Sternfahrt über die Weserbrücke gegen Atommüll-Zwischenlager in Würgassen
Protest auf zwei Rädern

Beverungen/Würgassen (WB). Schrilles, anhaltendes Fahrradgeklingel ist zu hören und eine lange Schlange, bestehend aus zahlreichen Menschen mit gelben Pappkartons auf ihren Fahrrädern, erstreckt sich über die Weserbrücke. Mit dieser besonderen Protestaktion wollen sich die Gegner des geplanten Atommüllzwischenlagers in Würgassen Gehör verschaffen und den Kampf gegen das Lager weiter vorantreiben.

Montag, 07.09.2020, 17:42 Uhr aktualisiert: 08.09.2020, 10:50 Uhr
Etwa 250 Teilnehmer haben sich an der Sternfahrt über die Weserbrücke beteiligt. Foto: Ellen Waldeyer

Die Sternfahrt, die am frühen Sonntagnachmittag sowohl von Beverungen als auch von Bad Karlshafen startete und ihr Ziel am alten Kernkraftwerk hatte, sollte den Transport des Atommülls symbolisieren. Denn, wenn das Zwischenlager für Atommüll in Würgassen in Betrieb gehen sollte, soll der Müll aus allen Teilen Deutschlands in das Weserbergland gebracht werden. „Dafür haben wir gar nicht die notwendige Verkehrsinfrastruktur“, erklärten die Verantwortlichen, die die Fahrradprotestaktion geplant hatten, und veranschaulichten das am Sonntagnachmittag: Die große Menschentraube auf Fahrrädern, die sich langsam von Beverungen über die Weserbrücke nach Würgassen bewegte, sorgte für Verkehrsstau und mit ihren Klingeln für eine erhebliche Lautstärke. Das sei auch der Plan gewesen, da die Lastwagen, die den Atommüll transportieren sollen, nicht nur den Verkehr behindern, sondern auch starken Lärm verursachen würden.

Gelber Pappkarton

Die Autofahrer am Sonntag schienen entspannt zu sein, viele sahen selbst womöglich auch einen Nutzen durch die Aktion für ihre Region. Nur ein paar wenige Motorradfahrer waren genervt, wollten nicht länger warten und überholten den symbolischen Atommülltransport.

Jeder der etwa 250 Teilnehmer trug einen gelben Pappkarton auf dem Rücken oder Gepäckträger. Die kleinen Schachteln, auf denen das schwarze Symbol der Radioaktivität prangte, konnten die Demonstrierenden entweder zuhause selbst basteln oder an den Startpunkten gegen eine Spende von zwei Euro erwerben. Die Spenden sollen für weitere Aktionen sowie einen Rechtsstreit gegen das Lager aufgewendet werden.

Am Ziel der Radtour, dem ehemaligen Kernkraftwerk in Würgassen, auf dessen Gelände das Zwischenlager geplant wird, brachten alle Teilnehmer ihre Kartons nach vorn und veranschaulichten so, welches Maß eine Tonne Atommüll hat. Um die zwei Kubikmeter „Müll“ lagen vor den Teilnehmern der Aktion. Wie viele Tonnen mit Lastwagen zukünftig dort ankommen sollen, ist derzeit noch nicht klar.

„Das ist der schiere Wahnsinn“, sagte Dirk Wilhelm aus Drenke, Vorstandsmitglied des Vereins „Atomfreies Dreiländereck“. Er sprach in sein Handy, das mit einem Bluetooth-Lautsprecher verbunden war, so dass ihn alle 250 Teilnehmer, die sich auf dem Platz mit Abstand versammelt hatten, verstehen konnten. Demonstrativ stand er auf einem gelben Blechfass, in dem der Müll verstaut werden soll. Er erklärte, dass 1,5 Millionen solcher Fässer das Lager in 30 Jahren durchlaufen müssten, um die voraussichtlich geplante Menge Müll zwischenzulagern. „Wobei das Vorhaben der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung konzeptlos und fehlerhaft ist“, so Dirk Wilhelm.

Standortfindung ist eine Farce

Die Vorstandsmitglieder brachten ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass so viele Menschen ihrem Aufruf zum Protest gefolgt waren – denn nur, wenn genügend Druck herrsche, könne man etwas verändern. „Wir haben nun schon mehr als 300 Fördermitglieder in unserem Verein und insgesamt 8800 Unterschriften gegen das Lager gesammelt“, erklärt Edith Götz aus Lauenförde. Damit übe man bereits Druck auf die Regierung aus. „Das hier ist kein regionales Thema mehr, sondern gehört auf die Landes- und Bundesebene. Wir müssen uns überregionales Interesse verschaffen“, meint Dirk Wilhelm und zeigte sich zufrieden, dass sich die verschiedenen Landes-Regierungen aus Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen einig seien, das Lager stoppen zu wollen.

„Die Standortfindung ist eine Farce, die wir uns nicht gefallen lassen dürfen. Deswegen haben wir einen Gutachter beauftragt, der das Vorhaben fachmännisch beurteilt“, erläutert Dirk Wilhelm das nähere Vorhaben des Vereins. Ende Herbst soll es veröffentlicht werden. Darauf soll dann ein Rechtsstreit vor Gericht folgen, der die Willkür beweisen soll. „Wir stehen mit unserem Verein und unseren Vorhaben gerade erst am Anfang. Die heutige Protestaktion ist erst der Auftakt zu etwas Großem“, schloss Dirk Wilhelm seine Rede und erntete großen Beifall von den Anwesenden.

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