Ärger in Beverungen: Gericht verurteilt Elternpaar zu acht Monaten auf Bewährung Handfester Familienstreit eskaliert vor Freibad

Höxter/Beverungen (WB). Weil es ihr renitentes Kind nach einem Ausflug ins Beverunger Freibad gemeinsam gefährlich verletzt haben soll, ist ein Elternpaar gestern vom Höxteraner Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von je acht Monaten zur Bewährung verurteilt worden. Die ebenfalls angeklagte Großmutter erhielt wegen einer Ohrfeige an die 13-Jährige eine Geldstrafe.

Von Timo Gemmeke
Ärger im Freibad in Beverungen: Das Gericht in Höxter hat ein Elternpaar zu acht Monaten auf Bewährung verureteilt.
Ärger im Freibad in Beverungen: Das Gericht in Höxter hat ein Elternpaar zu acht Monaten auf Bewährung verureteilt. Foto: WB-Archiv

Verhandelt wurde ein handfester Familienstreit am Freibad Beverungen. Eigentlich wollte sich die junge Familie im Sommer 2016 nur einen entspannten Tag im Bad gönnen. Entspannt ging es jedoch spätestens nach den ersten Querelen der 13-jährigen Tochter nicht mehr zu: Da sie einem Jungen dreist mehrmals in den Rücken gerutscht sein soll und der Aufforderung ihrer Mutter, das Wasser sofort zu verlassen, nicht nach gekommen sei, wurde sie vom Bademeister des Beckens verwiesen. Der vor Gericht als »zickig und bockig« beschriebene Teenager habe die Familie anschließend weiter terrorisiert. So warf das Mädchen beim Umziehen mit der Kleidung ihrer jüngeren Stiefschwester um sich, schrie wild umher und gehorchte auch der Mutter nicht, die somit immer mehr in Stress geriet.

Was sich anschließend auf dem Parkplatz am Freibad abgespielt haben soll, wurde seitens der Zeugen und der Angeklagten sehr unterschiedlich geschildert. Zwei Mütter, die unabhängig voneinander den lautstarken Disput miterlebten, schilderten das Drama so: Nachdem die 13-Jährige den Freibadausgang nur mit viel Mühe – aber bis dahin ohne körperliches Einwirken – verlassen habe, sei der Streit eskaliert. So sei sie nach dem ersten Versuch, das Auto der Familie zu verlassen, zurück auf die Rückbank »geworfen« worden.

Anschließend habe der Stiefvater, der aus Sicht der Zeugen auch der Fahrer war, die Tür verschlossen, während seine Partnerin im Wagen mehrfach auf das Mädchen einschlug. »Ich hätte Angst bekommen, wenn meine Mutter so auf mich zugekommen wäre«, hatte die Tochter einer Zeugin, die ebenfalls zur Verhandlung geladen wurde, geäußert. Schläge, Tritte und verzweifelte Hilferufe hätten alle Zeugen noch aus dem vom Parkplatz abfahrenden Auto der Familie vernommen – eine schreckliche Szene, wie alle meinten.

Jegliche Gewalt abseits der Ohrfeige wurde von dem angeklagten Trio dementiert. Man habe dem Teenager nur verbal kommuniziert, den »Terror« endgültig zu beenden. Auch habe der Familienvater nicht am Steuer gesessen, da er zum Tatzeitpunkt nicht in Besitz einer Fahrerlaubnis gewesen sei. Das Plädoyer beider Verteidiger auf Freispruch aufgrund »unglaubwürdiger Zeugen« konnte Staatsanwalt Karsten Sentler und Richterin Judith Güthoff nicht überzeugen. Sie verurteilten die Angeklagten auf einen Bewährungszeitraum von drei Jahren. Der Stiefvater erhielt zudem eine einjährige isolierte Sperrfrist wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

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