„Menschen 2020”: Beverungerin Julia Wortmann studiert in Japan – Sprache in Eigenregie gelernt Botschaften zwischen den Zeilen

Beverungen/Kobe (WB). Mit ihren blonden Haaren fällt Julia Wortmann auf. Wenn sie morgens zur Uni fährt oder am Abend im Nebenjob an der Rezeption in einem Hotel arbeitet. „Gerade an der Rezeption werde ich oft angesprochen. Die Leute sind einfach neugierig“, berichtet die Beverungerin. Eine Eigenschaft, die auch die 20-Jährige auszeichnet.

Von Sylvia Rasche
Nur 20 Minuten braucht Julia Wortmann mit dem Bus aus dem Studentenwohnheim im japanischen Kobe bis zu diesem Traumstrand. „Das Foto zeigt mich mit einer sehr guten japanischen Freundin“, berichtet die Beverungerin.
Nur 20 Minuten braucht Julia Wortmann mit dem Bus aus dem Studentenwohnheim im japanischen Kobe bis zu diesem Traumstrand. „Das Foto zeigt mich mit einer sehr guten japanischen Freundin“, berichtet die Beverungerin.

Wortmann absolviert derzeit zwei Auslandssemester an der Universität im japanischen Kobe. Die Sprache hat sie sich selbst beigebracht und beherrscht sie inzwischen so gut, dass sie sich problemlos im Land der aufgehenden Sonne verständigen kann.

Beim traditionellen Kyudo (japanisches Bogenschießen) kommt es auch auf die richtige Kleidung an. Neben Julia Wortmann (Mitte) sind auch eine Studentin aus Serbien und ein Münchener dabei.

„Ich habe mich schon in der Schule sehr für Sprachen interessiert und wollte eine ungewöhnliche Sprache erlernen. Im Internet bin ich auf Japanisch gestoßen. Mir hat der Klang sofort gefallen“, erzählt die Beverungerin. Nach einem guten Jahr Sprachstudium in Eigenregie reiste sie als 17-Jährige das erste Mal nach Japan. „Damals gab es schon einige Missgeschicke. Ich wollte ein Bordticket für einen Inlandsflug abholen und hätte fast einen Bootsausflug gebucht“, lacht die Studentin. Doch diese Zeiten sind lange vorbei.

In Duisburg studiert sie „Moderne Ostasienstudien“ und ist nun ein Jahr in Kobe zu Hause. Die ersten fünf Monate liegen bereits hinter ihr. „Die rosa Brille habe ich abgelegt und bin im Alltag angekommen“, sagt die 20-Jährige. Sie hat in Japan mit dem Tennisspielen begonnen und sich in einem Verein für Bogensport (Kyudo) angemeldet. „Im Tennisclub sind alle ganz locker. Beim Bogenschießen herrschen strengere Regeln. Da muss man sich zum Beispiel verbeugen, wenn man den Raum betritt“, hat sie gelernt.

Eine Verbeugung wird auch erwartet, wenn der Dozent an der Uni Arbeitsbögen austeilt. „Außerdem ist es wichtig, diese mit beiden Händen gleichzeitig anzunehmen“, berichtet die 20-Jährige. Nachdem sie die Sprache beherrscht, taucht sie immer tiefer in die japanische Kultur ein. „Man muss lernen, Botschaften zwischen den Zeilen zu entschlüsseln, weil Japaner sich nie direkt äußern.“ Aber auch das gelingt ihr dank der vielen geknüpften Kontakte an der Uni und in der Freizeit immer besser.

Baseball ist in Japan sehr verbreitet. Julia Wortmann ist schon ein paar Mal mit Freunden im Stadion gewesen und Fan der Fukuoka Softbank Hawks geworden.

Ende März bekommt sie Besuch von ihrer Familie und hat begonnen, ein Ausflugsprogramm zusammen zu stellen. So geht es in jedem Fall zum Baseball. „Ich war schon ein paar Mal im Stadion. Da herrscht eine tolle Stimmung. Vor dem Spiel werden Luftballons verkauft, die später alle Zuschauer zeitgleich in den Himmel aufsteigen lassen“, erzählt die Beverungerin, die Fan der Fukuoka Softbank Hawks geworden ist.

Sie hat sich speziell für Kobe beworben und ist froh, an der dortigen Universität einen Platz bekommen zu haben. „Tokio ist zwar weit weg. Dafür sind Osaka oder Kyoto näher. Außerdem ist man mit den Bus in 20 Minuten am Meer und auch schnell zum Wandern in den Bergen“, schwärmt Julia Wortmann.

Sie freut sich auf die Monate, die in Japan noch vor ihr liegen. Die Neugier auf die immer vertrauter werdende Kultur ist auch nach fast einem halben Jahr nicht verflogen. Wie die der Hotelgäste, die sich über eine europäische Rezeptionistin wundern. „Ich erzähle denen dann ein bisschen was aus Deutschland. Das kommt eigentlich immer gut an.“

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