Markus Vössing gilt als erster Corona-Infizierter im Kreis Höxter
„Patient 1“ ist genesen

Beverungen (WB). Wie viele andere Deutsche auch hat Markus Vössing Anfang März seinen Skiurlaub im österreichischen Ischgl verbracht – und sich dort mit dem Coronavirus infiziert. Der Beverunger gilt als „Patient 1“ im Kreis Höxter. Inzwischen ist er genesen und „sehr entspannt“, wie er sagt. Schließlich sei er jetzt erst einmal immun gegen das Virus.

Donnerstag, 09.04.2020, 06:11 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 06:20 Uhr
Während seines Skiurlaubs in Ischgl hatte Markus Vössing sich Anfang März das Coronavirus eingefangen. Er und seine Schwester gelten als Patienten eins und zwei im Kreis Höxter. Vössing ist unter anderem Geschäftsführer der Beku-Kunststoffwerke. Foto: Alexandra Rüther

Am 8. März kam Markus Vössing aus Ischgl zurück, ein Sonntag. Einen Tag später hatte er beruflich in Wetzlar zu tun. Vössing ist Geschäftsführer der Beku-Kunststoffwerke in Würgassen und der BQ Rohrsysteme GmbH in Dalhausen. „Ich habe mir morgens noch ein paar Akten im Büro geholt und bin losgefahren.“ In Wetzlar saß er mit drei Gesprächspartnern in einer Besprechung. „Sowohl die drei als auch meine Mitarbeiterin, die ich morgens kurz im Büro getroffen hatte, sind alle getestet worden, hatten sich aber nicht infiziert“, so Vössing.

Er selbst wachte am Dienstag auf und fühlte sich fiebrig, er blieb zuhause. An Corona habe er da noch nicht gedacht. Erst als sich Ischgl immer mehr als Hotspot der Infektion herausstellte und in den Medien entsprechend darüber berichtet wurde, kontaktierte Markus Vössing seinen Hausarzt.

„Bevor die Praxis morgens öffnete, bin ich hingefahren, der Arzt kam maskiert heraus, hat den Abstrich gemacht und ich bin wieder gefahren“, beschreibt Vössing den Ablauf. 24 Stunden später wusste er, dass er positiv auf das Virus getestet worden war. Er hatte Corona. Die Infektion ging bei ihm mit „normalen“ Grippesymptomen einher, Husten hatte er nicht. Die Quarantäne begann.

Söhne zwei Wochen zusätzlich in Quarantäne

„Das war für mich erstmal gar nicht so schlimm. Ich war ja krank und habe eh auf dem Sofa gelegen.“ Freunde und Bekannte kauften für ihn und seine zwei Söhne ein. Denn die saßen zusammen mit ihrem Vater zuhause fest. „Übrigens viel länger als ich selbst“, sagt Markus Vössing. „Als ich schon als geheilt galt, mussten die weitere zwei Wochen in Quarantäne bleiben, weil ich sie ja auch am letzten Tag meiner Infektion noch hätte anstecken können.“ Getestet wurden sie nicht.

„Für die beiden war das schon eine Herausforderung. Anfangs waren sie sauer, aber nach einem klärenden Gespräch extrem kooperativ.“ Nach drei symptomfreien Tagen und der Meldung beim Gesundheitsamt erhielt Markus Vössing dann vom Ordnungsamt die Aufhebung seiner Quarantäne. Mittlerweile wisse natürlich jeder, dass er derjenige ist, der Corona hatte, und jeder frage ihn auch danach. Das macht ihm nicht viel aus.

Angst und Verunsicherung spürbar

„Mir geht es gut und ich bin entspannt.“ Schlimm findet er aber, wie manche Menschen auf das Thema reagieren. So sei eine Mitarbeiterin von ihm aus einer Metzgerei verwiesen worden, weil sie in seiner Firma arbeite. „Da sind doch alle krank“, habe sie zu hören gekriegt. „Viele sind nicht nur verunsichert, sondern regelrecht verängstigt.“

Dazu trägt die Politik seiner Meinung nach bei, indem sie die Restriktionen nach dem Gießkannenprinzip verhänge. Aber nicht jeder sei nun einmal gleichermaßen gefährdet. „Ein gesunder Mensch muss keine Angst davor haben. Wichtig ist, dass man Alte und Vorerkrankte schützt.“

Persönlich sei er davon überzeugt, dass die Dunkelziffer der Infizierten wesentlich höher ist als die offiziellen Zahlen. „Meine Schwester und ich gelten ja als Patienten eins und zwei. Ich habe aber im Nachhinein von vielen gehört, die ebenfalls im Skiurlaub waren und danach flach lagen, die wurden ja nicht alle getestet.“

Kommentare

Wolfgang Pfeifer  wrote: 09.04.2020 13:30
Tendenz zur Verharmlosung
Ich finde die Aussage eines medizinischen Laien "Ein gesunder Mensch muss keine Angst davor haben." für fatal. Dass auch schon 20-jährige ohne Vorerkrankungen an Corona gestorben sind, wird dabei nicht berücksichtigt, sondern es wird das Gefühl vermittelt, dass junge und gesunde Menschen sich nicht an die aktuellen Einschränkungen halten müssen, da sie ja nicht gefährdet sind.
Aktuell ist die Datenlage noch viel zu dünn, um valide und reliable Aussagen zu diesem Thema zu machen. Zudem sollten solche Statements dann von Seiten der Fachleute (Mediziner, Virologen) erfolgen.
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