Berufskollegs im Kreis Höxter werden Regionales Bildungszentrum – landesweites Pilotprojekt
Unterricht beim virtuellen Zwilling

Kreis Höxter -

Die Berufskollegs im Kreis Höxter an den Standorten Höxter, Warburg und Brakel sind seit vier Wochen Teil eines landesweiten Schulversuchs. Als Regionales Bildungszentrum sollen sie die Themen Digitalisierung und Lebenslanges Lernen stärker in den Fokus rücken. Das Ziel: Berufliche Bildung auch auf dem Land zukunftssicher machen.

Montag, 01.03.2021, 05:41 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 05:50 Uhr
Teure Maschinen können nicht für jeden Berufskollegstandort angeschafft werden. Der Schulversuch Regionales Bildungszentrum soll standortübergreifende digitale Konzepte möglich machen. Foto: Berufskolleg Höxter

Wie das konkret aussehen soll, erläutert Michael Urhahne. Er ist Leiter des Berufskollegs Kreis Höxter mit Standorten in Brakel und Höxter. Geplant sei, Berufsschulklassen künftig standortübergreifend digital zu unterrichten. Da viele Bildungsgänge bei der Mindestschülerzahl „an der Kante“ seien, biete das die Chance, die Schüler länger im Kreis zu halten. So könnten beispielsweise angehende Einzelhandelskaufleute aus Höxter den Unterricht via Video aus dem Johann-Conrad-Schlaun-Berufskolleg in Warburg mitverfolgen – oder Lehrlinge im Industriemechaniker-Handwerk in Warburg virtuell auf Maschinen in Brakel zugreifen. „Die kosten viel Geld und können nicht einfach so für jeden Standort angeschafft werden“, erläutert Urhahne. Er spricht von der Schaffung virtueller Zwillinge. Jeder Schulort könne seine Schwerpunkte so ausspielen und sich stärker mit den Nachbarn vernetzen. Perspektivisch schließt Urhahne bei solchen Modellen einen Blick über die Kreisgrenzen nicht aus. „Als wir das Konzept geschrieben haben, hat noch niemand von Corona gesprochen“, sagt Urhahne. Die Pandemie habe dem digitalen Lernen darüber hinaus einen deutlichen Schub gegeben. Ein Digitalcoach mache am Berufskolleg sowohl Lehrer als auch Schüler mit dem Techniken des digitalen Lernens vertraut.

Bedauerlich findet der Schulleiter, dass es in Nordrhein-Westfalen im Schulversuch Regionales Bildungszentrum nicht gelungen sei, die Mindestklassengröße speziell für ländliche Gebiete auf unter 16 zu senken. Das hätte es leichter gemacht, die Bildungsvielfalt im Kreis Höxter zu erhalten. Bereits heute würden kleine Bäcker- oder Friseurklassen mit Lehrerstunden aus starken Bildungsgängen wie Gesundheit und Soziales „subventioniert“. In Niedersachsen gebe es die Möglichkeit, in ländlichen Gebieten deutlich kleinere Klassen einzurichten.

Darüber hinaus sollen in dem Schulversuch so genannte Aufbaubildungsgänge geschaffen werden, die sich an Menschen richten, die bereits eine Ausbildung abgeschlossen haben, sich aber fundiert weiterbilden möchten. Vorgesehen sei ein solches Abend- und Wochenend-Angebot im Sozialwesen, berichtet Urhahne. Es richte sich an Erzieher, Sozialassistenten und Kinderpfleger, die sich über Schutz und Prävention in der Jugendhilfe weiterbilden möchten. 200 Stunden sind für diese Fortbildung angesetzt worden. Unterrichtet werden die Teilnehmer von Lehrern der Berufskollegs. Vor dem Hintergrund sinkender Schülerzahlen werde so eine Möglichkeit geschaffen, das Personal an den Schulen zu halten. Perspektivisch seien auch spezielle Weiterbildungsangebote im Bereich Wirtschaft und Technik denkbar, führt Michael Urhahne aus.

Landrat Michael Stickeln geht davon aus, dass das Regionale Bildungszentrum eine Chance dafür ist, eine betriebs- und wohnortnahe berufliche Bildung auch in einem Flächenkreis wie Höxter „dauerhaft zu sichern“. „Wir sehen darin eine deutliche Stärkung der Berufskollegs, die mit ihren exzellenten Aus- und Weiterbildungsangeboten eine wichtige Säule unserer Bildungs- und Wirtschaftsregion darstellen“, wird der Landrat in einer Pressemitteilung des NRW-Schulministeriums zitiert.

Im Kreis Höxter gibt es zwei Berufskollegs. Das Berufskolleg Kreis Höxter mit Standorten in Brakel und Höxter und das Johann-Conrad-Schlaun-Berufskolleg in Warburg. Der Kreis hatte ursprünglich geplant, alle drei Standorte zu einer Schule zusammenzufassen. Dieser Plan wurde aber nicht umgesetzt. Die Schulleiterstelle in Warburg ist Ende 2019 mit Matthias Gehle neu besetzt worden.

Der Schulversuch Regionales Bildungszentrum läuft fünf Jahre. Er wird wissenschaftlich begleitet. Für gut befundene Maßnahmen sollen anschließend flächendeckend in NRW eingeführt werden.

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