Helga Ahrens (81) erhält nach Corona-Erkrankung keine Impfung – Sohn Olaf plädiert für bessere Aufklärung
„Der Pieks hätte mich beruhigt“

Höxter (WB) -

„Keine Impfung“. Mit diesen beiden Worten in roter Schrift auf dem Anamnese-Bogen ist Helga Ahrens am vergangenen Donnerstag wieder aus dem Brakeler Impfzentrum nach Hause geschickt worden. Die rüstige Seniorin aus Brenkhausen hatte erst vier Wochen vorher eine Corona-Erkrankung durchgemacht.

Donnerstag, 25.02.2021, 05:55 Uhr aktualisiert: 25.02.2021, 09:34 Uhr
Trotz Impftermin musste Helga Ahrens, die an diesem Donnerstag ihren 81. Geburtstag feiert, am vergangenen Sonntag vom Impfzentrum in Brakel wieder nach Haue fahren. Ihr Sohn Olaf hätte sich eine bessere Aufklärung gewünscht. Foto: Jürgen Drüke

„Inzwischen kann meine Mutter nachvollziehen, warum sie nicht geimpft worden ist. Allerdings gab es vor dem Termin keinerlei Informationen und Hinweise darauf, dass eine Impfung zum jetzigen Zeitpunkt Komplikationen verursachen könnte, ganz im Gegenteil“, stellt Sohn Olaf fest. „Wir waren in der Familie froh und erleichtert, dass wir den Termin relativ früh bekommen haben. Donnerstag, 18. Februar, hatten wir dick im Terminkalender angestrichen “, berichtet der Sohn weiter. Die Familie habe die Mutter vorher beim Kampf durch das Internet sowie den ­bürokratischen Dschungel in Sachen Impftermin unterstützt. „Wir haben es gemeinsam geschafft und waren erleichtert“, stellt die Rentnerin heraus.

Zunächst reibungslos

Die Spritzen liegen parat. Im Brakeler Impfzentrum wird fleißig gearbeitet.

Die Spritzen liegen parat. Im Brakeler Impfzentrum wird fleißig gearbeitet. Foto: Kreis Höxter

Im Brakeler Impfzentrum sei zunächst ebenfalls alles reibungslos abgelaufen. „Das war bestens organisiert. Nach der Registrierung haben wir einen Laufzettel erhalten. Zusätzlich gab es einen Aufklärungsbogen, einen Anamnesebogen und eine Impfeinwilligungserklärung. Meine Mutter hat jeweils unterschrieben.“ Danach habe ein Arzt die Beratung vorgenommen. „Erst als ich ihm berichtet habe, dass meine Mutter mit ­Covid-19 infiziert gewesen sei, hat der Arzt noch einen Kollegen dazu geholt. Sie teilten uns mit, dass meine Mutter aktuell nicht geimpft werden könne. Wir sollten Annentag wiederkommen.“ Der Sohn bemängelte, dass die Ärzte es nicht entsprechend begründet hätten. Die Familie Ahrens sei zu diesem Zeitpunkt auf einem anderen Informationsstand gewesen. Der medizinische Fakt sei bis mindestens 29. Januar 2021 gewesen, dass die Impfung nach bereits durchgemachter Sars-CoV-2-Infektion keine Probleme verursachen würde oder mit Gefahren verbunden sei. „Das galt für Sicherheit, Wirksamkeit und Verträglichkeit“, so Ahrens. In den Zulassungsstudien des ­Biontech- sowie Astrazeneca-Impfstoffs seien auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingeschlossen gewesen, die bereits eine Sars-CoV-2-Infektion durchgemacht hätten.

Empfehlung

 

„Allerdings hat es kurzfristig eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) und des Robert Koch-Instituts (RKI) gegengeben“, erklärt Dr. Jens Grothues, ärztlicher Leiter im Impfzentrum in Brakel. „Personen, die bereits mit dem Coronavirus infiziert waren, weisen zumindest vorübergehend einen Schutz gegen eine Erkrankung auf. So wie bei anderen Infektionskrankheiten entwickelt der Körper auch bei einer überstandenen Coronainfektion entsprechende Abwehrkräfte. Genesene haben daher eine gewisse Immunität gegenüber dem Virus.“ Bei einer verfrühten Impfung könnten unter Umständen stärkere Nebenwirkungen auftreten. Um dies zu vermeiden und aufgrund des aktuellen Impfstoffmangels in Deutschland würden Betroffene ihre Coronaschutzimpfung erst nach Ablauf eines halben Jahres nach überstandener Coronainfektion erhalten. Der Allgemeinmediziner bedauert in diesem Zusammenhang, dass der Astrazeneca-Impfstoff „madig gemacht wird“ und Verunsicherung geschürt werde. „Astrazeneca ist kein Impfstoff zweiter Klasse.“

81. Geburtstag

Keine Impfung.

Keine Impfung. Foto: Jürgen Drüke

Helga Ahrens feiert an diesem Donnerstag übrigens ihren 81. Geburtstag. „An den Weihnachtstagen und über den Jahreswechsel ist es mir mitunter sehr schlecht gegangen. Ich bin dankbar, dass ich es überstanden habe. Die Knochen- und Muskelschmerzen verschwinden bestimmt. Das Gesundheitsamt des Kreises, die Ärzte und ihre Familie hätten sich liebevoll um sie gekümmert. Heute will die Witwe feiern. Ihr Lebensgefährte, der ebenfalls an ­Covid-19 erkrankt war, ist dabei. „Wir haben uns seit Weihnachten nicht gesehen. Ob mit oder ohne Impfung, wir sind dankbar, dass wir Corona überlebt haben. Wenngleich, der Pieks hätte mich beruhigt.“

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Die Arzneimittelwerbung aus Funk und TV kennt jeder. Risiken und Nebenwirkungen spielen beim gefährlichen Virus Covid-19 und seinen Mutanten eine große Rolle.

So steht die in letzter Sekunde abgesagte Impfung der Rentnerin Helga Ahrens irgendwie symbolisch für die vielen Versäumnisse in der Impfstrategie Deutschlands. Nachdem die Rentnerin Corona gut überstanden hatte, bemühte sie sich um einen Impftermin. Die Familie Ahrens hatten sich vorher kundig gemacht. Demnach stand einer Impfung trotz überstandener Infektion kein Risiko im Wege. Beim Termin war die Auskunft im Brakeler Impfzentrum dann eine ganz andere.

Der Rentnerin, die an diesem Donnerstag ihren 81. Geburtstag bei guter Gesundheit feiert, hätten viele Mühen und Wege erspart bleiben können. Sie wollte und kommt nun frühestens in einem halben Jahr an die Reihe, weil sich Vorschriften über Nacht geändert haben.

Wer soll das noch verstehen? Zu wenig Impfdosen, ein kassiertes Schnelltest-Versprechen, ein mit Astrazeneca effizienter Impfstoff, der madig gemacht wird und dessen Impfdosen in Deutschland auf Halde liegenbleiben. Ein Zickzackkurs und das Hin und Her beschämen Impf-Deutschland. Nicht nur Helga Ahrens würde sich gezieltere Informationen und einen klaren Kurs wünschen. So schwindet immer mehr Vertrauen. Die Risiken und Nebenwirkungen sind hoch.

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