Antrag für behindertengerechte Toilettenanlage für Lauenförder Sportheim abgelehnt
Grenzdilemma: Es fehlen 509,88 Meter

Lauenförde (WB). Es war alles auf den Weg gebracht: „Die Fördermittel für eine behindertengerechte Toilettenanlage in unserem Vereinsheim in Lauenförde werden wir erhalten.“ Davon war Bernd Hake vom FC BW Weser überzeugt. 15.660 Euro hatte der FC-Ressortleiter, zuständig für Mitgliederpflege und Ehrenamt, beantragt. Die Gelder sollten aus dem 300 Millionen-Förderprogramm „Meine moderne Sportstätte 2022“ der NRW-Landesregierung kommen.

Sonntag, 05.07.2020, 19:06 Uhr aktualisiert: 05.07.2020, 19:08 Uhr
„Grenzenlose Leidenschaft“: Das Motto des FC BW Weser ist nun an seine Grenzen gestoßen. Der Förderantrag für eine behindertengerechte Sportanlage in Lauenförde ist abgelehnt worden. Das können Bernd Hake (von links), Kassierer Günter Nitschack, dritter Vorsitzender Matthias Thamm und Vorsitzender Matthias Bergmann nicht verstehen. Foto: Jürgen Drüke

300.000 Euro des 300-Millionen-Pakets waren für die Sportstätten der Großgemeinde Beverungen vorgesehen. Das Problem des FC-Antrags: Es handelt sich um ein NRW-Förderprogramm, und Lauenförde gehört nicht zu NRW, sondern zu Niedersachsen. „Vom Sportheim Lauenförde bis zur NRW-Landesgrenze sind es exakt 509,88 Meter,“ berichtet Bernd Hake. „Daran kann es doch nicht scheitern.“ Der beantragte Umbaumaßnahme der Toilettenanlage im mehr als 70 Jahre alten FC-Vereinheim in Lauenförde sei zwingend notwendig.

Meine moderne Sportstätte

„Entsprechend der Förderrichtlinien richtet sich das Förderprogramm „Meine moderne Sportstätte 2022“ ausschließlich an Sportstätten und Sportanlagen in Nordrhein-Westfalen. Der Antrag des FC Blau-Weiß Weser zur Modernisierung der Toilettenanlage im Vereinsheim in Lauenförde/Niedersachsen kann daher nicht bewilligt werden“, antwortete die zuständige NRW-Staatssekretärin Andrea Milz in einem Brief auf ein Schreiben des FC-Vorsitzenden Matthias Bergmann vom 2. Mai 2020. In diesem Schreiben hatte Bergmann dargestellt, dass der FC BW Weser aus den Vereinen VfB Beverungen und SC Lauenförde entstanden ist. „Unser Vereinssitz ist Beverungen und damit Nordrhein-Westfalen. Wir zahlen die Abgaben und begleichen Rechnungen ausschließlich an westfälische Verbände – so wie den Landessportbund. Zudem sind wir dem Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen angeschlossen. Das gilt für die Junioren- und Seniorenteams“, kann Bergmann die ablehnende Antwort nicht nachvollziehen. Im Brief der NRW-Landesregierung heißt es zudem: Es spiele keine Rolle, dass sich der rechtliche Sitz des Vereins in Nordrhein-Westfalen befinde. Auch eine Härtefallregelung, die Bergmann vorgeschlagen hatte, ist abgelehnt worden.

Hake-Kampf

„Das ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar. Der FC BW Weser ist dem westfälischen Verband angeschlossen. Wir richten in Lauenförde Spiele aus, die sich in westfälschen Tabellen niederschlagen“, stellt Hake klar und versteht die Sportwelt nicht mehr. „Wie sollen wir denn den Mitgliedern aus Lauenförde erklären, dass wir zwar den westfälischen Verbänden angehören und hier unsere Abgaben entrichten, allerdings für eine Sportstätte auf niedersächsischem Terrain keine Förderung erhalten?“, fragt Hake. Der 71-Jährige kämpft seit Jahrzehnten für die Belange des ehemaligen VfB Beverungen und nun für die des FC BW Weser. Ganze 509,88 Meter sei das Sportheim in Lauenförde von der Grenze zu Nordrhein-Westfalen entfernt.

Zwei Sportanlagen

„Eine Förderung des Landes Niedersachsen würde bereits aufgrund unserer fehlenden Mitgliedschaft im Kreissportbund Holzminden abgelehnt“, sagt Bergmann. Ein vergleichbares Förderprogramm wie in NRW ­gebe es in Niedersachsen allerdings zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht. Eigenleistung und Einsatz würden beim FC Weser immer groß geschrieben. „Nach der Fusion sind wir für zwei Sportanlagen zuständig. Das Beverstadion in Beverungen und die Sportanlage in Lauenförde verlangen uns alles ab. Die Toilettenanlage in Lauenförde konnte in den vergangenen Jahren nicht saniert werden, weil das Geld dafür fehlte. Die Mittel aus dem Förderprogramm haben uns jetzt eine Möglichkeit eröffnet. Wir hoffen darauf, dass wir auch über die Vermittlung der Politik noch ans Ziel gelangen“, kämpft Bernd Hake weiter. Die Antragsteller beim 300-Millionen-Förderprogramm der NRW-Landesregierung seien übrigens nicht die Kommunen, sondern die Vereine.

Renovieren

„Wir müssen die Toilettenanlage dringend renovieren. Der Zugang ist zu eng. Rollstuhlfahrer können die Toilette beim Besuch eines Heimspiels in Lauenförde nicht aufsuchen. Sie müssen im Fall der Fälle nach Hause fahren“, beschreibt Matthias Bergmann die Problematik. So wie Silas Kiepsch. Der 17-jährige ist Rollstuhlfahrer und besucht regelmäßig die Heimauftritte der Junioren und Senioren. „Auf der Toilette des Vereinsheims gibt es für mich keinen Platz“, bedauert der Fußball-Fan. „Leider musste ich schon oft während eines Spiels die Rückfahrt nach Hause antreten“, beschreibt Kiepsch seine Situation.

Über Landesgrenzen

„Wir bestehen als Verein über die Weser und Landesgrenzen hinweg. Das ist etwas ganz Besonderes. Für unser Engagement werden wir nun allerdings bestraft“, so Hake. Der Kreissportbund Höxter habe das Projekt nicht unterstützt und Grenzen aufgebaut. „Zwischen Beverungern und Lauenfördern gibt es keine Grenzen“, weiß Hake.

Eine weitere vom FC BW Weser beantragte Maßnahme ist übrigens bewilligt worden: Für die Erweiterung der Flutlichtanlage des Kleinspielfelds im Beverstadion wird es 28.000 Euro geben. „Wir erweitern von zwei auf vier Halogenstrahler und stellen auf LED-Technik um“, freut sich Hake.

Für die Gelder der behindertengerechte Toilettenanlage im Sportheim in Lauenförde werden sie weiterkämpfen.

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Der Vorstand des FC BW Weser stößt an seine Grenzen. Eine dringende Sanierungsmaßnahme im Sportheim Lauenförde ist der Grund dafür. Die Grenzsituation des am 9. April 2013 aus den Traditionsvereinen VfB Beverungen und SC Lauenförde gegründeten FC BW Weser erweist sich beim Antrag für eine behindertengerechte Toilettenanlage als Nachteil. Die Westfalen aus Beverungen und die Niedersachsen aus Lauenförde können das nicht verstehen und sind darüber alles andere als erfreut.

Ein stattliches 300-Millionen- Euro-Paket hatte die NRW-Landesregierung für die Sportvereine zwischen Rhein und Weser auf den Weg gebracht und dabei sehr oft grenzenlosen Jubel ausgelöst. „Meine moderne Sportstätte 2022“ hat Begehrlichkeiten geweckt und dringend benötigte Sanierungsmaßnahmen angeschoben. Die Sportvereine in Nordrhein-Westfalen können die finanzielle Unterstützung gut gebrauchen. Zahlreiche Projekte sind auch im Kreis Höxter bereits umgesetzt worden.

„Grenzenlose Leidenschaft”: Der FC BW Weser kämpft und lebt nach einem nicht genehmigten Antrag sein Motto. Die behindertengerechte Toilettenanlage soll und muss her. Grenzen sollten deshalb ganz schnell abgebaut werden.

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