Immer mehr Fälle wegen Lockdown: Lerncoachs begleiten Schüler, die im Unterricht nicht mehr mitkommen
Motivation zum Lernen wiederfinden

Höxter -

Viele Kinder bekommen durch den Lockdown Schulprobleme. Der Kreis Höxter reagiert darauf. Lerntrainer begleiten ab sofort Schülerinnen und Schüler, die Probleme haben, im Unterricht mitzukommen. Der Kreis Höxter hat 13 Lehrkräfte ausgebildet.

Sonntag, 14.02.2021, 23:23 Uhr aktualisiert: 14.02.2021, 23:30 Uhr
Gratulieren online allen Teilnehmenden: (von links) Leiter der Abteilung Bildung und Integration Dominic Gehle, Projektkoordinatorin und Mitarbeiterin der Abteilung Bildung und Integration Andrea Schäfer und Kreisdirektor Klaus Schumacher. Foto: Kreis Höxter

Der durch die Corona-Krise bedingte Unterrichtsausfall konnte nicht annähernd durch Homeschooling aufgefangen werden, so das Ergebnis einer Studie des Ifo-Instituts für Bildungsökonomik. Ein Alarmsignal. Für die Studie hatten die Forschenden zunächst Schüler zu der Zeit vor Corona befragt und die Aussagen mit der Zeit während der Pandemie verglichen, sagte der Leiter des Ifo-Instituts, Ludger Wößmann. Vor der Coronakrise hätten Kinder insgesamt siebeneinhalb Stunden in der Schule und Zuhause gelernt. Während Corona sei diese Zeit beim Homeschooling real auf dreieinhalb Stunden zusammengeschrumpft. Nicht wenige Schüler haben die Motivation zum Lernen verloren. Das Thema bedrückt viele Eltern und Lehrer. Der Kreis Höxter hat auf diese konkrete Entwicklung reagiert.

Lerncoachs begleiten ab sofort Schülerinnen und Schüler, die Probleme haben, im Unterricht mitzukommen. Der Kreis Höxter hat 13 Lehrkräfte aus sechs verschiedenen Schulen dazu ausgebildet, Kinder und Jugendliche zu unterstützen und gezielt deren Lernmotivation zu fördern. Nicht alle Schüler einer Klassengemeinschaft lernen gleich schnell und auf dieselbe Art und Weise. „Diese Thematik bestand bereits im regulären Schulalltag und wird durch Corona und das damit einhergehende Distanzlernen wahrscheinlich noch stärker sichtbar“, sagt Kreisdirektor Klaus Schumacher.

Das Konzept des Lerncoachings konzentriert sich auf die individuelle Lernpersönlichkeit eines Schülers. Lehrer und Schüler finden gemeinsam heraus, welche Lernstrategie sich als die beste erweist und wie der Lernende sich selber motivieren kann. „Wenn Schülerinnen und Schüler an einer Stelle wiederholt nicht weiter kommen, entwickeln sie Frust und hören an diesem Punkt manchmal sogar ganz auf“, sagt Projektkoordinatorin Andrea Schäfer vom Kreis Höxter. Mit Hilfe des Trainers lernen sie, richtig zu lernen, und können sich weiterentwickeln.

Um die Lernberatung optimal in den Schulalltag einbinden zu können, stellen die Schulen eigene Räumlichkeiten für das Coaching zur Verfügung. „Leistungsschwache Schülerinnen und Schüler werden dem Lerncoach gemeldet, damit dieser sich intensiv mit ihnen auseinandersetzen kann. Es kommt aber auch vor, dass leistungsstarke Schüler von sich aus in die Beratung gehen, wenn sie in einem bestimmten Bereich Lernschwierigkeiten haben“, erklärt der Leiter der Abteilung Bildung und Integration, Dominic Gehle.

Die Ausbildung zum Lerncoach umfasst etwa ein Jahr. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer absolvieren zunächst eine Schulung zum Lerncoach, um die theoretischen Grundlagen zu erlernen. Im Anschluss folgt die Qualifizierung, bei der sich die Theorieeinheiten immer wieder mit praktischen Phasen abwechseln. „So können die Lehrkräfte das erworbene Wissen direkt anwenden und sich über ihre Erfahrungen austauschen“, sagt Referentin Hanna Hardeland. Sie ist Lehrerin und anerkannte Lerncoach- und Lernberatungs-Expertin. Die Fortbildung verlief aufgrund der Corona-Pandemie teilweise digital. Auch die Übergabe der Zertifikate erfolgte bei einem Online-Meeting gemeinsam mit allen Teilnehmern, Kreisdirektor Klaus Schumacher und Andrea Schäfer sowie Dominic Gehle.

 

Das Problem

Kinder aus bildungsfernen Haushalten leiden am meisten darunter, wenn sie nicht in die Kita oder die Ganztagsschule gehen können, um dort gefördert zu werden. Daten zeigen ebenfalls, dass es in bildungsfernen Haushalten seltener Zugänge zu einem ruhigen Arbeitsplatz und digitalen Endgeräten gibt. Die Schule ist daher zentral für die Identitätsentwicklung: Kinder brauchen Kontakte zu Gleichaltrigen und zu Lehrern, die auch als emotionale Vermittler wirken. Die allermeisten Lehrer und Lehrerinnen engagierten sich mit Leidenschaft und machten Überstunden, um ihre Schüler auch während der Pandemie gut zu unterrichten. Viele sind in Sorge, ob die Schülerjahrgänge durch den langen Lockdown Schaden nehmen.

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