Heinrich Schäfers hat Ordner voll alter Bilder und weiß viel zu erzählen
Brücken-Geschichte(n)

Beverungen (WB). »Erbaut von der Stadt Beverungen im Jahr 1902«. Das große metallene Schild mit dieser Inschrift verzierte einst die Weserbrücke. Heute hängt es als offizielle Leihgabe im Hotel Stadt Bremen. Ein Foto von dem Schild ist Deckblatt eines Ordners, in dem der Beverunger Heinrich Schäfers Fotos sowohl der 1902 entstandenen Brücke als auch ihrer Nachfolgerin gesammelt hat.

Donnerstag, 01.08.2019, 16:33 Uhr aktualisiert: 02.08.2019, 08:30 Uhr

Inzwischen hat er einen neuen Ordner angelegt, denn von dem Bau der neuen Weserbrücke hat Schäfers bereits mehr als 300 Fotos gemacht. Aber nicht nur für Brücken interessiert sich der Tischlermeister. Auch Fotos von Straßenzügen sammelt er, interessiert sich für die Häuser und die Familiengeschichten dahinter. Zweimal schon hat er einen Lichtbildervortrag im Saal Kuhn gehalten. »Da waren Leute dabei, die ihr eigenes Elternhaus nicht wiedererkannt haben«, erzählt er. Wie er an das ganze Wissen und Material gelangt ist? »Man darf halt nicht blindlings durch die Welt laufen«, ist seine Antwort. So hat er viel erfragt, sich angelesen. Und Menschen, für die er alte Bilder reproduziert hat, haben ihm bereitwillig erzählt.

Und so weiß er beispielsweise, dass dem Bau der Weserbrücke 1902 fast die gesamte Burganlage zum Opfer gefallen wäre. »Das, was wir heute als Burg kennen, sollte damals abgerissen werden«, berichtet Schäfers. Angeblich haben sich daraufhin aber alle Beverunger dagegen aufgelehnt – mit Erfolg. Die Burg blieb stehen. Als Schulkind hat Heinrich Schäfers ein Modell der Burganlage aus Sperrholz gebaut. Seines Wissens nach steht die Miniaturausgabe immer noch auf dem Dachboden des Rathauses. »Ich wollte sie immer mal restaurieren.«

Am 6. Dezember 1902 wurde die erste Weserbrücke offiziell eröffnet – nur ein Jahr nach Beginn des Baus. »Beverungen und Lauenförde prangten in reichem Fahnenschmuck. Trotz grimmiger Kälte wogte zum ersten Male eine festlich geschmückte Menge hinüber und herüber: der Jahrhunderte alte Traum war in Erfüllung gegangen«, weiß der Heimatkalender für das Paderborner Land von 1941 zu erzählen. Der Fahrbahnbelag bestand aus Kopfsteinpflaster und der Brückenzoll betrug vier Pfennig pro Person. Und er wurde lange erhoben. »Das Zollhäuschen stand am Rentmeisterhaus«, weiß Schäfers, Jahrgang 1939, noch aus Kindertagen. »Wir haben uns das ein oder andere Mal unter dem Fenster des Brückenwärters hindurchgeschlichen«, erzählt er. Ein Foto in seiner Sammlung zeigt Karl Knipping, Brückenwärter von 1931 bis 1943.

Brückensprengung

1945 wurde die Brücke gesprengt – durch die deutsche Wehrmacht. »Die Amerikaner lagen im Solling. Und um sie daran zu hindern, die Weser zu überqueren, sprengten die Deutschen die Brücke«, weiß Schäfers. »Kurz darauf marschierten die Amerikaner in Beverungen ein.« Sie hatten eine Holzbrücke gebaut und überquerten den Fluss in Höhe des heutigen Dampferanlegers. Die Brückentrümmer dienten den Kindern damals als Spielplatz. »Wir haben uns oft über die kaputte Brücke nach Lauenförde und zurück gehangelt.«

1948 begann dann der Neubau. »Das ging so schnell, weil es die Brücke quasi schon gab«, berichtet Schäfers. Sie sollte schon vor dem Krieg woanders im Land aufgebaut werden. Dazu ist es nicht gekommen und so kam die Brücke nach Beverungen. Einzigartig sei an ihr gewesen, dass die Einzelteile nicht miteinander verschweißt, sondern vernietet wurden. Der Beton für die Fahrbahndecke wurde ausschließlich vor Ort per Hand angerührt. Und zwei der Pfeiler der Brücke von 1902 wurden wieder verwendet. Musste man in dieser Zeit über die Weser, nahm man die Fähre. Insgesamt dreimal sei die gekentert, bei dem schwersten der Unfälle kamen am 2. November 1945 drei Menschen ums Leben.

Beide Brücken sind Geschichte

1950 wurde die Brücke eingeweiht – mit großem Tamtam und einer Prozession, angeführt von Erzbischof Lorenz Jäger, der später Kardinal wurde. Mit dabei auch Pastor Johannes Prior, Erstkommunionkinder, Messdiener (darunter auch Heinrich Schäfers), Schützenverein und die »Hake-Kapelle«. »Die hieß so, weil in ihren Reihen so viele Musiker den Namen Hake trugen.«

Mittlerweile sind beiden Brücken Geschichte, Heinrich Schäfers macht seinen Ordner zu. Und da ist es wieder, das Foto von dem Brückenschild von 1902. »Im Zuge von Renovierungsarbeiten haben wir das Schild gefunden, es restauriert und bei uns im Hotel aufgehängt – als offizielle Leihgabe der Stadt«, berichtet Reinhold Fricke. Seit 1970 wird von der Familie ein so genannter Anerkennungsbeitrag an die Stadt gezahlt – in Höhe von einer D-Mark beziehungsweise mittlerweile 51 Cent pro Jahr.

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