Museum in der Burg in Dringenberg öffnet mit Sicherheitskonzept
Geschichte auf Abstand erleben

Bad Driburg-Dringenberg (WB). Das Knarren alter Holztüren ist zu hören. Wo das Auge hinblickt, sind alte Werkzeuge und Ritterrüstungen zu sehen und schon auf der Treppe zum Gewölbekeller spürt man den kühlen Luftzug, der aus dem acht Grad kalten Kerker hinaufzieht. Im Museum Burg Dringenberg fühlen sich viele Besucher in eine andere Zeit versetzt.

Donnerstag, 11.06.2020, 05:59 Uhr
Bärbel Seifert, Kassenwartin des Heimatvereins Dringenberg, und Johannes Georg, Vorsitzender des Heimatvereins, freuen sich auf Besucher im Museum in der Burg. Im Rittersaal II sind derzeit Skulpturen und Bilder aus der Ausstellung „Augenzeugen“ von fünf Kunststudenten aus Münster zu sehen. Foto: Ellen Waldeyer

Viele kleine Schätze

Von 1318 bis 1323 wurden die alten Gemäuer erbaut und beherbergen heute viele kleine Schätze. Die Besucher können die nachgebauten heimischen Räumlichkeiten einer gehobenen Familie aus dem 19. Jahrhundert entdecken, alte Werkzeuge in der Drechslerstube bestaunen, verschiedene Gläser und die Geschichte Dringenbergs kennenlernen sowie (für die Kleinsten) die Tiere und Pflanzen der nahegelegenen Wälder durch Bild, Ton und Anfassen erkunden.

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie sind 19 Öffnungstage entfallen. Wo sonst 1600 Besucher die Burg erkundet haben, sind es in diesem außergewöhnlichen Jahr bis Juni gerade einmal 250. „Wir können damit rechnen, dass wir zum Jahresschluss nur die Hälfte der Besucherzahlen verzeichnen werden“, berichtet Bärbel Seifert, Kassenwartin des Heimatvereins. Die geringe Besucherzahl bringt auch weniger Einnahmen mit sich. Zwar fordern die Verantwortlichen für den Museumsbesuch keinen Eintritt, doch das Konzept basiert auf Spenden.

Bevor das Museum zum ersten Mal wieder öffnen konnte, musste ein Sicherheitskonzept erarbeitet werden. Um diese Maßnahmen hat sich Johannes Georg, der Vorsitzende des Heimatvereins, gekümmert. Er hat die Corona-Schutzverordnung gründlich gelesen und freut sich, dass die meisten Punkte in der Burg eingehalten werden können.

Genügend Platz

„Wir haben den riesigen Vorteil, dass wir viel Platz zur Verfügung haben“, stellt der Heimatvereinsvorsitzende fest. Da der Abstandsmaßstab mit einer Länge von 1,50 Meter eingehalten werden kann, gilt in den Museumsräumen keine Maskenpflicht. „Viele Besucher sind derzeit schon von sich aus extrem vorsichtig und kommen freiwillig mit Maske.“

Im Eingangsbereich auf dem Tresen ist ein Spuckschutz errichtet worden. Farblich passt das Design zum alten Holzschreibtisch, hinter dem die Ehrenamtlichen des Heimatvereins sitzen. 58 Vereinsmitglieder seien im Museum eingespannt und glücklich, dass das Museum wieder öffnen darf.

Die einzigen Bereiche bei denen Johannes Georg Bedenken um die Einhaltung der Hygienevorschriften hat, sind die Treppenhäuser. „Wenn man hier einmal schaut, ob sich gerade jemand auf der Treppe befindet und so lange am Rand wartet, bis der andere vorbei ist, wird es keinen Begegnungsverkehr geben.“ Nur die Treppe zur Burgkapelle, in der immer viele Trauungen abgehalten werden, ist eine geschwungene Wendeltreppe und somit nicht von oben oder unten einsehbar. „Deshalb bleibt die Kapelle aktuell geschlossen. Wir können es nicht verantworten, dass sich die Besucher auf engem Raum in die Quere kommen“, stellt der Dringenberger klar.

Trauungen in der Kapelle

Wo sonst 35 Stühle stehen, hat das Standesamt derzeit nur acht im leeren Raum der Kapelle positioniert. Auch während der Corona-Pandemie trauen sich einige Paare – so auch an diesem Freitag im Innenhof der Burg.

Der Besuch des Museums ist zwar fast ohne Einschränkungen möglich, Gruppenführungen können die Verantwortlichen wegen der Abstandsregelungen aber nicht anbieten. Auch die Veranstaltung „Malen rund um die Burg“ im August fällt aus. Des Weiteren fallen Ausstellungseröffnungen der Pandemie zum Opfer. Zwar zeigen Künstler oder Sammler in den Rittersälen auch in dieser Zeit ihre Werke und stellen weiterhin aus, doch die großen Eröffnungsfeiern, bei denen sonst häufig 80 bis 100 Personen zusammenkamen, entfallen.

Dieser Teil des Burgmuseums erfordert derzeit besonderen Organisationsbedarf, denn die verschiedenen geplanten Ausstellungen sind teilweise verschoben worden oder entfallen ganz. „Die Schüler, die uns sonst ihre Kunstarbeiten zur Verfügung stellen und welche wir gern immer wieder ausstellen, haben bisher natürlich kaum im Kunstunterricht gearbeitet, geschweige denn überhaupt Unterricht gehabt. Da verschiebt sich dann schon Einiges in unserem Programm“, sagt Johannes Georg und verweist auf die kommende Ausstellung ab dem 28. Juni: Bei der technischen Ausstellung „Radionostalgie“ präsentiert Helmuth Spenner aus Gehrden verschiedene Geräte aus seiner Sammlung mit 130 Radios. Das war eigentlich erst für September geplant und wurde nun kurzfristig nach vorn gezogen. Neben der Ausstellung „Radionostalgie“ sind derzeit auch verschiedene Skulpturen und Bilder von fünf Studenten aus Münster unter dem Motto „Augenzeugen“ zu sehen.

Drei Mal geöffnet

An diesem langen Fronleichnamswochenende öffnet das Museum in der Burg Dringenberg gleich drei Mal, denn neben den normalen Öffnungszeiten am Mittwoch und Samstag hat das Museum auch an Feiertagen sowie sonntags geöffnet. Mittwochs und samstags können Gäste die Museumsräume in Dringenberg von 14 bis 17 Uhr besuchen, sonntags sowie feiertags von 10 bis 12 und von 14 bis 17.30 Uhr.

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