„Phantom der Oper“ begeistert 600 Besucher – Weltstar Deborah Sasson singt in Beverungen Gänsehautmomente und Maskenmann

Beverungen (WB). Es ist eine der erfolgreichsten Bühnengeschichten der vergangenen Jahrzehnte: Die Dreiecks-Liebesgeschichte um Erik, Christine und Raoul rührte Millionen Zuschauer in der ganzen Welt. Die weltbekannte Sopranistin Deborah Sasson hat bei der in Beverungen aufgeführten Inszenierung die Melodien komponiert, Jochen Sautter die Texte geschrieben.

Von Iris Spieker-Siebrecht
Weltstar Deborah Sasson zeichnet nicht nur für die Kompositionen verantwortlich, sie singt auch das Chormädchen Christine Daaé, das vom Phantom sehr geliebt wird.
Weltstar Deborah Sasson zeichnet nicht nur für die Kompositionen verantwortlich, sie singt auch das Chormädchen Christine Daaé, das vom Phantom sehr geliebt wird. Foto: Iris Spieker-Siebrecht

„Ich fand es so schade, dass sich bisherige Produktionen mehr oder weniger von der Romanvorlage des Autors Gaston Leroux entfernten. Mit unserem Musical sind wir ganz nah am Original“, sagte Sasson im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Dem Publikum gefiel es – auch mit ihrer dritten Vorstellung nach 2016 und 2018 ernteten die Musicaldarsteller wieder den großen Applaus der 600 Zuschauer und konnten erst nach mehreren Zugaben die Bühne verlassen.

Deborah Sasson zeichnet nicht nur für die Kompositionen verantwortlich, sie singt auch das talentierte Chormädchen Christine Daaé, das vom Phantom geliebt und protegiert wird und sich zwischen diesem und ihrer Jugendliebe Raoul hin und her gerissen fühlt.

Zugabe als „Carmen“

Dabei zeigt sie nicht nur ihre ausdrucksstarke und glasklare Sopranstimme, sondern überzeugt auch schauspielerisch mädchenhaft und lieblich-zart – obwohl sie mit 60 Jahren jenseits des Chormädchenalters agiert. Mit ihrer Zugabe als „Carmen“ beweist sie einmal mehr ihr außergewöhnliches Können.

Jochen Sautter, Co-Autor, Regisseur und Choreograph, begegnet dem Zuschauer als Graf Raoul – gut aussehend und beschützend; draufgängerisch und mutig, als es gilt, Christine zu retten und liebevoll, als er Trost spendet. Der renommierte Künstler ist ebenso wie Sasson ein Alround-Talent und überzeugte in seiner Karriere schon als Tänzer, Sänger, Schauspieler und Regisseur rund um die Welt.

Die Titelfigur, das geheimnisvolle Phantom, ist in dieser Saison erstmals mit Uwe Kröger besetzt. Dabei gelingt es dem Sänger mit seiner hinreißenden Stimme und einer außergewöhnlichen Intensität, die innere Zerrissenheit des entstellten Genies darzustellen. Diabolisches Gelächter und geflüsterte Versprechen, lauter Zorn, beißender Hass, aber auch Verzweiflung, Einsamkeit und die Sehnsucht nach Liebe finden sich in seinem ausdrucksstarken Spiel. Trotzdem das Phantom ein psychopathischer Mörder ist, sympathisiert der Zuschauer mit ihm.

18 Musiker begleiten das Schauspiel

Neben diesen drei Hauptpersonen vervollständigen die Nebenrollen das Musical. Die egozentrische Diva La Carlotta sorgt wie die zwei Theaterdirektoren immer wieder für humorvolle Einsätze, aber genau wie die weiteren Charaktere sind auch hier die gesanglichen Leistungen eindrucksvoll.

Auch die Leistung des Orchesters unter der Leitung von Sebastian Peter Zippel soll nicht unerwähnt bleiben. Die 18 Musiker erfüllten die Stadthalle mit berauschenden Klängen, sei beim „Gebet“ eher elegisch und ruhig oder bei „Auf geht´s“ mitreißend. Einzelne Stücke aus Opern von Puccini, Gounod oder Verdi, die auch im Roman erwähnt werden, komplettieren das musikalische Bild.

Der Ort des Geschehens, die Pariser Oper, wird mithilfe von Projektionen realisiert, die nicht nur den Hintergrund beleuchten, sondern in mehreren Sichtebenen auf Gazé-Vorhängen eine erstaunliche Komplexität und Dreidimensionalität entwickeln. Dadurch werden die Katakomben unter der Oper ebenso real wie das luftige Dach oder der Friedhof. Leider sind dadurch aber auch in etlichen Szenen die Aktionen der Darsteller leicht diffus zu sehen, oder aber auf den Gesichtern erscheinen Teile der Kulisse. Dem „Hörgenuss“ tut dies keinen Abbruch. Ein grandioser Abend.

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