Lehrer Hans Barth veröffentlicht Bildband und spendet zur Aufforstung 1500 Bäume
Pflanzenwelt erblüht auf 600 Fotos

Beverungen (WB). „Wir leben in einem Raum, der floristisch und botanisch reichhaltig ist – sowohl von der Artenvielfalt, als auch von der Gestaltung der Pflanzen selbst.“ Mit dieser Fülle, die auch bedrohte Pflanzenarten wie den Frauenschuh umfasst, möchte Hans Barth, ehemaliger langjähriger Lehrer am Städtischen Gymnasium Beverungen, die Menschen vertraut machen. Denn: „Man wertschätzt die Dinge erst dann, wenn man sie kennt“, sagt der Pädagoge. Deshalb lässt er die Pflanzenwelt Beverungens zusammen mit Co-Autorin Barbara Gerken in einem 485 Seiten umfassenden Bildband auf etwa 600 Fotos regelrecht erblühen.

Donnerstag, 08.10.2020, 05:44 Uhr aktualisiert: 08.10.2020, 05:50 Uhr
Buchvorstellung im Wald: Bürgermeister Hubertus Grimm (von links), Autor Hans Barth, Co-Autorin Barbara Gerken, Sebastian Kübler (Kübler media), Revierförster Matthias Wolf. Auf dieser Fläche werden die vom Ehepaar Barth gespendeten Bäume gepflanzt. Foto: Sabine Robrecht

Hans Barth hat in den 36 Jahren seiner Tätigkeit am Gymnasium (Biologie, Erdkunde) ganze Pennälergenerationen für die Natur vor den Toren ihrer Schule begeistert. In den Jahren 1996 bis 2016 trug er mit seinen Schülern auf einer Fläche nahe der Wäschen Weide zur Umwandlung nicht standortgerechter Fichtenwaldungen bei, indem die Gymnasiasten unter seiner Ägide wärmeliebende, in ihrem Bestand bedrohte Baumarten wie Elsbeere, Speierling, Wildapfel und Wildbirne anpflanzten. Die Gymnasiasten haben also Spuren hinterlassen – angeleitet von einem Lehrer, der ihnen seine Liebe zur Natur und ihrer Diversität genauso weitergegeben hat wie sein profundes Fachwissen. In 30 Jahren als Jugend-forscht-Betreuer hat Barth so manchen Entdeckergeist geweckt.

Artenvielfalt

Zum Abschluss seiner aktiven Laufbahn knüpft der Pädagoge nun an die Pflanzaktionen des Gymnasiums an und tut dem Beverunger Wald angesichts des katastrophalen Zustands der Fichtenbestände etwas Gutes. Hans Barth spendet der Stadt zusammen mit seiner Ehefrau Anneli zur Regeneration devastierter Waldflächen im Bereich Eisberg und Wäschen Weide 1500 Bäume im Wert von 2500 Euro: 300 Elsbeeren („an diesem Baum habe ich einen Narren gefressen“), 700 Traubeneichen, 250 Wildbirnen und 250 Hainbuchen werden angepflanzt. Die Flächen sind bereits vorbereitet „Ich hoffe, dass sich Nachahmer finden“, sagt Bürgermeister Hubertus Grimm. „Wenn die Bevölkerung mit aufforstet, ist das um so besser“, appellieren das Stadtoberhaupt und Revierförster Matthias Wolf. Sie danken dem Ehepaar Barth herzlich für ihre Initiative.

Zwei Kuckuckshummeln suchen Schutz unter dem Turban einer Türkenbundlilie: Dieses Foto hat Hans Barth nach einem Regenschauer aufgenommen. Es gehört zu den etwa 600 Motiven des jetzt erschienenen Bildbandes.

Zwei Kuckuckshummeln suchen Schutz unter dem Turban einer Türkenbundlilie: Dieses Foto hat Hans Barth nach einem Regenschauer aufgenommen. Es gehört zu den etwa 600 Motiven des jetzt erschienenen Bildbandes. Foto: Hans Barth

Der Wald habe mit 42 Baumarten eine einzigartige Artenvielfalt, hebt Matthias Wolf hervor. Diesen Schatz ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, liegt ihm am Herzen. „Dabei hilft das Buch“, kommt der Förster auf den Bildband „Die Pflanzenwelt Beverungens in Wort und Bild“ zu sprechen. Die etwa 600 Fotos von Hans Barth setzen 240 verschiedene Pflanzenarten in all ihrem Liebreiz in Szene. Da ist zum Beispiel der Bärlauch, der im Frühjahr in aller Munde und mit seinem doldigen Blütenstand wunderschön ist, oder das gelbe Windröschen, das seltener zu finden ist wie das verwandte Buschwindröschen. „Das Leberblümchen sollte auch jedem gefallen“, sagt Hans Barth. Und für den seltenen Frauenschuh muss man nicht nach Franken fahren. Ihn gibt es in Beverungen ebenso wie die Fliegen-Ragwurz, ein weiteres Orchideengewächs. Die Pflanzen des Waldes fächern sich im Buch ebenso auf wie die der Felder, Wiesen und Feldraine. Hecken und Feldgehölze kommen ebenfalls vor. Halbtrockenrasen runden die in Szene gesetzten Naturräume ab. Die Leser begegnen auch Insekten wie Hummeln, Bienen und einer Rarität, dem Hirschkäfer. Sie alle hat Hans Barth vor die Linse bekommen. Eine Anleitung zur eigenständigen standortlichen Analyse rundet den Bildband und das 25 Seiten umfassende Begleitheft ab. Die Leser können also ein kleines ökologisches Gutachten erstellen.

„Nur was man kennt, schützt man“

Erschienen in einer Auflage von 150 Exemplaren, ist der Bildband in der Buchhandlung Lesbar und in der Buchhandlung Ferdinand Kübler erhältlich. Für Design und Druck zeichnet die Firma Kübler media verantwortlich. Geschäftsführer Sebastian Kübler war Schüler bei Hans Barth. Es hat ihn gefreut, mit seinem ehemaligen Lehrer zusammenzuarbeiten. „Nur was man kennt, schützt man“, würdigt Hubertus Grimm in Anlehnung an ein Zitat des Verhaltensforschers Konrad Lorenz das Buch. Hans Barth möchte es als „Reminiszenz an Beverungen“ verstanden wissen und dankt seiner Co-Autorin Barbara Gerken, in der er eine profunde Kennerin gefunden habe. Die ehemalige Lehrerin des König-Wilhelm-Gymnasiums Höxter (Biologie, Chemie, Latein) kennt Hans Barth unter anderem von „Jugend forscht“. „In unserer Liebe zur Botanik schwimmen wir auf einer Welle“, sagt die Pädagogin.

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