Künstlerinnen aus Bad Driburg und Steinheim stellen in Potsdam zur Einheit aus
Narben und Widersprüche

Kreis Höxter/Potsdam (WB). So ganz passen sie nicht zusammen, die beiden Gesichtshälften. Eine steht auf dem Kopf, doch selbst gedreht würden die Teile kein fehlerfreies Bild ergeben. „Ein System wurde friedlich auf den Kopf gestellt, die andere Hälfte muss sich auch drehen, um den neuen Teil zu verstehen“, sagt Nicole Drude über ihr Kunstwerk. Durch einen Artikel im Internet wurde die Bad Driburgerin auf eine besondere Aktion aufmerksam. Bei der „Einheits-Expo“ zum heutigen Tag der Deutschen Einheit in Potsdam, sind Künstler aus dem ganzen Land aufgerufen, sich an der Kubus-Installation „Galerie der Einheit“ zu beteiligen. Das Thema „Deutschland ist eins: vieles“ hat Nicole Drude durch ihr eigentlich vierteiliges, verdrehtes Bild interpretiert, das gleich zur offiziellen Eröffnung der Ausstellung durch den ehemaligen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck für die Kameras in aller Welt prominent sichtbar war. Gefertigt wurde das Bild in der von Drude selbst entwickelten „un jeter“-Technik, einem besonderen Nass-in-Nass-Verfahren in der Aquarellmalerei.

Freitag, 02.10.2020, 22:55 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 23:00 Uhr
Nicole Drude aus Bad Driburg (rechts) zeigt ihr vierteiliges Bild, das sie eigens für die Einheitsfeier in Potsdam gefertigt hat. Petra Fleckenstein-Pfeifer hat stilisierte Boote seit Jahren zu ihrem Thema gemacht. Das Innenleben zeige Narben, wobei nicht sicher sei, dass sie gerade verheilten, bringt die Steinheimer Künstlerin ihr Werk in den Kontext Deutsche Einheit. Foto: Ralf Brakemeier

Postfaktisch rosa

Von der Bad Driburger Künstlerfreundin angesprochen, beteiligt sich auch die Steinheimer Künstlerin Petra Fleckenstein-Pfeifer. Seit Jahren beschäftigt sie sich mit dem komplexen Thema der menschlichen Existenz, festgemacht an mannsgroßen Booten, die in unterschiedlichen Erscheinungsformen und aus unterschiedlichen Materialien das Thema immer neu interpretieren. Am Einheits-Kubus in Potsdam sind nicht nur „analoge“, sondern auch digitale Kunstwerke via Bildschirm zu sehen, so dass Fleckenstein-Pfeifer mit dem etwa 1,60 Meter langen Boot ihren digitalen Beitrag zum Thema Deutsche Einheit liefern konnte. Auch ihr Kunstwerk, sie nennt es „postfaktisch rosa“, symbolisiert den Widerspruch zwischen dem flauschig-fedrigen Äußeren und dem vernarbten, zum Teil unansehnlichen Innenleben. „Zu sehen sind Verwundungen und Wundnähte, und es bleibt offen, ob der Betrachter den Prozess des Heilens beobachtet“, sagt Petra Fleckenstein-Pfeifer über ihr Werk, das auch das schmerzhafte Zusammenwachsen zweier deutscher Staaten symbolisieren könnte.

Kubus-Installation

Auf dem Potsdamer Luisenplatz ist die Kubus-Installation mit ihrem virtuellen Ausstellungsraum im Innern auch über den heutigen Tag der Deutschen Einheit hinaus zu sehen. Geschaffen hat dieses stetig wachsende und sich verändernde Kunstprojekt die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission „30 Jahre friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ unter dem Vorsitz des ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Platzeck. Mit ihren Werken wollen die beiden Künstlerinnen aus dem Kreis Höxter ihren Beitrag zum Thema „Deutsche Einheit“ leisten. Sie sehen ihre Botschaft weniger politisch als existenziell menschlich. In virtueller Form soll die Ausstellung dauerhaft zu sehen sein, auch im Internet

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