Inklusiver EDV-Kursus erschließt zahlreiche Möglichkeiten
Spielerisch in die Computerwelt

Bad Driburg (WB). Mit Computern hatten Annegret Mesthan und Michel Knothe bisher nicht viel zu tun. Seit kurzem ist das anders. Möglich macht das eine Kooperation der Lebenhilfe Brakel mit der Volkshochschule.

Donnerstag, 03.10.2019, 05:00 Uhr
Ralf-Uwe Dietrich (Mitte) zeigt Annegret Mesthan und Michel Knothe den Umgang mit dem Computer. Der Dozent der VHS kommt dazu in den Treff der Lebenshilfe in Bad Driburg. Die Computer bringt der pensionierte Pädagoge mit. Foto: Frank Spiegel

Die hat den inzwischen zweiten inklusiven EDV-Kursus abgeschlossen. Annegret Mesthan und Michel Knothe, die beide in der Lebenshilfe-Wohnstätte in Bad Driburg leben, haben ihn mit Erfolg besucht. Der PC ist für sie nicht mehr länger ein Buch mit sieben Siegeln.

Ralf-Uwe Dietrich, ein pensionierter Lehrer, hat den beiden und auch alle anderen Teilnehmern den Weg in die Welt der Computer und Mobiltelefone erschlossen.

Kleine Gruppen

»Wir haben hier nur kleine Gruppen, das ermöglicht eine individuelle Förderung«, berichtet der Pädagoge im Vorruhestand, der seit vier Jahren für die VHS als EDV-Dozent tätig ist.

Er hat den Teilnehmern den Aufbau eines PCs erläutert, gezeigt, wie man ihn startet und wie man E-Mails nutzt. Aber auch auf ganz praktische Fragen wie zum Beispiel auf die, wie man ein Foto vom Smartphone in den PC überträgt, hatte Dietrich Antworten.

»Um überhaupt erst einmal mit dem PC vertraut zu werden, habe ich ein kleines Computerspiel, bei dem ein Snoopy über Gräben hüpfen muss«, erklärt er.

Einfache Worte schreiben

Und der Unterricht zeigt zum Teil erstaunliche Wirkungen. »Wir hatten Bewohner, die zum Teil nicht lesen und nicht schreiben konnten – und mit Hilfe des PC können sie nun einfache Worte schreiben«, erklärt Tina MacLeod von der Lebenshilfe. Auch die Fähigkeit, mit einem PC oder einem Smartphone umgehen zu können, ermögliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Ralf-Uwe Dietrich stellt sich dabei voll und ganz auf die Teilnehmer ein und bietet auch individuelle Lösungen an. »Einem Teilnehmer habe ich geraten, statt des Smartphones ein Tablet zu verwenden. Für ihn war der Bildschirm des Smartphones einfach zu klein«, erläutert er. Eine Teilnehmerin sei gemeinsam mit ihrem Vater in den Kursus gekommen. »Sie wusste schon bald teilweise mehr als ihr Vater«, berichtet der Leiter schmunzelnd.

Die Bandbreite der Beeinträchtigungen der Teilnehmer sei breit. »Und es haben nicht nur Menschen mit Behinderung mitgemacht«, ergänzt er. Tina MacLeod: »Eine Kollegin von uns war auch dabei und hat schließlich gesagt: ›Jetzt habe ich das endlich mal verstanden‹.«

Intelligente Technik

Der VHS-Kursus hat sich auch an diejenigen gerichtet, die im kommenden Jahr in das Appartementhaus der Lebenshilfe ziehen, in dem selbstständiges Wohnen ermöglicht wird. Die Wohnungen werden mit intelligenter Technik (Ambient Assisted Living) ausgestattet: Assistenzsysteme helfen den Bewohnern zum Beispiel beim Türöffnen, Telefonieren oder bei der Bedienung der Haustechnik. Einige von ihnen wurden in dem Kursus fit gemacht für diese Aufgaben.

Angeboten wird dieser im offenen, inklusiven Treff der Lebenshilfe für Menschen mit und ohne Behinderung in der Mühlenstraße 15 a in Bad Driburg. Wie VHS-Leiterin Janine Brigant-Loke berichtet, will die Volkshochschule auch in Zukunft derartige Kurse anbieten. Anmeldungen sind über die Lebenshilfe unter Telefon 0176/34612031 oder E-Mail treff.driburg@lebenshilfe-brakel.de möglich. Sie werden auch bei der VHS entgegengenommen.

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