Stefan Petry aus Bad Driburg bekommt OWL-Innovationspreis Ein Erfinder mit Leidenschaft

Bad Driburg (WB). Die Baubranche in Deutschland boomt. Alleine im Innenbereich von Gebäuden werden pro Jahr 90 Millionen Quadratmeter Wandflächen verputzt. Die gewünschte Putz-Qualität ist dabei mit hohen Kosten und Zeitaufwand verbunden, da mehrere Arbeitsschritte und Nacharbeiten erforderlich sind. Für das Bauhandwerk wird es dadurch immer schwieriger, den Kunden die gewünschte Qualität zu einem konkurrenzfähigen Preis anzubieten. Diese Situation wollte Stefan Petry aus Bad Driburg nicht weiter hinnehmen. Und so machte er sich auf Basis seiner 25-jährigen Erfahrung im Stuckateur- und Malerhandwerk daran, eigene Hilfsmittel zu entwickeln.

Von Frank Spiegel

Am Donnerstag, 9. Januar, wird der 43-Jährige dafür auf dem Bildungs-Campus in Herford mit dem OWL-Innovationspreis ausgezeichnet.

Lösung gefunden

Der Stuckateurmeister hatte sich zum Beispiel schon länger geärgert, dass die handelsüblichen Putzleisten, die zum Beispiel im Badezimmer genutzt werden, um Wände exakt verputzen zu können, diesen Nutzen zunächst zwar haben. „Aber entweder sieht man sie nachher in der verputzten Wand oder sie beginnen irgendwann zu rosten“, erläutert der Fachmann. Auch könnten sich später an den Stellen Risse bilden. Statt sich damit abzufinden, hat der Bad Driburger getüftelt und eine Lösung gefunden.

An dieser Fensterbank läuft kein Wasser mehr an der Fassade herunter, das vom Fenster verschmutzt wurde. Foto: Frank Spiegel

Seine Halter für handelsübliche Profile können im Gegensatz zum üblichen Verfahren ohne Mörtel angebracht und justiert werden. Die Profile können anschließend in der Wand bleiben, es wird lediglich eine zuvor aufgeklickte Kunststoffschiene abgezogen. Stefan Petry: „Beim Entfernen der Schiene entsteht eine wenige Millimeter breite Fuge, die leicht verschlossen werden kann.“ Hieraus resultiere ein weiteres Plus des Systems: Durch das Verschließen der Fuge seien die Profile mit Mörtel überdeckt und dadurch selbst in Bädern oder in Außenbereichen vor Feuchtigkeit geschützt. Die Gefahr einer Erosion werde auf diese Weise deutlich reduziert.

Tüftelleidenschaft

Heute würden oft verputzte Wände in der höchsten Qualitätsstufe verlangt. „Das lässt sich mit den üblichen Hilfsmitteln nicht machen – jedenfalls nicht in einem annehmbaren Zeitrahmen“, berichtet der Fachmann.

Mit den von Stefan Petry entwickelten Schienen lassen sich Fensterbänke bequem nach dem Verputzen einsetzen. Foto: Frank Spiegel

Ein anderes System, auch von Stefan Petry entwickelt, setzt auf verzinkte Abstandshalter, die in die Wand geschraubt werden und auf die Profile eingeklipst werden können. Da heute aber zumeist Hohlraumziegel verwendet würden, sei diese Variante wegen der dadurch notwendigen teuren Dübel nicht praktikabel.

Ein weiteres Ergebnis von Stefan Petrys Tüftelleidenschaft sind Putzabschlussprofile für Innen,- und Außenfensterbänke, mit denen Fensterbänke erst nach kompletter Fertigstellung der Fassade oder des Innenputzes eingebaut werden können. „So müssen die Fensterbänke nicht mehr aufwändig abgeklebt werden, damit verputzt werden kann. Sie bleiben sauber und können nach den Putzarbeiten eingesetzt werden“, erläutert der Stuckateurmeister seine Idee.

Keine Schmutzstreifen

Ein weiteres Patent hat er für eine Fensterbank angemeldet, die bei Fenstern in Flachdach-Häusern verhindern soll, dass sich nach mehreren Regengüssen mehr und mehr Schmutzstreifen unterhalb der Fensterbänke bilden. „Das ist gerade beim derzeit sehr gefragten Bauhaus-Stil ein großes Problem“, weiß Stefan Petry.

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Für seinen Erfindergeist und seine Hartnäckigkeit verleiht die Jury Stefan Petry einen Sonderpreis.

Rainer Müller

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Seinen Ideen sind bei der Jury des Innovationspreises OWL sehr gut angekommen. „Stefan Petry ist ein Erfinder und Tüftler, der mit Leidenschaft und Hartnäckigkeit praktische Lösungen für das Bauhandwerk entwickelt. Dabei hat er nicht nur viel Zeit, sondern auch eigenes Kapital investiert“, begründete Jurymitglied Rainer Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld, im Vorfeld der Preisverleihung die Entscheidung, den Bad Driburger auszuzeichnen. Die Jury sei überzeugt, dass Petrys Bauinnovationen das Verputzen von Wänden und die Verlegung von Fensterbänken revolutionieren und noch weitere Innovationen für das Bauhandwerk entwickeln werde. Müller: „Für seinen Erfindergeist und seine Hartnäckigkeit verleiht die Jury Stefan Petry einen Sonderpreis.“

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