Stadthallenfeuer Beverungen vor dem Landgericht: 28-Jähriger verurteilt Dreieinhalb Jahre Haft für Brandstifter

Beverungen (WB). Weil er Feuer in seiner Wohnung gelegt und so beinahe die Stadthalle in Beverungen mit in Brand gesetzt hat, muss ein 28-Jähriger für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Paderborn hatte keine Zweifel daran, dass der Angeklagte auch tatsächlich der Täter ist.

Von Ulrich Pfaff
Stadthallenbrand am 19. August 2016: Die ehemalige Hausmeisterwohnung brennt aus. Großeinsatz am Tag vor dem Schützenjubiläum an der Halle.
Stadthallenbrand am 19. August 2016: Die ehemalige Hausmeisterwohnung brennt aus. Großeinsatz am Tag vor dem Schützenjubiläum an der Halle. Foto: Sabine Robrecht

Wie berichtet, war der 28-Jährige vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts angeklagt, am 19. August 2016 das Feuer absichtlich gelegt zu haben, dem die Stadthalle in Beverungen beinahe zum Opfer gefallen wäre. Der 28-Jährige, der in einer städtischen Wohnung im Stadthallen-Gebäude untergebracht war, schwieg auch am zweiten Prozesstag zu den Vorwürfen.

Die Aussage eines psychiatrischen Gutachters war wesentlich ergiebiger: Der Angeklagte hatte sich nicht untersuchen lassen und auch behandelnde Ärzte nicht von der Schweigepflicht entbunden – aber allein an den in der Verhandlung zur Sprache gebrachten Begleitumständen der Tat kam der Arzt zu dem Ergebnis, dass der 28-Jährige alkoholkrank ist. Zum Tatzeitpunkt müsste er etwa 1,5 Promille Alkohol im Blut gehabt haben. Es gebe genug Hinweise auf aggressives Verhalten.

Die Kammer folgte in ihrem Urteilsspruch dem Antrag von Staatsanwalt Kai Waschkies. Er hatte dreieinhalb Jahre Haft gefordert. Es gebe reichlich Indizien für die Täterschaft des Angeklagten, »das Puzzle hat ergeben, dass er die Stadthalle anzündet hat.« Das Motiv könnte Verärgerung gewesen sein, immerhin habe der 28-Jährige schon zuvor entsprechende Drohungen geäußert. Am Brandort selbst sei festgestellt worden, dass dort Mobiliar zusammengerückt worden sei.

Als »total unwahrscheinlich« bezeichnete der Staatsanwalt, ein Dritter könnte den Brand verursacht haben. Genau die entgegengesetzte Richtung verfolgte die Verteidigung: Beweise gebe es keine gegen den 28-Jährigen, keine Spuren. Mit der Gesamtstrafe wurde auch eine massive Tirade des Angeklagten abgeurteilt, der im Zuge seiner Verhaftung Polizeibeamte mehrfach beleidigt hatte. Nicht weiter verfolgt wurde eine Serie von Schaufensterbeschädigungen im Herbst 2015 in Brakel: Obwohl das Gericht am Freitag etliche Zeugen dazu hörte, war dem 28-Jährigen hier nicht im Entferntesten etwas nachzuweisen. Dazu hätte es eines DNA-Gutachtens bedurft.

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