„BI gegen atomaren Dreck im Dreiländereck“ bekommt Rückendeckung aus Salzgitter
„Wir werden euch unterstützen“

Beverungen-Würgassen (WB). Bis vor wenigen Tagen war er noch ein politisch interessierter Bürger. Jetzt steht er als Kopf der in Gründung befindlichen „Bürgerinitiative gegen atomaren Dreck im Dreiländereck“ an der Spitze einer breiten Bewegung und gibt souverän Fernsehinterviews: Dirk Wilhelm (44) hat mit der spontanen Demo nach Bekanntgabe der Planungen für ein Atommüll-Zwischenlager in Würgassen eine Welle der Unterstützung mobilisiert. „Das zeigt die Sorge der Bevölkerung“, schlussfolgert der Würgasser.

Samstag, 14.03.2020, 06:36 Uhr aktualisiert: 14.03.2020, 06:40 Uhr
Ludwig Wasmus (rechts, Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad) hatte für die BI um Dirk Wilhelm (Mitte) Absperrband dabei. Die AG will die BI ebenso unterstützen wie die Anti-Atom-Organisation „Ausgestrahlt“, signalisierte Sprecher Jochen Stay. Foto: Sabine Robrecht

Diese spiegelt sich auch in der Facebook-Gruppe „Contra Atomlager Würgassen“ wider, die eine Woche nach ihrer Gründung fast 4000 Mitglieder hat. Ralf Przybylinski und Dirk Wilhelm betreuen die Gruppe. An ihrer Seite wissen der BI-Sprecher und seine Mitstreiter auch die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad aus Salzgitter und die Anti-Atom-Organisation „Ausgestrahlt“ aus Hamburg.

„Wir werden euch massiv unterstützen“, signalisierte Ludwig Wasmus vom Vorstand der AG Schacht Konrad am Freitag bei einer Pressekonferenz im Hotel „Forsthof“ in Würgassen. Der Protest, der sich so schnell formiert habe, „macht uns auch am Standort Schacht Konrad Mut“.

Genehmigung von Schacht Konrad

Das Vorhaben auf dem Kernkraftwerksgelände nahe der Weser hängt eng mit dem Schacht Konrad bei Salzgitter zusammen. Denn das Lager für schwach und mittelradioaktiven Nuklearmüll, das in Würgassen entstehen soll, dient als Bereitstellungslager für das atomare Endlager Schacht Konrad, das 2027 in Betrieb gehen soll. Warum das Zwischenlager nicht in dessen Nähe, sondern in Würgassen geplant ist, liegt für Jochen Stay, Sprecher der Organisation „Ausgestrahlt“, auf der Hand: „Beim Bau eines neuen Atommülllagers direkt am Schacht Konrad müsste das Genehmigungsverfahren dort neu aufgerollt werden.“

Atommüll: Bürgerinitiative gründet sich

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Foto: Sabine Robrecht
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Da Schacht Konrad aber nicht mehr dem Stand von Wissenschaft und Technik entspreche, stehe die Genehmigung auf dem Spiel. „Unterm Strich ist die Auslagerung des Zwischenlagers nach Würgassen der verzweifelte Versuch, das ungeeignete Projekt Schacht Konrad zu retten“, schlussfolgerte Jochen Stay. Der Preis dafür seien Atommülltransporte nach Würgassen mit den entsprechenden Gefahren für die Bevölkerung.

Die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) spreche von täglich 20 Lkw-Transporten und zehn Zügen. Bei den Transporten komme es auch ohne Pannen zu einer Strahlenbelastung in unmittelbarer Nähe zu Lkw und Zügen mit Atommüll: an der Schranke, an der Ampel oder hinter einem Laster im Stau.

BI sehen Gefahren

Mit Ludwig Wasmus vertritt Jochen Stay die klare Auffassung, dass der Umgang mit atomarem Müll und die Endlagerung insgesamt neu durchdacht werden müssten. Die Bundesregierung müsse möglichst früh eine neue Suche starten, anstatt noch länger am Schacht Konrad festzuhalten. Denn es sei viel Vorarbeit nötig, bevor man wieder über Standorte redet. Bis dahin sei es am sinnvollsten, den Atommüll zunächst an den jeweiligen Kraftwerksstandorten zu belassen, betonte auch Ludwig Wasmus.

Im Fall eines Scheiterns des Projekts Schacht Konrad – es sei denkbar, dass das Lager nie in Betrieb geht –, könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Halle in Würgassen, wenn sie gebaut ist, als zentrales Lager mit offenem Ende genutzt wird.

Diese von Jochen Stay skizzierte Gefahr sieht auch die BI vor Ort. Ihr erstes großes öffentliches Forum am kommenden Mittwoch fällt mit der Absage der Bürgerversammlung aus. „Wir werden versuchen, zum geplanten Protest an diesem Tag eine Alternative zu organisieren und hierüber zeitnah informieren“, kündigte Dirk Wilhelm an.

5000 Tonnen radioaktiver Müll

Die BI spricht, wie er betonte, nicht mehr vom Logistikzentrum auf dem Kraftwerksgelände in Würgassen, sondern von einem zentralen Bereitstellungslager für den Schacht Konrad. Bereits vor sechs Jahren habe weitgehend unbemerkt von der Bevölkerung der Wandel weg vom Rückbauziel der grünen Wiese zum atomaren Zwischenlager stattgefunden.

„Aktuell lagern etwa 5000 Tonnen radioaktiver Müll am Standort.“ Die jetzige Entscheidung sei intransparent und gegenüber den Menschen im Weserbergland in höchstem Maße verwerflich gewesen, kritisierte Wilhelm.

Zu den Ausschlusskriterien für Würgassen gehöre, dass der Abstand zur nächsten Wohnbebauung keine 300 Meter betrage. Zudem sei nur eine eingleisige, für den Güterverkehr bedingt geeignete Bahnstrecke vorhanden.

Dirk Wilhelm weist auch darauf hin, dass es über den Lagerbetrieb hinaus im Regelbetrieb der Anlage zu einer Behandlung der atomaren Abfälle kommt. „Bei diesem Prozess wird zwangsläufig Radioaktivität freigesetzt, welche auch unterhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte gesundheitsschädlich ist“, betonte Dirk Wilhelm, der auch eine völlige Neubewertung der Abfallbehandlung und möglichen Endlagerung nach aktuellem Stand der Wissenschaft fordert.

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