anderem auch in seiner Bachelorarbeit zur Auswirkung der Erlebnispädagogik bei benachteiligten Kindern und Jugendlichen. Foto: privat

„Durchboxen im Leben“

Und genau das sollte es auch sein. Radamm arbeitet als Respekttrainer im Trainingscamp Diemelstadt, einer Jugendhilfeeinrichtung des Vereins „Durchboxen im Leben“. Straffällig gewordene Jugendliche sollen hier durch klare Regeln und Strukturen wieder eine Orientierung im Leben finden. Der Bereich der Erlebnispädagogik spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Amelunxer absolviert in Diemelstadt den praktischen Teil seines dualen Studiums der Fachrichtung Sozialpädagogik und Management. In seiner Bachelorarbeit thematisiert er die Auswirkungen der Erlebnispädagogik auf das Selbstvertrauen von benachteiligten Kindern und Jugendlichen.

Zugspitze bleibt ein Ziel

Zusammen mit Ben Hüttemann, der wie Filip Radamm zur Bushcraft-Family (siehe Infokasten) gehört, organisierte der 36-Jährige jetzt die zweitägige Klettertour in Sachsen. Eigentlich sollte die Zugspitze, Deutschlands höchster Berg, das Ziel der Reise werden. „Da hat uns das Wetter aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Neuschnee und deutliche Minustemperaturen sind für eine Anfängergruppe zu gefährlich“, sagt Filip Radamm. Das Elbsandsteingebirge war letztlich aber viel mehr als nur ein Ersatz. „Die Jugendlichen haben die Aufgaben super gemeistert und waren hoch motiviert. Da spielte es gar keine Rolle, ob wir nun in Sachsen oder in Bayern waren. Trotzdem behalten wir den Plan mit der Zugspitze im Auge, müssen das Event dann nur früher im Jahr planen“, sagt Radamm.

Touristen sind skeptisch

An der Elbe ging es von Ostrau zunächst über einen Anstieg mit vielen Treppenstufen zu den Schrammsteinen. Mit einer Mehrseillängentour erklomm die Gruppe die Steine – und erregte damit Aufmerksamkeit bei anderen Wanderern. „Die Touristen waren sehr skeptisch, ob wir das schaffen würden. Aber gerade das setzte bei unseren Teilnehmern noch mehr Motivation frei“, berichtet Radamm. Über den Gradweg ging es zu den Affensteinen. Dort richteten die Jugendlichen und ihre zwei Begleiter das Nachtlager unter einem Felsvorsprung ein. „Isomatten und Schlafsäcke sowie die gesamte Verpflegung hatten wir in den Rucksäcken mit dabei“, erzählt der Amelunxer. In der Nacht hätten eine Eule und ein Fuchs mit ihren Geräuschen die Sinne der Jugendlichen geschärft.

Am zweiten Tag meisterte die Gruppe einen anspruchsvollen Klettersteig und erreichte durch die „Wilde Hölle“ den höchsten Punkt der Tour. Dann ging es zurück nach Ostrau. „Insgesamt sind wir 32,5 Kilometer marschiert und geklettert“, berichtet Filip Radamm, der auch selbst als Extremhindernisläufer sportlich erfolgreich unterwegs ist und sich im vergangenen Jahr für die Europameisterschaft der Hindernisspezialisten in Polen qualifiziert hat.

Die Hindernisläufe sind ein weiterer Baustein, den er in seine Arbeit in Diemelstadt und letztlich auch in seine Bachelorarbeit mit einfließen lässt. Bei den OCR-Trailrunners in Trendelburg ist er Mitglied und mit „seinen“ Jugendlichen regelmäßig gern gesehener Gast in Training und Wettkampf. „Erlebnispädagogische Maßnahmen führen zu weniger Aggressionen, größerer emotionaler Stabilität und gesteigertem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten“, weiß Filip Radamm aus seinem Studium und hat diese Erfahrung auch schon selbst in der Praxis gesammelt.

Positive Erlebnisse

„Beim Klettern kam noch die Überwindung der Höhenangst dazu. So eine Erfahrung schweißt zusammen“, sagt der Familienvater und zitiert eine Song-Passage des russischen Sängers Vissotzky. „Wenn Du dir nicht sicher bist, ob dein Freund wirklich ein Freund ist, dann gehe mit ihm ins Gebirge“.

Die positiven Erlebnisse der Klettertour im Elbsandsteingebirge wird der Amelunxer nun noch wissenschaftlich für seine Arbeit aufarbeiten, mit der er sein Studium in Kassel im kommenden Frühjahr abschließen wird. Seine Arbeit mit den Jugendlichen in Diemelstadt will er aber auch danach weiter fortsetzen.

 

Das Stichwort: Die Bushcraft-Family

Die Bushcraft-Family haben Justin Kay und Marc Pahlsmeyer im vergangenen Jahr im Reinhardswald gegründet. Seit kurzen sind der Amelunxer Filip Radamm und der Paderborner Ben Hüttemann mit von der Partie. Das Quartett kennt sich unter anderem aus gemeinsamen Bundeswehrzeiten in Höxter.

Die Bushcraft-Family bietet Unternehmungen in der Natur für alle Alters- und Leistungsklassen an. Firmen, Vereine, Familien oder andere Gruppen sind willkommen. „Das Ziel ist es, unsere Teilnehmer für die Wildnis zu begeistern und für den Lebensraum Natur und seine Eigenschaften und Ansprüche zu sensibilisieren“, heißt es auf der Homepage.

Dort gibt es auch weitere Infos und Kontaktdaten.

www.bushcraft-family.de

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