Syrischer Flüchtling spricht im Gymnasium St. Kaspar über sein Leben
Emotionaler Vortrag beeindruckt

Bad Driburg-Neuenheerse (WB). Hamed Alhamed hat am Gymnasium St. Kaspar einen Vortrag über Syrien und seine Flucht gehalten. Das Schulprojekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ hatte ihn mit Unterstützung des Kommunalen Integrationszentrums des Kreises Höxter in die Schule eingeladen.

Mittwoch, 04.03.2020, 01:02 Uhr aktualisiert: 04.03.2020, 05:02 Uhr
Hamed Alhamed (3. von rechts) wird begrüßt von (von links) Jörg Lange, Jana Hiller, Rüdiger Gleisberg (zuständig für das Netzwerk „„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ beim Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Höxter), Corinna Lange und Sarah Schöning sowie Matthias Nadenau. Die Schülerinnen sind von der AG „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“. Foto: St. Kaspar

Man solle ihn als Person mögen oder nicht mögen, nicht als Flüchtling oder aufgrund seiner Religion, denn jeder Mensch habe das Recht, als er selbst wahrgenommen und beurteilt zu werden, appellierte Hamed Alhamed eindringlich am Ende seines emotionalen Vortrags. In den vorangegangenen 90 Minuten bewegte er 250 Schüler der älteren Jahrgangsstufen sowie deren Lehrer.

Schwestern und Eltern blieben zurück

Der 29-jährige Syrer stammt aus Deir ez-Zor. Mit seinem Bruder Ahmed gelang ihm 2015 die Flucht nach Deutschland, vier jüngere Schwestern und die Eltern mussten Beide zurücklassen. Mit seinen Vorträgen möchte er um Verständnis für die Situation von geflüchteten Syrern werben.

Diesen Wunsch unterstützt das Team des Projekts „Schule ohne Rassismus“. Lehrer Jörg Lange: „Hameds Wunsch, ihn genauso wie alle anderen Menschen als Individuum wahrzunehmen statt ihn einfach nur in irgendeine ‚Schublade‘ zu stecken, auf der ‚Flüchtling‘ oder sonst etwas steht, sollte eigentlich immer unser Anspruch sein – und erst recht, wenn wir als ‚Schule mit Courage‘ handeln.“

Schulleiter Matthias Nadenau wies darauf hin, wie wichtig es ist, dass die geflüchteten Menschen „für uns alle ein persönliches Gesicht haben und zu Wort kommen dürfen.“

Schüler und Lehrer nahmen den Vortrag zum Anlass, um Flucht und Integration innerhalb und außerhalb des Unterrichts weiter zu thematisieren – wohl wissend auch um einige Alltagserfahrungen, die eine Auseinandersetzung nötig machen.

Vortrag mit Videos und Bildern

Mit Videos, Bildern und einem lebendigen Vortrag in beeindruckend gutem Deutsch verdeutlicht Alhamed zunächst das syrische Leben vor dem Krieg; „Unser Leben war gut.“ Gegen die fehlende freie Meinungsäußerung und Demokratie jedoch seien sie auf die Straße gegangen. Keiner habe damit gerechnet, dass die Regierung das Militär auf friedliche Demonstranten hetze. Viele Menschen seien getötet und verletzt worden. Er zeigt Fotos und Videos der Angriffe und Zerstörungen, darunter mehrfach Bilder, auf denen er selbst in bombardierten Vierteln seiner Heimatstadt zu sehen ist.

Besonders emotional wird es, als er ein zehn Jahre altes Bild seiner Clique zeigt. Hier hätte sich jeder Jugendliche aus Deutschland, jeder Gast des Vortrags wiederfinden können – aber wohl nicht in der Geschichte dazu. Drei der abgebildeten jungen Männer wurden vom IS getötet, einer von einem Scharfschützen, und von dem fünften fehle seit neun Jahren jede Spur. „Das sind meine besten Freunde. Von den Leuten auf dem Bild bin ich der Einzige, der noch am Leben ist.“

Keine andere Wahl

Obwohl niemand freiwillig aus seiner Heimat fliehe, habe er keine andere Wahl gehabt. Es sei ihm letztlich ums blanke Überleben gegangen. 7000 Euro, die seine Familie aufbringen konnte, reichten nur für ihn und seinen Bruder. 2015 flohen die beiden über die Balkanroute nach Deutschland. Seitdem haben sie ihre Eltern und die vier jüngeren Schwestern nicht mehr gesehen. Der Kontakt bestehe nur noch über Mobiltelefon und Internet.

Alhamed hat in den vergangenen Jahren viel gelernt: die deutsche Sprache, kulturelle Besonderheiten. Zudem hat er Anfang Februar eine Ausbildung als Mediengestalter erfolgreich abgeschlossen. Nach Syrien zurückzukehren sei sein Wunsch, derzeit aber keine realistische Möglichkeit. Immerhin bedrohe das syrische Militär geflüchtete Syrer ganz konkret: „Wir werden Euch nie verzeihen“, so heißt es von Seiten der Streitkräfte.

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