Lydia Benecke taucht ein in die Gedankenwelt von Psychopathen
Die Wurzel des Bösen

Beverungen (WB/gw). Was geht in einem Psychopathen vor? Und steckt nicht in jedem von uns etwas Böses? Spannende und teils überraschende Antworten auf diese und weitere Fragen gab die Kriminalpsychologin Lydia Benecke am Freitagabend in der Beverunger Stadthalle.

Sonntag, 31.03.2019, 21:25 Uhr aktualisiert: 01.04.2019, 07:50 Uhr
Lydia Benecke unterhält 600 Besucher mit ihren morbiden Geschichten. Foto: Greta Wiedemeier

Rund 600 Besucher waren erschienen, um den Ausführungen der 36-Jährigen zu lauschen. Benecke ist in der Straftätertherapie tätig und in einer Sexualstraftäterambulanz. Ein Psychopath sei jemand, der eine gewisse Mischung an Risikoeigenschaften in sich trägt. Er sei häufig frei von Angst, fürchte keine Konsequenzen seines Verhaltens oder sehne sich nach Aufregung. Doch lange nicht jeder, der diese Eigenschaften in sich trägt, werde kriminell. »Einige können sich diese Merkmale beruflich zunutze machen«, sagt Benecke.

Lieblingsberufe funktionaler Psychopathen

Beispielsweise als Stuntman könne man ganz legal regelmäßig Kicks erleben. Zu den typischen Lieblingsberufen von funktionalen Psychopathen zählt der Stuntman jedoch nicht: Manager, Journalisten und auch Chirurgen gehören zu den Top 10. Und auch Geistliche sind darunter zu finden: »Der Narzissmus spielt hier eine große Rolle. Als Stellvertreter Gottes zu gelten ist als Narzisst natürlich schon cool«, erklärt die Psychologin in lockerem Tonfall die Zusammenhänge.

Benecke gab auch einen Einblick in die Ursachen der Psychopathie. Fast alle Psychopathen, die straffällig geworden sind, hätten in ihrer Kindheit mit emotionaler, körperlicher oder sexueller Misshandlung zu kämpfen gehabt. »Das ist keine Ausrede und berechtigt noch lange nicht zu Straftaten«, schränkt Benecke, die sich selbst zur Grufti-Szene zählt, ein. »Wir können aber nicht ignorieren, wie die Persönlichkeit so geformt wird.« Mit Beispielen vom Serienmörder Richard Kuklinski, »The Iceman«, über die narzisstischen Züge von Donald Trump bis zur Impulskontrollstörung von Homer Simpson wurde das Publikum unterhalten.

Mit Vorurteilen aufgeräumt

Im Vortrag wurde zudem mit einigen Vorurteilen aufgeräumt: Psychopathen seien keineswegs immer hochintelligent, »die Doofen schaffen es bloß nie nach Hollywood«, schmunzelt Benecke, die im Laufe des Abends immer wieder eine gute Portion schwarzen Humor einfließen lässt. Weder würden die Betroffenen alle gerne schwarzen Kaffee trinken, noch sei bei jedem von ihnen ein Tötungsdrang vorhanden. »Die meisten Serienmörder sind Psychopathen, aber sehr viele Psychopathen sind keine Mörder«, macht Lydia Benecke deutlich.

Viele der Betroffenen hätten ihre Persönlichkeitsstörung unter Kontrolle. So auch Rapper Eminem, dessen Song »Kim« ihrer Meinung nach sehr realistisch den Tötungsdelikt an seiner Ex-Freundin beschreibt, das er laut Beneckes Meinung ohne sein Ventil in der Musik womöglich auch tatsächlich begangen hätte.

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