Stadthalle Beverungen: Von Liebe und Frieden wie 1968
Gänsehaut-Stimmung beim Woodstock-Rockmusical

Beverungen (WB). Lange Haare mit eingeflochtenen Blumenkränzen, ausgewaschene Schlagjeans samt angebrachter Peace-Buttons, und darunter guckt ein paar nackter Füße hervor: Stilecht brachte »Woodstock – Das Rockmusical« den 550 Zuschauern in der Beverunger Stadthalle sämtliche Facetten der dreitägigen Geschehnisse auf dem legendär gewordenen Festival nahe.

Samstag, 02.11.2019, 14:22 Uhr aktualisiert: 02.11.2019, 16:26 Uhr
Von Joe Cocker über Janis Joplin bis hin zu Santana brachte die Band beim Woodstock Musical sämtliche Klangfarben auf die Bühne.

Sie empfingen die Zuschauer schon im Eingangsbereich mit lauter Musik, mischten sich zwischen das Publikum und mussten dann auf der richtigen Bühne erst einmal noch die Technik aufbauen und den Soundcheck durchführen. »Ein paar Stars stehen noch im Stau auf dem Highway – wir fangen einfach an, sobald die erste Band vollständig ist«, verkündete Moderator Laurens ten Den, der eigentlich als Lichttechniker auf der Bühne stand, ganz entspannt. Seine Musical-Kollegen fläzten sich währenddessen auf Picknickdecken auf der Bühne, schlürften das ein oder andere Bier und ließen einen Joint die Runde machen. Denn schließlich war es damals – vor genau 50 Jahren – auch nicht anders:

Etliche tausend Besucher strömten auf das Festivalgelände, noch bevor die Kassenhäuschen standen, die Zufahrtsstraßen waren kilometerweit verstopft und noch dazu regnete es in Strömen. Die Veranstalter sahen sich schließlich gezwungen, ein »free festival« auszurufen. Trotz so einiger organisatorischer Pannen, Konflikten auf der Bühne und nicht zu unterschätzendem Drogenkonsum gilt Woodstock noch heute als Beispiel für die Friedlichkeit der Hippie-Kultur, die damals ihren Hoch- und auch bald ihren Endpunkt finden sollte. »Die Leute aus den umliegenden Orten helfen uns alle. Wir haben nicht danach gefragt – was man ausstrahlt, kriegt man auch zurück«, erklärte ten Den, wie die Situation damals aussah. Frühstück, medizinische Versorgung und Toilettenanlagen für fast eine halbe Million Menschen – und damit deutlich mehr als ursprünglich geplant – organisierten sich schließlich nicht von selbst.

Die drei Tage im August 1969 versuchte die holländische Crew den »Blumenkindern im Herzen« aus dem Publikum in rund drei Stunden mittels Theater-Szenen und Video-Projektionen zu präsentieren. Die bekanntesten Songs, die Künstler wie Joe Cocker, Jimi Hendrix und The Who damals zum Teil erstmals präsentierten, brachte die Band nun im Musical erneut auf die Bühne und bewies dabei großes Variationstalent. Von kraftvollen Rock-Stimmen bis zu sanften Tönen am nachgebauten Lagerfeuer – der Spirit des friedlichen und freien Lebensstils zog das Publikum schon nach wenigen Minuten in seinen Bann.

Die Sitzplätze hätten sich die Organisatoren in diesem Fall fast sparen, oder aber auf die oberen Ränge beschränken können – die gab’s damals in Woodstock schließlich auch nicht. Und spätestens als der Moderator mit seinem sympathischen Kauderwelsch aus Deutsch und Englisch sich in die Reihen begab und Animateur spielte, hielt es auch diejenigen, die bis dahin nur mit dem Fuß gewippt hatten, nicht mehr auf ihrem Allerwertesten. Die Gemeinschaft von 1969 wurde in Beverungen noch einmal präsent, als aus über 500 Kehlen die altbekannten Worte des Protestsongs »We Shall Overcome« zu vernehmen waren: »We shall live in peace someday« – ein Wunsch, der auch 50 Jahre später nicht an Relevanz verloren hat.

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