Landgericht Paderborn verurteilt 20-jährigen Driburger zu Schmerzensgeld – in falsche Kreise geraten
Jungen mit Teppichklopfer geschlagen

Bad Driburg -

2500 Euro Schmerzensgeld muss ein 20-Jähriger Bad Driburger zahlen, weil er einem zehnjährigen Jungen Schläge auf das nackte Gesäß verpasst hat. Das hat die Jugendkammer des Landgerichts Paderborn entschieden. Nur wegen des Jugendstrafrechts kam der Driburger um eine Freiheitsstrafe herum.

Mittwoch, 03.03.2021, 12:11 Uhr aktualisiert: 03.03.2021, 13:14 Uhr
Ein Sextäter fand Freude daran, Jungen zu schlagen. Ein 20-Jähriger aus Bad Driburg war dabei. Foto: dpa

 

Die Geschichte hatte das Landgericht Paderborn bereits im vergangenen Frühjahr beschäftigt: Ein homosexueller Frührentner aus Bad Driburg hatte – als leidenschaftlicher Genießer sado-masochistischer Praktiken – selbige an zwei kleinen Jungen aus dem Kreise befreundeter Familien ausprobiert. Unter anderem dafür, dass der jetzt 54-Jährige im Sommer 2019 den beiden damals zehn und elf Jahre alten Kindern mit Teppichklopfer und Kochlöffel „den Po versohlt“ hatte, wie er es selbst beschönigend nannte, wanderte er für fast fünf Jahre hinter Gitter.

Am Dienstag musste sich ein 20 Jahre alter früherer Freund des Frührentners selbst vor der Jugendkammer des Landgerichts verantworten: Er sollte bei einer der Taten mitgemacht und den Zehnjährigen selbst mehrfach aufs nackte Gesäß geschlagen haben soll, bevor der Ältere seinerseits mit einem Rohrstock zuschlug.

Der 20-Jährige gab zu, den Jungen tatsächlich geschlagen zu haben – jedoch ohne jegliche sexuellen Hintergedanken. Der 54-Jährige sei seit Jahren ein enger Freund gewesen, dass er selbst Opfer der sado-masochistischen Ader des viel älteren Mannes geworden sei, habe er erst viel später bemerkt, sagte der Angeklagte: Schläge aufs nackte Gesäß habe er durch den 54-Jährigen zugelassen, als dieser von ihm eine „Mutprobe“ verlangt habe – gegen ein „Preisgeld“ von 50 Euro. „Das war für mich nichts Sexuelles, ich habe mich gefreut, eine Mutprobe zu bestehen.“ Erst später bei einer anderen Gelegenheit sei ihm der Verdacht gekommen, dass es um sexuelle Gelüste des Frührentners gehen könnte.

Dennoch habe er sich auch zunächst nichts weiter gedacht, als in jenem Wochenende der Zehnjährige den Frührentner besuchte und dort eine Züchtigung bekommen sollte. Der 20-Jährige räumte ein, er habe zuerst fünf Schläge auf das nackte Gesäß des Kindes getan, aber nur leicht, „ich wollte ihm nicht weh tun.“ Als der 54-Jährige jedoch zugeschlagen habe, sei dies viel stärker und heftiger gewesen, so dass der Junge vor Schmerz schrie. „Das hat mich richtig schockiert. Ich mache mir bis heute Vorwürfe, dass ich da nicht eingegriffen habe.“

Das Jugendstrafrecht setzt den Aspekt der Erziehung vor den der Strafe. Der 20-Jährige hat sich nach eigenen Worten nach dem Vorfall Schritt für Schritt von dem Frührentner distanziert, einen sozialen Beruf gelernt und lebt mit seiner Freundin zusammen. Er bereut „von ganzem Herzen“, dass er das Kind geschlagen habe. Das Schmerzensgeld könne zwar die schwerwiegenden psychischen Folgen, unter denen das Kind noch immer und wohl noch lange leide, nicht lindern, sei aber immerhin ein bisschen Wiedergutmachung.

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