Örtliche Bürgerinitiative und Anti-Atom-Organisation wollen Zwischenlager in Beverungen-Würgassen verhindern
Nächtliche Protestaktion am Kernkraftwerk

Beverungen (WB). Während am späten Dienstagabend gerade die Tagesthemen in der ARD ausgestrahlt wurden, hat es am ehemaligen Kernkraftwerk Beverungen-Würgassen eine der wohl spektakulärsten Protestaktionen gegeben. Auf dem einstigen Reaktorgebäude projizierten die Bürgerinitiative „Atomfreies 3-Ländereck“ und die bundesweit tätige Anti-Atom-Organisation „.ausgestrahlt“ mit einem kräftigen Beamer einige Kernaussagen ihres Protestes.

Mittwoch, 22.07.2020, 01:43 Uhr aktualisiert: 22.07.2020, 10:22 Uhr
Nächtliche Projektionsaktion gegen das geplante Atommüll-Zwischenlager in Beverungen-Würgassen. Foto: Harald Iding

Auf dem markanten Gebäude war unter anderem zu lesen: „Kein Atommüll-Verschiebe-Bahnhof in Würgassen“, „Konzeptlos, orientierungslos, intransparent. Atommüll-Lager stoppen!“ und „90 Prozent von Deutschlands Atommüll nach Würgassen? Nein Danke!“

Die ungewöhnliche Projektionsaktion war auch aus dem niedersächsischen Lauenförde und dem nordrhein-westfälischen Würgassen noch zu sehen.

„Verdoppelung der Atomtransporte“

Dazu erklärte Julian Bothe von „.ausgestrahlt“ am Dienstagabend: „Die Betreibergesellschaft BGZ möchte das Zwischenlager um jeden Preis und möglichst schnell durchdrücken. Sie gefährdet die Bevölkerung und mutet ihr eine Verdoppelung der Atomtransporte zu. Damit soll auch das geplante Atommüll-Bergwerk Schacht Konrad geschützt werden, das schon längst nicht mehr dem Stand von Wissenschaft und Technik entspricht. Würde die Halle direkt am Schacht gebaut, wäre ein neues Genehmigungsverfahren nötig. Dann würde offensichtlich, dass Schacht Konrad unter Sicherheitsaspekten nicht mehr genehmigungsfähig ist.“

Nächtliche Protestaktion in Würgassen

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  • Nächtliche Protestaktion in Würgassen
Foto: Harald Iding
  • Foto: Harald Iding
  • Foto: Jannis Große/ausgestrahlt
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  • Foto: Harald Iding
  • Foto: Jannis Große/ausgestrahlt
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„Zahlreiche Mängel“

Und der Sprecher der Bürgerinitiative „Atomfreies 3-Ländereck“, Dirk Wilhelm, sagte: „Die Vorgehensweise des BMU (Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) und die BGZ (Bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung) ist völlig inakzeptabel. Getreu dem Motto ‚beschließen, verkünden, verteidigen‘ wird das Projekt ZBL Würgassen (Zentrales Bereitstellungslager) gegen jeden gesunden Menschenverstand und unter Ignoranz der zahlreichen Mängel des Standortes vorangetrieben – in Form des Diktats ‚alternativlos‘ über die Köpfe der Menschen hinweg.“

Zuletzt hatten die Gegner des geplanten Atommüll-Zwischenlagers mit einem großen  Autokorso zur Eröffnung der neuen Weserbrücke in Beverungen ihren Unmut gegen den „Atommüll-Verschiebebahnhof“ zum Ausdruck gebracht.

Kommentare

Neubert  wrote: 23.07.2020 07:46
Frust eines ehemaligen Mitarbeiters
Zwischenlager Würgassen

Ich bin sicher auch kein Freund von Atommüll, anderseits sollten sich alle mal darüber Gedanken machen, woher Sie oder die Generationen davor ihren Strom her bezogen haben.

Es kann doch nicht sein, dass in einem Land Müll produziert wird und dieser dann einfach ins Ausland abgescchoben wird. Wie groß ist jetzt der Protest, dass dieser Müll in ein Zwischenlager soll.

Hier scheint es mir eher als ein Kampf David vs. Goliath.

Der sogenannte Sprecher der Bürgerinitiative „Atomfreies 3-Ländereck“ - Dirk Wilhelm hat bei dem benannten Energiekonzern Jahre lang gearbeitet und war auch danach bei den Stadtwerken beschäftigt und hat Produkte verkauft, die diesen Müll verursacht haben.

Das gibt einen bitteren Nachgeschmack, warum dieser besagte Herr so angariert ist.

Ich werden den weiteren Verlauf beobachten und sicher wieder kommentieren müssen.
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