Johanna Schlüter geht als Missionarin auf Zeit nach Bolivien – Corona verzögert Abreise
„Umweg“ über Berlin

Bad Driburg-Neuenheerse/Berlin (WB). Eigentlich wäre sie schon in Bolivien. Die Corona-Pandemie durchkreuzte allerdings diese mutigen Pläne und führte sie zunächst ins viel nähere, aber trotzdem spannende Berlin: Johanna Schlüter (18) aus Neuenheerse ist flexibel. Obwohl sie mindestens bis Oktober nicht ins ferne Bolivien ausreisen kann, hat sie ihr freiwilliges Jahr als „Missionarin auf Zeit“ zum geplanten Zeitpunkt angetreten. In der St.-Christopherus-Gemeinde Berlin-Neukölln stehen Johanna und ihre Mitfreiwillige Hannah Wessel aus Siethen bei Recklinghausen Bedürftigen zur Seite.

Mittwoch, 09.09.2020, 09:30 Uhr aktualisiert: 09.09.2020, 09:40 Uhr
Johanna Schlüter (links) und ihre Mitfreiwillige Hannah Wesel haben ihren Dienst in Berlin-Neukölln angetreten. Sie flankieren eine große Statue des Heiligen Christopherus. Er ist Schutzpatron der Kirchengemeinde, in der die jungen Frauen mitarbeiten.

Der Wechsel aus dem idyllischen Neuenheerse in den gerne als No-Go-Area abgestempelten Bezirk Neukölln hat die 18-Jährige kurz vor der Abreise mit gespannter Erwartung erfüllt. Unbehagen war aber auch dabei, gibt die junge Frau zu. Das sei normal vor einem so großen Schritt. Um so erleichterter ist sie darüber, dass Hannah Wessel ihr zur Seite steht. Geteiltes Heimweh ist halbes Heimweh – vor allem demnächst in Bolivien. Die beiden Freiwilligen hatten sich bei Seminartagen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kennen gelernt und stehen sich sowohl in Berlin als auch später in Lateinamerika unterstützend zur Seite. Dort wollen die beiden auf jeden Fall hin, sobald die Umstände es erlauben.

Kleinstadt als Einsatzort

Der Einsatzort selbst wird beschaulicher sein als Berlin: In der 9500-Einwohner-Stadt Monteagudo südöstlich der Hauptstadt Sucre auf 1144 Metern Höhe „dürfen wir in einem Krankenhaus und einer Schule mit Kindergarten mitarbeiten“, erzählt Johanna Schlüter. Leben werden die beiden bei den Pallottinerinnen (Missionsschwestern vom Katholischen Apostolat). Falls sich die Reise coronabedingt hinzieht, überlegt die Neuenheerserin, ihren Dienst zu verlängern. Denn: „Es dauert einige Monate, bis man sich in Einsatzland eingewöhnt hat. Daher wäre es ungünstig, wenn wir im Frühjahr 2021 erst fliegen können und im August schon wieder zurück müssen.“

Das alles wird sich finden. Zunächst warten Johanna und ihre Mitfreiwillige auf das Ausreise-OK der Behörden. Die eigens bestellten Spanisch-Bücher wird die 18-Jährige in Berlin noch manches Mal zur Hand nehmen. Johanna hatte sich, als Corona noch in ungeahnter Ferne lag, zur Vorbereitung ihres Jahres im Herzen Lateinamerikas die Bücher besorgt. Die junge Frau hat in diesem Corona-Sommer als eine der Jahrgangsbesten am Gymnasium St. Kaspar in Neuenheerse ihr Abitur abgelegt. Der Entschluss, für ein Jahr ins Ausland zu gehen, reifte schon während der Oberstufenzeit in ihr heran. „Ich möchte vor dem Studium oder der Ausbildung das richtige Leben – viele Menschen und andere Kulturen kennenlernen und erhoffe mir Impulse für die anstehende Berufsentscheidung“, begründet die Neuenheerserin ihren Wunsch. Im März 2019 bewarb sie sich.

Vielseitig engagiert

Im Heimatort engagierte sich Johanna Schlüter bereits zu dieser Zeit und auch schon früher in verschiedenen Bereichen. Jahrgangsstufensprecherin in ihrer Schule, Messdienerin, Jugendleiterin im Messdienerzeltlager, Mitarbeit in der Katholischen Öffentlichen Bücherei Neuenheerse, Engagement in der Arbeitsgruppe Öffentlichkeit der neu gegründeten privaten Grundschule St. Walburga: Die junge Frau schaute schon früh über den Tellerrand und übernahm Verantwortung für das Gemeinwesen. Ihre Aufgeschlossenheit und ihre Sozialkompetenz werden ihr in Bolivien und jetzt in Berlin zugutekommen, sind Weggefährten überzeugt.

In der Bundeshauptstadt arbeitet sie in der Obdachlosenhilfe und in einer Bildungsstätte der katholischen Kirchengemeinde St. Christopherus mit. Die Männergemeinschaft der Pallottiner erfüllt die Gemeinde mit Leben. Im CaféPlatte „to go“ können sich Bedürftige mit einer warmen Mahlzeit stärken. In der Bildungsstätte „Jack“ besteht für Migrantinnen und geflüchtete Frauen unter anderem die Möglichkeit zur Teilnahme an Deutschkursen. „Dieses Angebot trägt zu besserer Bildung und Geschlechtergerechtigkeit bei“, sagt Johanna.

Beste Wünsche

Für die Zeit in Berlin und später in Bolivien begleiten Johanna die besten Wünsche von zuhause. „Meine Familie freut sich mit mir.“ Dieser Rückhalt der Angehörigen und der Freunde tue gut. Über Rundmails hält die 18-Jährige übrigens die Menschen in Neuenheerse über ihren Einsatz als Missionarin auf dem Laufenden. Wer in den Verteiler aufgenommen werden möchte, kann ihr unter mazjohannabolivien@gmail.com eine E-Mail schreiben.

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