WESTFALEN-BLATT begleitet Abgeordneten Matthias Goeken durch einen Plenartag in Düsseldorf Leidenschaft, Elan und langer Atem

Bad Driburg/Düsseldorf (WB). Als die Regenwolken über dem Rhein am Morgen der Sonne Platz machen, endet für Matthias Goeken bereits der zweite dienstliche Termin: ein parlamentarisches Frühstück zum Zukunftsthema Breitbandausbau im Landtags-Restaurant mit Rhein-Blick in Düsseldorf. Impulsreferat, Statements, Diskussion: All das muss in eine Stunde passen. Während draußen beschaulich der Schiffsverkehr fließt, beginnt drinnen nach dem letzten Redebeitrag das betriebsame Stühlerücken. Goeken schaut auf die Uhr: Es wird Zeit. Die Plenarsitzung beginnt.

Von Sabine Robrecht

In dieser Woche besuchte das WESTFALEN-BLATT den heimischen CDU-Landtagsabgeordneten Matthias Goeken an einem Plenartag in der Landeshauptstadt Düsseldorf. Vor einem Jahr ist der Bad Driburger Bäckermeister, Unternehmer und Vater dreier erwachsener Kinder mit einem Direktmandat in das Parlament am Rheinufer eingezogen . Dort kann er nach dem Wechsel von Rot-Grün zu Schwarz-Gelb in seiner ersten Amtsperiode gleich in der Regierungskoalition durchstarten. Auch in der Plenarsitzung an diesem kühlen, aber sonnigen Frühlingstag stehen weitreichende Entscheidungen für das größte Bundesland an.

10 Uhr: Plenarsitzung

Um 10 Uhr geht es los. In der Lobby vor den Türen zum Plenarsaal treffen Abgeordnete, Minister und Landesvater Armin Laschet ein. Sie grüßen sich freundlich. Mit Arbeits, Gesundheits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann ergibt sich ein schneller Smalltalk – und eine Antwort auf die Frage, wie viel Laumann vom Kreis Höxter kennt: »Wenn man das so lange macht wie ich, gibt es kein Dorf, in dem man noch nicht war.«

Matthias Goeken will erreichen, dass es nach seiner ersten Amtsperiode kein Schützenfest im Wahlkreis gibt, bei dem er nicht war. Bei 77 Festen ist das sportlich. »Ich möchte sie alle einmal besuchen in den fünf Jahren.« Bei anderen Anlässen ist der Christdemokrat natürlich auch präsent. »Die Menschen freuen sich, dass ich nicht nur zu Wahlkampfzeiten da bin.« Auf ihren Abgeordneten ist Verlass. »Ich komme auch schon mal unangemeldet zu Veranstaltungen«, erzählt er auf dem Sprung zur Plenarsitzung. Obwohl die Zeit drängt, zieht der 53-Jährige vor der Planarsaal-Tür noch eine kurze Bilanz seines ersten Jahres: »Es macht Spaß – weil wir regieren noch viel mehr. Wenn die Minister und Staatssekretäre aus den eigenen Reihen kommen, vereinfacht das einiges.«

Lebenserfahrung

Gleichwohl seien Prozesse komplex und langwierig, räumt Goeken ein. »Als Unternehmer ist man es nicht gewohnt, dass es so lange dauert, wenn man etwas verändern möchte.« Die langen Anreisewege nach Düsseldorf – drei Stunden von der Haustür bis zum Landtag – seien auch gewöhnungsbedürftig gewesen. Das alles bremst aber nicht den Elan, mit dem Goeken antritt, um für den ländlichen Raum etwas zu bewegen. In Themen wie Handwerk und ÖPNV bringe er Lebenserfahrung und gute Kontakte ein.

Spricht’s und dreht sich um in Richtung Plenarsaal. »Jetzt wird es wirklich Zeit.« Auf der Regierungsbank bereitet sich Armin Laschet (»er tut viel für den ländlichen Raum«, würdigt Goeken) gerade auf seine große Rede zum Start der Ruhr-Konferenz vor. Angesichts des endgültigen »Aus« für die Zechen hoffe er auf einen parteiübergreifenden Konsens für die Metropolregion Ruhr. Applaus auf Regierungsseite und empörte Zwischenrufe in der Opposition erntet Laschet, als er die Notwendigkeiten der inneren Sicherheit in Problemvierteln der Ruhr-Städte wie Duisburg offen anspricht. Dann tritt der neue SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty zu seiner Jungfernrede ans Pult. Die Begeisterung hält sich selbst in den eigenen Reihen in Grenzen. So deuten Besucher den eher verhaltenen Applaus.

An diesem Plenartag sitzen viele Gäste – auch junge Menschen – auf den Besucherrängen. Matthias Goeken begrüßt das Interesse an der Parlamentsarbeit sehr und ermuntert Gruppen und auch Schulklassen aus seinem Wahlkreis ausdrücklich zum Landtagsbesuch.

11 Uhr: Gespräch mit Trianel

Um kurz vor elf muss er die Sitzung verlassen: Der nächste Termin wartet. Goeken hat Vertreter des Energieversorgers Trianel mit dem international tätigen Bauunternehmen Max Bögl aus Neumarkt in der Oberpfalz zu einem Gedankenaustausch zusammengeführt, der Früchte tragen könnte: Das von Trianel geplante Pumpspeicherkraftwerk in Amelunxen ist derzeit wirtschaftlich nicht darstellbar. Jetzt erfuhr Matthias Goeken, dass die Firma Max Bögl mit ihrer »Wasserbatterie« einen völlig neuartigen wirtschaftlichen Stromspeicher entwickelt hat. In der Pilotanlage in Gaildorf bei Stuttgart werden die Fundamente von vier Windrädern als Oberbecken genutzt. Über unterirdische Leitungen sind diese mit einem Pumpspeicherkraftwerk im Tal verbunden.

Diese innovative Idee machte den Landtagsabgeordneten hellhörig. Er dachte an Amelunxen und holte Vertreter beider Unternehmen in seinem Düsseldorfer Büro kurzerhand an einen Tisch. Bögls Wasserbatterie sei ein »hochinteressantes Projekt, das wir natürlich wirtschaftlich prüfen müssen«, bilanziert Dr. Torsten Bischoff, Leiter des Büros Berlin der Trianel GmbH, nach dem Gedankenaustausch. »Wir sind dankbar, dass Matthias Goeken uns zusammengeführt hat.«

»Die Energiewende geht nur, wenn wir den Strom dezentral speichern können«, postuliert der Abgeordnete. Die Gesprächspartner stimmen zu. Als sie sich verabschieden, schaut Matthias Goeken gleich wieder auf die Uhr. Der nächste Termin naht. Nicht verschnaufen, sondern schnell runter in die Lobby vor dem Plenarsaal.

12 Uhr: Staatssekretär

Dort ist Goeken um 12 Uhr mit dem Staatssekretär Dr. Hendrik Schulte vom Verkehrsministerium verabredet. Er möchte die Verkehrsinfrastruktur-Projekte seines Wahlkreises, allen voran den Lückenschluss der B64 (»ich hoffe auf einen ersten Spatenstich in dieser Wahlperiode«), aber auch den weiteren 2+1-Ausbau der Bundesstraßen und die Sanierung der Weserbrücke in Höxter ansprechen. Mit Blick auf den Rhein entwickelt sich gleich ein angenehmes Gesprächsklima. So wie der Rhein fließt, liegt dem Abgeordneten daran, dass die nötigen Vorhaben für seinen Wahlkreis nicht ins Stocken geraten, sondern dass alles im Fluss bleibt. Da sind kurze Drähte in Fachministerien Gold wert. Entsprechende Netzwerke hat Matthias Goeken in einem Jahr Düsseldorf geknüpft.

13 Uhr: Heimatbesuch

Wieder schaut der gestandene Unternehmer auf die Uhr. Eine Besuchergruppe aus der Heimat wartet. Die Alters- und Ehrenabteilung der Feuerwehr Steinheim trifft gegen 13 Uhr ein. Matthias Goeken freut sich, die Gäste zu sehen, und erzählt vom Treffen mit dem Staatssekretär: »Es ging um Straßen, die durch unseren Kreis führen. Ich hoffe, wir haben einiges erreicht, das dann auch sichtbar wird.« Der Abgeordnete skizziert seinen dichten Terminkalender an diesem Tag, beantwortet Fragen von der Windkraft bis zum Bilster Berg und bekräftigt seine Verbundenheit zur Feuerwehr, in der er früher selbst aktiv gewesen sei. Das obligatorische Foto auf der Treppe dokumentiert die herzliche Begegnung.

Dann schaut Matthias Goeken notgedrungen wieder auf die Uhr: Der nächste Termin ruft, in den Plenarsaal muss er zu einer Abstimmung zurück. Zwischendurch bleiben zehn Minuten für eine Waffel und einen Kaffee im Foyer. Der Tag endet spät abends nach der »Parlamentarischen Gesellschaft« mit Unternehmern. Welch ein Marathon! Matthias Goeken hat das, was man dazu braucht, nach Düsseldorf mitgebracht: Leidenschaft, Elan und langen Atem.

Birthe Butke verstärkt Team Goeken

An der Wand  hinter dem Schreibtisch verorten  zwei schmucke   Plakate den Büroinhaber in einer Traumgegend. Und auf der Fensterbank kündet das große bunte X von seiner Herkunft:  Das Kulturland Kreis Höxter – die » Region plus X« – ist in das Abgeordnetenbüro von Matthias Goeken miteingezogen.Den lichtdurchfluteten  Raum auf dem Flur der ostwestfälischen CDU-Abgeordneten teilt Matthias Goeken sich mit seiner Mitarbeiterin Birthe Budke (29) aus Bottrop. Beide sitzen sich gegenüber. Da ist der Dienstweg für Absprachen kurz. Die studierte Politikwissenschaftlerin ist seit Anfang April dabei und  bringt Erfahrungen aus ihrer Arbeit für den  früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Sven Volmering  in dessen Wahlkreisbüro in Bottrop mit ein. »In unserer Familie sind alle politisch aktiv gewesen. Meine Mutter ist Ratsmitglied und mein Urgroßvater war Landtagsabgeordneter. Ich bin mit der Politik aufgewachsen.« Sie selbst engagiert sich zwar auch in der Jungen Union, möchte aber nicht in die (Abgeordneten-)Fußstapfen des Uropas treten. Die »zweite Reihe« ist ihr lieber. »Es ist spannend mitzuerleben, wie G esetze entstehen und wie die Bürger mitwirken können. Den Wahlkreis ihres Chefs  kennt sie bislang nur von Bildern. Das soll sich bald ändern. Die 29-Jährige  war aber mit Matthias Goeken    in Paderborn bei »Straßen NRW«  zum Gespräch über den Lückenschluss der B64 und weitere Verkehrsthemen. Einen Überblick hat die Mitarbeiterin in Düsseldorf auch über die Anfragen der Bürger an den Abgeordneten. Diese treffen  überwiegend per E-Mail, aber auch in Briefform auf dem traditionellen Postweg   oder per Fax in Düsseldorf ein. Birthe Budke koordiniert auch die Besuche von Gruppen. Zum Team Goeken gehören auch Leonard Rexhepi aus Bad Driburg  und Petra Meise im Wahlkreisbüro in der CDU-Zentrale in Höxter

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