Hund in Dringenberg angefahren, an den Straßenrand gelegt und geflüchtet
Wer hat Lumi getötet?

Bad Driburg-Dringenberg (WB). Der neunjährige Max ist traurig. Man hat ihm seinen Spielkameraden genommen. Einfach so. Lumi, der kleine italienische Windhund, ist tot.

Donnerstag, 24.09.2020, 03:23 Uhr aktualisiert: 24.09.2020, 03:30 Uhr
Lumi, der kleine italienische Windhund, ist lediglich zweieinhalb Jahre alt geworden. Sie musste am Straßenrand sterben. Foto: privat

Gefunden hat ihn die Familie Wellmann-Wicik am Straßenrand vor der Haustür. Mit schweren Verletzungen – jede Hilfe kam zu spät.

Die Frage, die die Familie umtreibt: Wer hat Lumi angefahren, auf eine Grünfläche gelegt und ist anschließend geflüchtet? Die Polizei ermittelt.

Tragödie

Die Tragödie ereignete sich nach den Ausführungen von Familienvater Sven Wellmann am vergangenen Freitag, 18. September, zwischen 15.10 und 15.25 Uhr in der Straße Schonlaublick: „Die Haustür war auf ‚Klick‘ und muss durch den Wind geöffnet worden sein. Ein Nachbarsjunge hat Lumi dort liegen gesehen und uns informiert – Max und ich sind sofort rausgerannt. Sie hat noch geatmet und zwischenzeitlich regelrecht nach Luft geschnappt – das war ein Schock, wir hatten Panik.“ Ihm war klar: Jetzt kann jede Sekunde über Leben und Tod entscheiden. „Lumi hatte keine offenen Wunden, aber alles war blau. Ihre Knochen haben geknackt als ich sie hochgehoben habe.“

Sven Wellmann machte sich unverzüglich auf den Weg zum Tierarzt nach Peckelsheim, auf dem Beifahrersitz lag Lumi. „Erst eine Straßensperrung, dann ein Mähdrescher – die Fahrt zog sich eine gefühlte Ewigkeit hin. Lumi hat zu diesem Zeitpunkt wohl noch geatmet – doch es wurde immer weniger“, erzählt er. Beim Arzt dann die bittere Gewissheit: Lumis Herz hat aufgehört zu schlagen.

Der Tod des Hundes habe die ganze Familie sehr mitgenommen, besonders schwer sei es jedoch gewesen, seinem Sohn Max die traurige Nachricht zu übermitteln: „Auf dem Weg zu einem Fußballspiel rief er mich aus dem Sportvereinsbulli an. Ich habe ihm gesagt, dass der Arzt nichts mehr machen konnte. Max schrie laut vor allen ‚Lumi ist tot‘. Fußball gespielt hat er nicht mehr. Seine Beine haben ihn an diesem Tag nicht mehr getragen.“

Die Familie hat Lumi im Garten mit einem Kuscheltier von Max begraben – nach letzten Streicheleinheiten des Jungen. Außerdem wurde Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Sven Wellmann erläutert auch, warum für ihn klar ist, dass die unbekannte Person den Hund nach einem Zusammenstoß auf die Grünfläche neben der Straße gelegt hat. „Beim Unfall hat der Hund Kot verloren – der lag weit auf der Straße. Lumi wurde wiederum einige Meter davon entfernt gefunden. Man konnte an ihrer Position deutlich sehen, dass sie jemand dort abgelegt hat.“

Im „Schonlaublick“ seien laut Wellmann viele Autofahrer zu schnell unterwegs – das wiederum sei nicht nur für Tiere, sondern für alle Bewohner gefährlich. Vor geraumer Zeit sei schon einmal ein Haustier der Nachbarn angefahren worden. Die Familie hat unter anderem bei Facebook einen Zeugenaufruf gestartet – der ist mittlerweile 1264 mal geteilt worden, die Anteilnahme in mehr als 200 Kommentaren ist ebenso groß wie das Entsetzen.

Polizei: Flucht ist Straftat

Nach Angaben der Kreispolizeibehörde in Höxter hat die Familie Anzeige gegen unbekannt gestellt. „Wir ermitteln wegen eines Verkehrsunfalls mit Sachschaden sowie Unfallflucht. Das eigentlich Schlimme aus rechtlicher Sicht ist die Flucht, denn durch sie wird es zu einer Straftat“, erläutert Polizeisprecher Jörg Niggemann. Deshalb sein Rat: „Sollte jemand im Straßenverkehr ein Haustier anfahren, sollte die Person vor Ort bleiben und sich umhören, wem das Tier gehört.“ Der Zusammenstoß mit einem Haustier als solcher sei aus rechtlicher Sicht – so makaber es in diesem Fall auch sei – ähnlich zu bewerten wie beispielsweise ein „Parkplatzrempler“. Die Ermittlungen würden sich aktuell als schwer darstellen. Deshalb bittet die Polizei weiter um Hinweise von möglichen Zeugen unter Telefon 05271/9620.

Dass Haustiere angefahren werden und sich die Verursacher anschließend unbemerkt entfernen, sei im Kreis Höxter eher ein Einzellfall, teilte die Verkehrsdirektion mit – häufiger käme es zu Wildunfällen. „In allen Fällen gilt: Verständigen Sie die Polizei“, so Niggemann. Er erläutert außerdem, dass Tierhalter grundsätzlich verpflichtet sind, zu gewährleisten, dass das Tier nicht frei in den Verkehr läuft. „Ein Tierhalter müsste sogar für Beschädigungen am Auto aufkommen“, heißt es.

Der Familie Wellmann-Wicik geht es derweil in erster Linie gar nicht um die Schuldfrage an sich, sondern um etwas anderes, wie Mutter Anna erläutert: „Ich möchte einfach nur, dass sich die Person bei meinem Sohn entschuldigt und ihm erklärt, warum das passiert ist.“

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