IHK-Sonderkonjunkturumfrage im Kreis Höxter ist geprägt von Corona-Pandemie
Größter Einbruch seit Finanzkrise

Bad Driburg-Herste (WB/fsp). Die Ergebnisse der Sonderkonjunkturumfrage der Zweigstelle Paderborn und Höxter der lndustrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) bezeugen den gewaltigen Einschnitt, den die Corona-Pandemie der Wirtschaft im Kreis Höxter zugefügt hat.

Mittwoch, 08.07.2020, 05:55 Uhr aktualisiert: 08.07.2020, 06:02 Uhr
Dr. Claudia Auinger, stellvertretende IHK-Geschäftsführerin, Oliver Kleine (Mitte) und Jürgen Behlke haben die Ergebnisse der Umfrage in Herste vorgestellt. Foto: Frank Spiegel

An der Umfrage aus dem Juni 2020 hatten sich 96 Unternehmen mit 6.656 Beschäftigten beteiligt. „Die Konjunktur hat im Kreis Höxter den größten Einbruch seit der Finanzkrise erlebt. Für die lndustrie waren die Einbußen sogar deutlich gravierender als 2008“, resümierte lHK Vollversammlungsmitglied Oliver Kleine. Der Konjunkturklimaindex, mit dem gleichermaßen die aktuelle Lage und die Zukunftserwartungen abgebildet werden, sei im Vergleich zur Frühjahrsbefragung von 113 auf 76 Punkte gefallen.

Den größten Einbruch habe die lndustrie erlebt, deren Wert von 125 auf 47 Punkte fiel. Auch der Handel (101 auf 77 Punkte) und Dienstleistungssektor (104 auf 99) Punkte erlebten Verluste. Beim Klimaindex stellt die 100er-Grenze den Schwellenwert zwischen gutem und schlechten Konjunkturklima dar.

Auslastung gesunken

„Die momentane Geschäftslage wird von der Hälfte der Unternehmen aller Sektoren als schlecht bewertet“, erklärte Kleine. Besonders das verarbeitende Gewerbe habe mit einer stark gesunkenen Produktionsauslastung zu kämpfen. Bei 59 Prozent der befragten Industrieunternehmen liege diese derzeit sogar unter 80 Prozent. Grund zur Besorgnis würde zudem die erwartete Geschäftslage aller Sektoren bieten: „lm Handel und bei den Dienstleistungen nimmt die schlechte Stimmung leicht zu. In der Industrie erwarten fast drei Viertel der Unternehmen eine Verschlechterung der Lage.“ Umso wichtiger sei es, auf bestehenden Maßnahmen aufzubauen und die Firmen in der fortwährenden Krise weiterhin zu unterstützen.

„Das Konjunkturpaket der Bundesregierung hat wichtige Impulse gesetzt, die den Unternehmen über Liquiditätshilfen etwas Luft verschafft haben.“ Leider sei man noch immer nicht am Ende der Pandemie und Krise gelangt, betonte Kleine. Eine Verlängerung zeitlich befristeter Maßnahmen zur konjunkturellen Entlastung sei daher aus Sicht der gewerblichen Wirtschaft notwendig.

Maßnahmen verlängern

Dies verdeutlichten auch die Einschätzungen der Unternehmen bezüglich einer Rückkehr zum Normalbetrieb. Rund die Hälfte der Betriebe aus Handel und Dienstleistung rechneten erst in mehr als sechs beziehungsweise mehr als zwölf Monaten mit einer normalen Kapazitätsauslastung. In der Industrie seien es sogar mehr als zwei Drittel. Viele Unternehmen seien bis Jahresende weiterhin zu Rationalisierungsmaßnahmen gezwungen. So gingen im Handel 29 Prozent, bei der Dienstleistung 17 Prozent und in der Industrie 62 Prozent der Betriebe von einem Rückgang der Beschäftigtenanzahl aus. „Für den Dienstleistungssektor heißt das im Umkehrschluss aber auch, dass 83 Prozent von keinem Rückgang ausgehen, was eine gute Nachricht ist, sagte Jürgen Behlke, IHK-Geschäftsführer und Zweigstellenleiter Paderborn und Höxter.

Mit Blick auf die lndustriezahlen erklärte er: „Der Gesamtumsatz ist im ersten Jahresdrittel bei einem Prozentsatz von -0,6 Prozent weitestgehend stabil geblieben. Damit liegt der Kreis Höxter hinter dem Kreis Gütersloh im ostwestfälischen Vergleich auf dem zweiten Platz.“

Am Herzen liegt ihm das Thema Ausbildung. „Die Unternehmen lösen die Verträge nicht auf“, erklärte er. Dass es in diesem Jahr 15 Prozent weniger Ausbildungsverträge gebe, liege vor allem daran, dass Schulabgänger und Betriebe nicht zueinander gefunden hätten. Er ermunterte den Nachwuchs dazu, sich noch auf Stellen zu bewerben. Zu finden seien diese unter anderem in der App „Ausbildungsplatz digital“. Noch bis Ende des Jahres könnten Ausbildungsstellen angetreten werden.

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