Neuer Betreiber für Kino in Brakel
Hamburger sieht sehr gute Möglichkeiten

Brakel (WB) -

Das Kino in der Lütkerlinde in Brakel wird wohl bald einen neuen Besitzer haben. Ein Hamburger Interessent suchte in ganz Deutschland nach einem Kino. Auf die Anzeige aus dem hohen Norden meldete sich der aktuelle Besitzer des Brakeler Kinos, Thomas Wirth. Bereits in Kürze soll es nun zum Vertragsabschluss kommen.

Donnerstag, 04.03.2021, 05:52 Uhr aktualisiert: 04.03.2021, 10:00 Uhr
Der Eingang des Kinos in Brakel in der Lütkerlinde: Kinobauer Holger Oeverdieck aus Hamburg will das Filmhaus betreiben und spricht von einer „tollen Herausforderung“. Foto: Frank Spiegel

„Die letzten Formalitäten müssen noch abgeklärt werden, dann können wir starten. Wir befinden uns auf einem guten Weg“, stellte der wohl zukünftige Theaterleiter des Brakeler Kinos, Holger Oeverdieck aus Hamburg, am Mittwoch auf Anfrage heraus. Die Lage am Stadtrand von Brakel mitten in der schönen Natur sei ideal. „Das Kino ist sehr gut erreichbar. Zudem gibt es hier den Parkplatz direkt vor der Haustür“, lobt der Hanseat die Infrastruktur an der Nethe.

Der 59-Jährige ist gelernter Kinotechniker und war zuletzt Kinobauer. „Dabei bin ich in ganz Deutschland unterwegs gewesen. Kinos sind mein Leben.“ Nach einer schöpferischen Pause wolle er nun etwas Neues anfangen

Wirths konzentrieren sich auf Bad Driburg

Thomas Wirth wiederum will sich mit seiner Ehefrau Elina auf das Kino in Bad Driburg konzentrieren. „Nun habe ich nach den coronabedingten Kinoschließungen, die nun quasi ein Jahr dauern, wieder Power. Wir betreiben das Kino in der Kurstadt seit 1995 und das in Brakel seit 2004“, so Wirth. Der Rückzug in Brakel habe nichts mit wirtschaftlichen Überlegungen aufgrund der Pandemie zu tun. Der Noch-Besitzer stellt beim Rückblick fest: „Das ehemalige Filmhaus der belgischen Streitkräfte in Brakel war vor fast zwei Jahrzehnten nach etwa fünf Jahren der Nichtnutzung ziemlich heruntergekommen.“ Die Wirths restaurierten das verfallene Gebäude. Bereits acht Jahre vorher hatte Wirth das Kino in Bad Driburg als Pächter übernommen und ist seit mehr als 25 Jahren um eine „angemessene Kinosituation“ im Kreis Höxter bemüht.

Veränderte Ansprüche

Den veränderten Ansprüchen der Kundschaft war das Kino-Ehepaar immer nachgekommen. Die Wirths stehen für die Digitalisierung. „Wir erhalten die Filme aktuell zum Kinostart und können eine viel größere Filmvielfalt anbieten“, legt der Unternehmer großen Wert auf Aktualität.

Der neue Betreiber in spe wiederum will in Brakel einiges verändern: „In einer Kleinstadt ist der Kinobetrieb eine Herausforderung, allerdings auch eine große Chance. Es ist in der schnelllebigen Zeit nicht mehr damit getan, die Besucher hereinzulassen, die Karten abzureißen und ihnen einen Platz anzubieten. Kino hat sich rasend schnell verändert.“

Holger Oeverdieck will im Gebäude in der Lütkerlinde sechs zudem ungenutzten Raum für eine Wohnung nutzen. „Aber greifen wir nichts vorweg. Zunächst einmal muss der Vertrag unterzeichnet werden.“ Die Wirths hätten ein sehr gutes Konzept gehabt. „Wir werden zwar Konkurrenten sein, doch die Wertschätzung ist groß“, ist der Hamburger überzeugt und fügt an: „Ich freue mich riesig auf die neue Aufgabe. Kino hat in Brakel Zukunft.“

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Die Zeiten des großen Kinos waren schon vor der Pandemie längst dahin. Der Kampf und das Werben der Betreiber um Besucher und Stammkunden hat inzwischen seit fast zwei Jahrzehnten Konjunktur. Kino ist und bleibt für sie trotzdem eine Leidenschaft. Deshalb machen die Enthusiasten weiter und setzten trotz Netflix auf bessere Zeiten.

Im ländlich strukturierten Raum des Kreises Höxter bieten die wenigen „Filmhäuser“ ein gutes und aktuelles Angebot. Das Aus des Kinos in Lauenförde und des ­Kinokomplexes in der Kreisstadt Höxter bedeuteten allerdings bereits vor Jahren große Einschnitte. Es ist deshalb eine gute Nachricht, dass das Kino in Brakel bleibt. In schweren Zeiten werden die Weichen für bessere Zeiten gestellt. Der neue Betreiber ist voller Tatendrang und hat viel vor.

Der Kampf der heimischen Kinobetreiber in und nach der Pandemie besitzt Symbolkraft für die großen ­Herausforderungen. Am vergangenen Sonntag standen die Zeichen in den Kinos Warburg, Borgentreich, Bad Driburg und eben auch Brakel auf Rot. Mit der bundesweiten Aktion „Das Kino leuchtet für Dich“ hatten die Betreiber bundesweit das Scheinwerferlicht auf sich gerichtet und im zweiten Lockdown auf ihre schwierige Lage aufmerksam gemacht. Der Ruf und die Hoffnung nach Öffnungen sind groß und berechtigt.

Die Kino-Realität bleibt trotzdem unumstößlich: Das geänderte Freizeitverhalten, die sozialen Medien, privates Fernsehen, höhere Mieten und Netflix machen es den Kinos schwer. Vom Kino wie vor 20 Jahren wird wahrscheinlich oft nur noch das Popcorn bleiben. In Brakel wird es weiterhin ein Kino geben. Das ist hoffentlich der Stoff für einen guten Film. Die heimische Kinowelt und wir alle haben das verdient.

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