130 Teilnehmer beim Info-Spaziergang der Grünen in Würgassen
Widerstand zieht größere Kreise

Würgassen/Lauenförde/Beverungen  (WB). Die Veranstalter hatten mit bis zu 30 Teilnehmern gerechnet. Am Ende waren es jedoch mehr als 130 Personen, die sich am Wochenende mit auf den Info-Spaziergang zum Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Würgassen und geplanten Atommülllagers machten. Eingeladen dazu hatten die Grünen aus Holzminden/Lauenförde und Höxter/Beverungen.

Mittwoch, 22.07.2020, 00:10 Uhr aktualisiert: 22.07.2020, 10:20 Uhr
Mit so einer großen Beteiligung hatten die Veranstalter des Info-Spaziergangs rund um das ehemalige Atomkraftwerk Würgassen nicht gerechnet. 130 Teilnehmer machten mit – vereint im Widerstand gegen die Pläne, hier ein Logistikzentrum zu bauen. Foto: privat

Nach dem Autokorso anlässlich der Eröffnung der neuen Weserbrücke am Mittwoch war dies die zweite große Veranstaltung innerhalb einer Woche gegen die Pläne der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), in Würgassen das zentrale Zwischenlager für mittel- und schwachradioaktiven Abfälle aus ganz Deutschland zu errichten.

Weite Kreise

„Wir freuen uns und sind beeindruckt, dass der Widerstand gegen die Pläne der BGZ immer weitere Kreise zieht“, sagte Gerd Henke, Vorstandssprecher der Grünen im Kreis Holzminden. Die Region, die seit fast 50 Jahren von der Atomtechnik in Mitleidenschaft gezogen worden sei, „will es sich nicht gefallen lassen, für weitere Jahrzehnte die Hinterlassenschaften dieser lebensfeindlichen Technologie zu tragen“, sagte Henke unter dem Beifall der Teilnehmer.

Zu ihrem Info-Spaziergang hatten die Grünen auch die Atompolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Miriam Staudte, sowie den heimischen Landtagsabgeordneten Christian Meyer eingeladen. Staudte plädierte für die Aufnahme eines völlig neuen Verfahrens zur Standortfindung für ein solches Zwischenlager. Dass und wie die BGZ auf Würgassen als zentralen Standort für solch ein Lager gekommen ist, sei nicht nachvollziehbar. Staudte: „So etwas darf nicht über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden werden.“ Sie deutete an, dass auch im Hinblick auf das genehmigte Endlager Schacht Konrad bei Salzgitter für mittel- und schwachradioaktive Abfälle noch Fragen offen seien.

Land betroffen

Christian Meyer erklärte, dass die Grünen Würgassen auch im Landtag in Hannover zum Thema machen werden. Noch tue die rot-schwarze Regierungskoalition und Umweltminister Olaf Lies so, „als ginge Niedersachsen das Thema nichts an. Dabei ist das Land direkt davon betroffen“, machte Meyer klar. Der geplante Standort liege nur wenige hundert Meter von der Lauenförder Wohnbebauung entfernt. Und die Transporte führten über niedersächsische Bahnstrecken und Straßen. Meyer: „Wie wir wissen, sind bei so viel Transporten Unfälle und Störfälle in der Anlage niemals auszuschließen.“

Vor einigen Wochen wurde die Bürgerinitiative „Atomfreies 3-Ländereck“ gegründet. Sie hat bereits jetzt schon mehr als 200 Mitglieder. BI-Vorsitzender Dirk Wilhelm war ebenfalls Teilnehmer des Rundgangs. Er sagte: „Die Standortfindung der BGZ weist gravierende Mängel auf. Die gesamte Planung wirft darüber hinaus massive Fragen auf. Zufriedenstellende Antworten wurden uns  in den letzten fünf Kreistags- und Ratssitzungen seitens der BGZ nicht gegeben.“ Vielmehr scheine man hier nach dem Motto „beschließen, verkünden, verteidigen“ vorzugehen. Wilhelm: „Dies ähnelt vielmehr einem Diktat über die Köpfe der Menschen und ihre berechtigten Bedenken hinweg, als dass man von Transparenz und Beteiligung sprechen könnte. Daher ist es um so wichtiger, mit Veranstaltungen wie dieser für eine ausgewogene Information der Menschen Sorge zu tragen.“

Einigkeit

Das genau war auch das Anliegen der Grünen. Vorstandssprecher Gerd Henke wies zum Abschluss der Kundgebung – das Akw im Hintergrund – darauf hin, dass der Widerstand im Dreiländereck und in den Kreisen Höxter und Holzminden bislang von großer Einigkeit geprägt ist. „Wenn Grün, Rot, Schwarz und Gelb in dieser für unser aller Zukunft so existenziellen Angelegenheit weiter so zusammenstehen, dann werden wir am Ende auch erfolgreich sein. Dann werden die Flächen, auf denen heute noch der Würgasser Schrottreaktor steht, irgendwann wieder Grüne Wiese werden. So wie es uns vor 25 Jahren versprochen wurde.“

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