OBS-Festival fällt in diesem Jahr aus – Karten sind auch noch 2021 gültig
Lange Hängepartie endet

Beverungen(WB). Am Pfingst-Wochenende ist in Beverungen OBS-Zeit. Seit 1997 ist das so und für die Besucher des Musikfestivals, wie auch für viele Einheimische, kaum anders vorstellbar. Die Beverunger gehen entweder selbst zum Festival oder haben sich daran gewöhnt, dass es in der Kleinstadt an der Weser von Freitag bis Montag viel quirliger als sonst zugeht. Straßen, Parkplätze und Geschäfte mit vielen unbekannten Gesichtern gefüllt sind und rund um das Industriegebiet, in der die Glitterhouse-Villa am Grünen Weg als Veranstaltungsort dient, kein Parkplatz mehr zu ergattern ist. Doch in diesem Jahr ist bekanntlich sehr vieles ganz anders. Nun ist es offiziell: Es wird 2020 kein Orange Blossom Special Festival stattfinden.

Dienstag, 05.05.2020, 12:34 Uhr aktualisiert: 05.05.2020, 16:38 Uhr

Das konnte Veranstalter Rembert Stiewe am Montagmorgen endlich bekannt geben. Dem voran gegangen war eine wochenlange Hängepartie. Wie unzählige andere Kulturschaffende auch, hingen die Festivalveranstalter komplett in der Luft. „Nach den Beratungen der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Länder am 15. April hieß es zunächst, dass alle Großveranstaltungen bis einschließlich 31. August abzusagen seien“, erzählt Stiewe im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. „Das war schon schwammig formuliert, da es keine Angaben gab, ab wie viel Personen es sich um eine Großveranstaltung handelt. Doch als ich dann wenige Tage später die von unserem Land NRW neu herausgegebene Corona-Verordnung Schwarz auf Weiß vor mir hatte, traute ich meinen Augen nicht: In dieser stand gar nichts von Großveranstaltungen, sondern nur, dass bis zum 3. Mai sämtliche Veranstaltungen abzusagen sind.“ Das bedeutete für alle Organisatoren von Kultur-Events, die nach diesem Termin etwas geplant hatten, weiter „maximales Planungschaos, maximale Rechtsunsicherheit und maximales Risiko, mit Regressforderungen überzogen zu werden“. Denn wenn Veranstalter eigenmächtig absagen, ohne Rückhalt durch eine Landesverordnung oder kommunalbehördliche Allgemeinverfügung, können auf sie zum Beispiel Forderungen für Ausfallgagen, für Nebenleistungen von Kartenbesitzenden, Ausfallzahlungen für entgangene Dienstleistungsaufträge zukommen - und das zusätzlich zu den Einnahmeverlusten.

Mit der neuesten, von der nordrhein-westfälischen Landesregierung veröffentlichten, seit Montag, 4. Mai, geltenden Verordnung, ist hier endlich nachgebessert worden. Und so konnten Stiewe und sein Team verkünden, dass das OBS 24 an Pfingsten im kommenden Jahr, vom 21. bis 23. Mai 2021, stattfinden wird. Das 3.500 Besucher fassende Festival war – wie zuletzt in jedem Jahr – auch diesmal ausverkauft. Die eigentlich für 2020 gültigen Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit für das Musikereignis im nächsten Jahr, können aber auch zurückgegeben werden. „Das OBS zu verlegen, ist über den emotionalen Verlust hinaus für unsere kleine Klitsche natürlich ein enormer finanzieller Kraftakt“, so Stiewe weiter. „Ein gesamter OBS-Jahresumsatz wird fehlen - die Einnahmen aus dem Getränkeverkauf, aus dem Merchandising, dem Sponsoring und vor allem die Vorverkaufserlöse für das OBS im kommenden Jahr. Kosten sind bereits entstanden, laufende Kosten fallen weiterhin an.“

Aber die Beverunger Festivalmacher stecken den Kopf nicht in den Sand, sondern haben sich verschiedene kreative Lösungen einfallen lassen, das Beste aus der Situation zu machen. Zu Pfingsten wird ein Live-Stream vom OBS-Gelände angeboten (Arbeitstitel: „Stilles OBS“) - „mit vielen Überraschungen und ein bisschen Musik“. Dass Stiewe und seine Leute ihren Humor auch in diesen Zeiten nicht verlieren, zeigt ihre Idee, dass sie bald Crowdfunding-Aktionen starten werden, bei denen die Teilnehmenden so originelle Dinge wie ein persönliches Dixiklo beim OBS 24, Kurzurlaub in der Glitterhouse-Villa, ein persönlich per Videobotschaft überbrachter Dreitageswitz, Backstage-Führungen oder auch eine „über Jahre angesammelte und sehr gepflegte Luftgitarrensammlung“ ergattern können. Außerdem gibt es auf der Internetseite ihrer Plattenfirma Glitterhouse ein großes Merchandise-Angebot. Darunter sind „OBS-Retter“-Shirts und -Hoodies, Soli-Gesichtsmasken und -Stoffbeutel und natürlich Musik-CDs und -Platten.

Laut Rembert Stiewe ist der Verkauf dieser „Retter“-Produkte bereits sehr gut angelaufen. Ein feiner, aber kleiner Trost - wird doch der Erlös dieser Aktionen nicht annähernd den finanziellen Ausfall der OBS-Absage auffangen.

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