Antrag: Ratsherren fordern Blühstreifen in der Samtgemeinde Boffzen
Mehr Lebensraum für Insekten

Lauenförde (WB). Für Insekten sind Wildblumen, Wildkräuter und Gräser wichtige Nahrungsquellen und Lebensräume. In der Gemeinde Lauenförde sowie der Samtgemeinde Boffzen wird den Insekten nach Ansicht der Lauenförder Ratsherren Gerd Henke (Grüne) und Erich Gauding (Parteilos) dieser Lebensraum genommen. Diese Entwicklung wollen sie stoppen.

Dienstag, 06.08.2019, 04:40 Uhr
So könnte es auf vielen Flächen in unseren Gemeinden aussehen, sind die Ratsherren (von links) Gerd Henke, Lothar Gasch und Erich Gauding überzeugt.

Es sei eine »Verarmung öffentlicher Anlagen« zu beobachten, heißt es von den Ratsherren. Die Flächen, für die die jeweilige Gemeinde verantwortlich ist, würden zu oft gemäht werden, sodass Wildblumen keine Chance hätten, sich zu entwickeln. Die Lösung für die Ratsherren: Blühstreifen und Wildblumenwiesen. Dafür haben sie einen entsprechenden Antrag an den Gemeinderat gestellt.

Der Verzicht auf das nahezu wöchentliche Rasenmähen in der Vegetationszeit spare zudem erhebliche Kosten im Bauhof der Samtgemeinde Boffzen und setze dort personelle Ressourcen für andere Arbeiten frei, sind Henke und Gauding überzeugt.

Blühstreifen für mehr Artenvielfalt

Die beiden Ratsherren verweisen auf aktuelle Erkenntnisse der Wissenschaft. Im Mai sei ein Bericht des Weltbiodiversitätsrates IPBES veröffentlicht worden. Demnach seien etwa eine Million Tier- und Pflanzenarten weltweit vom Aussterben bedroht. »Dieser bedrohlichen Entwicklung entgegenzuwirken, ist auch Aufgabe von Kommunen. Sie haben die Möglichkeit, die Lebensbedingungen von Honig- und Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen und Käfern und damit auch von Vögeln und Kleinsäugern zu verbessern«, erklären Henke und Gauding.

Ein Beitrag zur Schaffung neuer, artenreicherer Lebensräume sei die Anlage von Blühstreifen und Blumenwiesen. Statt Blühstreifen seien in den Gemeinden der Samtgemeinde allerdings eher »sterile Rasenflächen« zu finden. Nahrungsquellen für Insekten böten sie nicht. Und die Ratsherren sehen einen weiteren Nachteil, vor allem für die Bevölkerung: »In trockenen Perioden werden sie braun und bieten einen unschönen Anblick.«

Positives Beispiel in Lauenförde

Ein weiterer Aspekt, der im Zusammenhang mit dem regelmäßigen Mähen betrachtet werden müsse, seien die »Kosten, die der Verbrauch von Betriebsstoffen, die Abnutzung von Maschinen und der erhebliche Personaleinsatz verursachen.« Die Ratsherren würden sich wünschen, dass das Personal stattdessen zur Pflege von Gehölzen eingesetzt werde.

Dass das Umdenken hin zur Blühwiese bei der Bevölkerung bereits stattgefunden hat, zeige ein Beispiel aus Lauenförde. In der Meintestraße haben Einwohner auf einer etwa 150 Quadratmeter großen Brachfläche eine bunte Blumenwiese angelegt. »Solch gelungenen Beispielen sollten auch die Gemeinden nacheifern«, sagt Lothar Gasch (Grüne) vom Gemeinderat Fürstenberg und Samtgemeinderats Boffzen. Der Schmetterlingskundler will zusammen mit Erich Gauding die Lauenförder Blühstreifen-Initiative nun auch auf die Samtgemeinde erweitern.

So sieht es in Marienmünster aus

In Marienmünster läuft bereits seit Mai ein Projekt zum Erhalt der Artenvielfalt. Landwirte haben dort 15 Hektar Acker mit Blühflächen und Blühstreifen angelegt. Dort wachsen jetzt blühende Pflanzen wie Sonneblumen oder Phacelia. Das Projekt wird wissenschaftlich von der Hochschule OWL begleitet. Die Studenten sollen gemeinsam mit den Bauern Ideen entwickeln, wie Blühstreifen für die heimische Landwirtschaft dauerhaft realisierbar sind. Im Kreis Höxter hat das Projekt Pilotcharakter.

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