Wertschöpfungszentrum für biologische Produktion in Eissen im Gespräch
Neues Leben im alten Kornhaus

Eissen/Kreis Höxter -

Im ehemaligen Kornhaus des Agravis-Konzerns in Eissen könnte ein so genanntes Regionales Wertschöpfungszentrum entstehen. Das hat Brigitte Hilcher vom Bundesverband der Regionalbewegung am Freitagabend während einer Videokonferenz der Bundestagsabgeordneten Britta Haßelmann (Grüne) bekannt gegeben.

Montag, 08.02.2021, 05:37 Uhr aktualisiert: 08.02.2021, 05:40 Uhr
Das alte Kornhaus in Eissen. Das Lagerhaus mit Rampe ist abgerissen worden. Foto: Marius Thöne

Die Idee für die weitere Anschlussnutzung des Kornhauses, das der Biohof Engemann vor einiger Zeit erworben hat, sei auf gute Resonanz gestoßen, berichtete Hilcher. Erste Gespräche, beispielsweise mit Landrat Michael Stickeln, habe es zu dem Thema bereits gegeben.

Die Regionalbewegung propagiert die Idee der Regionalen Wertschöpfungszentren seit einiger Zeit. Die Mitarbeiter dort sollen beispielsweise erste Ansprechpartner sein, wenn es darum geht Fördermittel für die Wiederansiedlung weggebrochener Versorgungsbetriebe zu generieren. Beispielhaft nannte Hilcher einen Schlachthof für den Kreis Höxter. „Wir brauchen solche Experten, wenn es darum gehen soll, regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen“, sagte Hilcher. Sie wies darauf hin, dass in Deutschland täglich ein Handwerksbäcker schließe. Dieser Entwicklung könne mit dem Vorschlag der Regionalbewegung entgegen gewirkt werden, ist sich die Geografin, die stellvertretende Geschäftsführerin des Verbandes ist, sicher.

Das geplante Wertschöpfungszentrum in Eissen könnte einen Schwerpunkt auf der biologischen Produktion haben. „Es gibt in Eissen mit der Familie Engemann einen großen Player in diesem Bereich. Das passt zusammen“, sagte Hilcher.

Hofchef Klaus Engemann, der ebenfalls an der Grünen-Konferenz teilnahm, sprach sich dafür aus, den Kreis Höxter zu einer Ökomodellregion zu machen.

Grünen-Abgeordnete Britta Haßelmann lobte den Ansatz. Sie sprach sich dafür aus, die regionale Daseinsvorsorge in die Hände der Akteure vor Ort zu legen. Dafür möchten die Grünen so genannte Regionalbudgets schaffen. Also Zuschüsse, die in den Regionen ausgegeben werden können. „Dann kann vor Ort entschieden werden, wo ein Förderschwerpunkt gelegt wird“, sagte sie.

Kornhaus Eissen Engemann

Kornhaus Eissen Engemann Foto: Marius Thöne

Die Grünen hatten die Sozialforscher des Instituts Aproxima beauftragt, repräsentativ (200 Studienteilnehmer) zu erheben, was das Leben in ländlichen Regionen ausmacht und wo sie Nachholbedarf haben. Der Kreis Höxter war einer von drei Modellkreisen.

Sebastian Götte von Aproxima stellte die Ergebnisse am Freitagabend vor. Die meisten Menschen zwischen Diemel, Egge und Weser leben seit ihrer Geburt im Kreis Höxter. 57 Prozent der Befragten nannten ihren Wohnort als Lieblingsort. „Das ist ein Wert, den wir in Vergleichskreisen bei Rostock und im Saarland so ähnlich gemessen haben“, sagte Götte.

Die Stärken des Lebens im Kreis Höxter sahen die Befragten vor allem im sozialen Zusammenhalt, beispielsweise in Vereinen. „Hier kann man sich auf einander verlassen“, sagt Götte. Als positiv wurden darüber hinaus die Gesundheitsversorgung sowie die Versorgung mit Kita-Plätzen und auch günstiger Wohnraum genannt.

Als Probleme benannten 23 Prozent der Teilnehmer der Studie, die schlechte Verkehrsanbindung und einen ausbaufähigen Öffentlichen Personennahverkehr. Das sei der höchste gemessene Wert unter allen Vergleichsregionen, machte Götte deutlich. Weitere angesprochene Probleme waren Fahrrad- und Fußwege sowie schlechter Internet- und Mobilfunkempfang.

Von den insgesamt 55 Teilnehmern der Videokonferenz wurde im Anschluss an die Vorstellung der Studienergebnisse die „zwangsläufige Landflucht“ thematisiert. Die gebürtige Körbeckerin Anne Rehrmann hat viele Jahre in Kassel gelebt und ist erst im vergangenen Jahr wieder in den Kreis Höxter zurückgekehrt. Sie wohnt heute in Löwen. „Wer bestimmte Berufswünsche hat, wird auch gezwungen, hier wegzugehen“, sagte sie. Viele aus der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen kehrten nicht zurück, ergänzte Hilla Zavelberg-Simon aus Warburg.

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