Kurz nach Todesfahrt: zwei neunte Klassen des Gymnasiums in Luttach
Beverunger Schüler am Unglücksort

Beverungen/Luttach (WB). Das Unfall-Drama von Luttach in Südtirol, bei dem ein Betrunkener mit seinem Auto in eine Gruppe deutscher Touristen gerast war und sieben Menschen getötet hatte, erschüttert besonders in Beverungen viele Menschen. Das Gymnasium fährt seit Jahrzehnten in den Ort zum Skifahren. 50 Schüler und sieben Begleitpersonen von der Weser sind am Morgen nach dem Unglück dort angekommen – und haben mit Verspätung das Hotel, in dem auch die Opfer übernachtet hatten, bezogen.

Dienstag, 07.01.2020, 12:26 Uhr aktualisiert: 07.01.2020, 12:30 Uhr

„Wir haben bereits im Bus vor unserer Ankunft im Ahrntal von einer Meldung im Internet gehört, dass in Luttach etwas passiert sei. Das volle Ausmaß wurde uns aber erst vor Ort bewusst, als uns von den Behörden sehr deutlich zu verstehen gegeben wurde, dass wir bis auf Weiteres nicht zu unserer Unterkunft konnten. Der Bereich war weiträumig abgeriegelt“, sagte Schulleiter Benedikt Marpert am Montag im Telefongespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Er ist in der Samstagnacht um 23.30 Uhr mit zwei Klassen der Jahrgangsstufe neun sowie sechs weiteren Begleitpersonen nach Luttach aufgebrochen und dort am Sonntagmorgen gegen 10 Uhr angekommen. „Eigentlich sollten wir um 12 Uhr unsere Zimmer im Ferienhaus Bruggerhof beziehen – das hat sich jedoch bis 23 Uhr hinausgezögert. Zunächst mussten die polizeilichen Ermittlungen und die psychologische Betreuung von Überlebenden und Angehörigen abgewickelt werden. Weitere Details zur Situation im Hotel möchte ich nach Absprache mit der Betreiberfamilie, die viele Beverunger Lehrer schon seit Jahren und Jahrzehnten kennen, nicht preisgeben“, führte Marpert aus. Viele Bekannte aus der Heimat hätten sich bei den Begleitpersonen und Schülern gemeldet, ob es ihnen gut gehe.

Die Schüler waren insgesamt einmal rund um die Uhr auf den Beinen, mussten sich lange gedulden. „Sie haben den Ernst der Lage sofort erkannt und sich vorbildlich benommen. Großes Lob, ich bin stolz auf unsere Schüler“, sagte der Schulleiter: „Es war für alle eine absolute Ausnahmesituation nach diesem schrecklichen Vorfall.“ Die Reisegruppe aus Beverungen überbrückte die Zeit, indem ein Programmpunkt für den Mittwoch – Schlittenfahren und Wandern – vorgezogen wurde. Außerdem konnten sie die Wartezeit am Abend in einem Lokal verbringen.

Marpert selbst war bereits fünf Mal bei der Familie Hofer untergebracht, weitere Begleitpersonen wie die bereits pensionierten Lehrer Heribert Finke oder Raimund Rogge noch deutlich öfter. „Wenn man in dem Haus übernachtet, in dem die Opfer untergebracht waren, und man schon so oft zu der Familie gefahren ist, dann besteht da schon eine emotionale Bindung“, erzählte der Dalhäuser. Das Hotel sei auch am Montag weiterhin abgeriegelt gewesen, zahlreiche Journalisten warteten davor. Am Unglücksort in der Nähe stehen Kerzen und Blumen – ein Zeichen der Anteilnahme.

Der Gruppe gehe es nach Angaben des Schulleiters aktuell gut, am Montag ging es auf die Piste zum Skifahren. Sollten die Schüler Fragen zur Todesfahrt des betrunkenen 27-Jährigen haben, stünden die Begleitpersonen jederzeit zur Verfügung. Derzeit gebe es jedoch nur wenig Gesprächsbedarf.

Auch Lehrer Stefan Wüsthoff ist als Begleitperson mit den Schülern in Luttach. Er beschreibt die Situation im Hotel als „bedrückend“. Die Familie Hofer habe sich aber trotz der extremen Situation bestens um die Gruppe aus Beverungen gekümmert. Er selbst sei bereits zum zehnten Mal dort und empfinde die Stimmung im Ort selbst „beklemmend“. „Das, was passiert ist, ist generell erschreckend. Es macht mich persönlich aber auch besonders betroffen, weil ich bereits zum zehnten Mal in diesem Ort bin. Am Sonntag sind alle Veranstaltungen in Luttach abgesagt worden, heute versuchen alle zumindest den wirtschaftlichen Betrieb aufrechtzuerhalten“, sagte er am Montag. Die Gruppe bleibt für eine Woche in Südtirol, anschließend fährt die dritte neunte Klasse aus Beverungen ebenfalls nach Luttach.

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