Wildschwein im Becken: Küche verwüstet, Gäste erschreckt, Mitarbeiter leicht verletzt Wilde Sau stürmt durch Thermalbad

Bad Karlshafen (WB). Ein Wildschwein hat in der Weser-Therme in Bad Karlshafen »wilde Sau« gespielt. Die Schadensbilanz: ein leicht verletzter Techniker, eine verwüstete Küche und in Panik aus dem Wasser geflüchtete Badegäste.

Von Michael Robrecht
Kurzes Entspannungsbad in der Wohlfühloase der Therme: Das junge Wildschwein schaut hier am Beckenrand aus dem Wasser und hat das Thermalbecken dann Richtung Gastronomie verlassen.
Kurzes Entspannungsbad in der Wohlfühloase der Therme: Das junge Wildschwein schaut hier am Beckenrand aus dem Wasser und hat das Thermalbecken dann Richtung Gastronomie verlassen.

Die chaotische Szenerie muss einem dieser Louis-de-Funès-Klamaukfilme geähnelt haben. Das Tier, nach ersten Erkenntnissen eine Wildsau, war auf der Flucht vor einer Solling-Treibjagd. Das junge Schwein sei mit einem weiteren Wildschwein gegen 12 Uhr durch den Fluss in den Kurort geschwommen und an der Außensauna vorbei durch den Thermengarten über die Liegewiese zielstrebig zu den runden Außenbecken gelaufen, schilderte Claudia Fritz, Pressesprecherin der Therme, den Ablauf.

Badegäste aufgeschreckt

Der tierische Badegast sei auf eine dort badende Dame zugestürmt, die sofort hilferufend ins Innere des Thermalbades geflüchtet sei. Die »wilde Sau« nahm die Verfolgung der Frau auf und schlüpfte durch die Außentür in den Innenbereich der Schwimmhalle. Ohne Furcht sprang das Borstenvieh in das große Thermalbecken und schreckte drei Dutzend Badegäste, darunter auch Kurgäste aus der nahen »Carolinum«-Rehaklinik, auf.

Die verrückte Wildsau in der Thermen-Küche. Foto: Weser-Therme

»Wir haben Wildschwein-Alarm ausgelöst und per Durchsage alle Badenden aus der Thermenwelt in die Saunen und die Umkleiden gebracht«, schilderte Claudia Fritz die aufgewühlte Situation. Das Wildschwein paddelte nicht lange im sehr warmen und leicht salzigen Solewasser, sondern stieg über eine Treppe ungerührt aus dem Becken.

Küche verwüstet

Das Tier schüttelte sich und rannte dann an der mit der Edelsteinen besetzten Ruhegrotte, an mehreren Whirlpools sowie dem barrierefreien Kinder- und Liegenbereich vorbei zur Themen-Gastronomie. Auch hier sprangen die Gäste erschrocken von den Stühlen auf, als sie plötzlich ein grunzendes wildes Schwein erblickten.

Aus der Spur des Schreckens wurde dann schnell eine Spur der Verwüstung. »High Noon« in der Küche um kurz nach 12 Uhr: Das Solling-Wildschwein überrumpelte mit einer irren Geschwindigkeit das Küchenpersonal, das gerade diverse Mittagessen vorbereitete.

Drei Techniker der Weser-Therme kamen den Köchen zur Hilfe und versuchten, mit den mit Porzellan bestückten Küchenwagen das wütende Tier einzukesseln, einzufangen und festzuhalten. Eine Keilerei folgte. Dabei habe sich ein ungefähr 40 Jahre alter Mitarbeiter leicht am Unterarm verletzt, bedauerte Pressesprecherin Claudia Fritz.

Flucht durch Lieferanteneingang

Der »tierische Amoklauf« hat in der Küche einiges an Schäden angerichtet. Die Wildsau sei festgehalten worden, habe sich immer wieder freigerissen, Küchengeräte an die Seite gestoßen und dann schnell den rettenden Lieferanteneingang entdeckt.

Die schlaue Jung-Bache suchte – sicher auch angesichts der vielen drohenden Küchenmesser – ihr Heil in der Flucht und schaffte es, die Verfolger abzuschütteln und durch den Küchenausgang das Thermalbad zu verlassen. Der Vierbeiner flitzte über den Parkplatz zum Fußballplatz an der Weser und verschwand spurlos.

Kurze Zeit später rückte die Bad Karlshafener Polizei an, die den skurrilen Vorgang nur noch aufnehmen konnte. Ein Wildschwein in der Therme? Auf der Speisekarte der Gastronomie vielleicht, mögen die Beamten sicher bei der Alarmierung gedacht haben. Doch von der rasenden Wildsau gab es tatsächlich ein paar Beweisfotos aus der Therme.

Das zweite Schwein hatte sich erst unter den Außenbecken versteckt, verschwand dann aber plötzlich spurlos. Pressesprecherin Claudia Fritz hofft, dass das noch junge Wildschwein, das für soviel Gesprächsstoff gesorgt habe,  den Jägern im Solling entkommen sei, denn es sei wohl tatsächlich durch die Weser geschwommen und zurück in den Wald geflüchtet.

Die Wege, die das Wildschwein in der Weser-Therme genommen habe, seien anschließend vom Personal sofort gereinigt und desinfiziert worden, erklärte Pressesprecherin  Fritz. Auch eine Sonder-Chlorung habe man vorgenomme, wurden alle Badegäste beruhigt.

Kommentare

die Sau rauslassen

Tja Freunde - da hat irgendwie das "ordentlich die Sau rauslassen" nicht so richtig geklappt :-)

sauunfreundlich

Welche Sauerei wieder mal: anstatt das Schwein in Ruhe suhlen zu lassen, wird es von schlichtem menschlichen Ansinnen im Zuge der Territorialverteidigung in Angst und Schrecken versetzt! Vorbildlich wäre es gewesen, die Junge Schweinedame nach ausgiebigem Saunagang mit einem Fitnessdrink und einem Bache-Burger zu verwöhnen. Dem hätte sich eine wohltuende Borstenmassage anschließen können. Das wohlige Grunzen, durch die Thermen-Lautsprecher Anlage übertragen und mit Klangschalenklängen unterlegt, wäre ein überzeugendes Beispiel an Innovationskraft im deutschen Wellness-Metier gewesen. Durch ein spontan einberufenes Crowd-Funding hätte man die wohlige Beschallung sogar als "Sau goes Wellness feat. Weser-Therme" zum Download anbieten können. Der Eintrittspreis wäre hunderttausendfach wieder hereingeholt worden. Die Weser-Therme wäre um das Wellness-Label "saufreundlich" bereichert worden. Aber nein. Durch von niedrigem Jagdinstinkt getrieben, werden Köche und "Techniker" zu billigen Hardy-Krüger-Hatari-Kopien, während der Bade-Pöbel anfeuernd "Raus mit der Sau!" anstimmt. Für mich stellt sich die Frage: wo war das Thermen-Topmanagement? Und: gab es etwa keine Richtlinie zur "Nutzung sich spontan ergebender Eventmöglichkeiten"? Es wird Zeit für eine Neuzertifizierung der Therme.

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