Fest in der Flüchtlingsunterkunft mit unerwarteten Talenten Fröhliche Begegnung der Nationen

Bad Driburg (WB). „Ein Fremder ist ein Freund, dem wir noch nicht begegnet sind“ – ganz im Sinne dieses irischen Sprichwortes haben die Menschen in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) Bad Driburg ihr jährliches Begegnungsfest gefeiert. Es war ein fröhliches Miteinander, bei dem noch nicht einmal die durchaus vorhandenen Sprachbarrieren ein wirkliches Hindernis darstellten.

Von Jürgen Köster
Bewohner halten die Tanzvorführungen der Mädchen auf dem Handy fest. Fotos von ihnen dürfen nicht veröffentlicht werden.
Bewohner halten die Tanzvorführungen der Mädchen auf dem Handy fest. Fotos von ihnen dürfen nicht veröffentlicht werden. Foto: Jürgen Köster

Ordnungspartnerschaft

Geflüchtete aus der ganzen Welt verbrachten gemeinsam mit den Mitarbeitern des Hauses, Ehrenamtlichen und Vertretern der Netzwerkpartner der Einrichtung einen Nachmittag, der geprägt war von fröhlichem Miteinander, viel Musik und Tanz. „Wir geben Ihnen hier ein neues Zuhause, aber die Heimat können wir Ihnen leider nicht ersetzen“, sagte stellvertretender Bürgermeister Horst Verhoeven. Polizeidirektor Christian Brenski, Chef der Polizeibehörde in Höxter, lobte die gute Zusammenarbeit in der Ordnungspartnerschaft, die eingerichtet worden sei, „damit sich hier niemand Sorgen machen muss.“

Vier Dolmetscher

Vier Dolmetscher übersetzten die kurzen Statements, damit jeder teilhaben konnte, wie Markus Merk, Leiter der Einrichtung, erklärte. Das traf auch auf die Moderation des aus dem Irak stammenden Brakelers Hassan Habib zu, der – meist mit einem Augenzwinkern – gekonnt durch das Bühnenprogramm führte.

Hier zeigten junge Mädchen verschiedener Nationen einen Tanz, ein junger Musiker stellte seine Fähigkeiten am E-Piano unter Beweis. Ein Rap-Musiker riss das gesamte Publikum zum Klatschen hin – überhaupt war die Bereitschaft sich aktiv zu beteiligen sehr groß. Die Darbietung des Erstorientierungskurses endete mit dem Gesangsvortrag eines Teilnehmers. In diesem Kursus lernen die Bewohner, möglichst allein im Alltag zurecht zu kommen. Ziel ist es beispielsweise, allein einkaufen zu können oder auch einen Arztbesuch zu organisieren.

Zu den gefragten Ansprechpartnerinnen gehören dabei auch Alexandra Hansen als Ehrenamtsbeauftragte (Telefon: 05253/ 972 96 18; E-Mail: bd.ehrenamt@kolping-paderborn.de) und Esma Demir, die die Aufgabe der Umfeldmanagerin übernommen hat.

Runder Tisch

Diese hat unter anderem einen runden Tisch mit den Nachbarn des früheren Clemensheimes organisiert und ist Ansprechpartnerin bei eventuellen Beschwerden oder auch Anregungen – sowohl aus dem Umfeld der ZUE als auch von Seiten der Bewohner.

„Bisher hat es keine ernsthaften Beschwerden aus der Nachbarschaft gegeben“, berichtet Demir, die in Vechta Erziehungswissenschaften und Sozialwissenschaften studiert hat. Im Sommer seien zwei Anrufe bei ihr eingegangen. Dabei hätten Anwohner am frühen Abend die Lautstärke von Musik moniert. Zwei Mal in der Woche (dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 14 bis 16 Uhr) bietet die 24-Jährige Bürgersprechstunden an. Zu erreichen ist sie unter der Rufnummer 05253/9729618 oder per E-Mail an bd.umfeld@kolping-paderborn.de.

Demir ist ebenfalls Ansprechpartnerin für die Bewohner. „Sie kommen mit allen möglichen Anliegen zu mir“, erzählt sie. Sie pflegt aber auch die Kontakte zu den Geschäftsleuten in der Umgebung der ZUE. Darüber hinaus ist sie bemüht, das Netzwerk zu den Vereinen oder auch der Volkshochschule und weiteren Einrichtungen zu erweitern.

Kunstausstellung

„Bei unseren Bewohnern entdecken wir wie auch heute Begabungen, die man nicht vermutet hätte“, sagte Einrichtungsleiter Markus Merk nach Ende des Bühnenprogramms. Diesem schloss sich ein Kaffetrinken an. Zum weiteren Angebot zählten Kinderschminken und Taschen bemalen im Kindergarten, eine Kunstausstellung, eine Tombola sowie ein Geschenkestand. In der Sporthalle gab es ein Volleyball- und ein Fußballturnier. Sogar Sackhüpfen stand auf dem Programm.

Etwa 190 Menschen wohnen derzeit in der ZUE, wie Hartmut Mester von der Bezirksregierung Detmold berichtete. Sie kommen unter anderem aus Syrien, dem Iran, dem Irak, aus Afghanistan, der Türkei und verschiedenen afrikanischen Ländern.

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