Natur- und Umweltschutz am Bilster Berg – Pflanzen und Tiere vermehren sich
Leben gedeiht neben der Rennstrecke

Bad Driburg (WB/fsp). Mit einer Test- und Präsentationsstrecke verbindet man normalerweise Autos, vielleicht auch Veranstaltungen aller Art, eventuell Film-Crews und VIPs. Aber Natur und Umweltschutz? Am Bilster Berg ist dies seit der Eröffnung vor knapp sechs Jahren kein Widerspruch.

Dienstag, 04.06.2019, 20:45 Uhr aktualisiert: 04.06.2019, 21:00 Uhr
Auch Füchse leben auf dem Areal des Bilster Berg. Michael Retzmann ist seit der ersten Stunde Umweltbeauftragter am Bilster Berg. Er beobachtet das Leben der Tiere und Pflanzen genau. Dazu gehört auch eine jährliche Bestandsaufnahme. Foto: Bilster Berg

»Schon bei der Planung und beim Bau der 4,2 Kilometer langen Rundstrecke wurde sehr darauf geachtet, den Eingriff in die Natur so gering wie möglich zu halten«, berichtet Bilster Berg-Umweltbeauftragter Michael Retzmann. So seien dort lebende Tiere umgesiedelt, Tierhabitate neu aufgebaut, die umliegenden Wälder weiter aufgeforstet und Grünanlagen neu angelegt worden. All dies zeige heute Erfolg.

Gesetzliche Verpflichtung

Neben den freiwilligen Maßnahmen war das Bilster Berg Drive-Resort gesetzlich verpflichtet, Ausgleichs- und Ersatzflächen für die durch den Bau versiegelten Areale zu schaffen.

Retzmann: »Die Tier- und Pflanzenwelt am Bilster Berg hat sich trotz regen Betriebs auf der Strecke ausgedehnt.« So konnten bei der letzten Zählung 82 Vogelarten nachgewiesen werden, 60 davon haben auf dem Bilster Berg ihr Revier. Von den 82 Arten sind 31 streng geschützt und gelten bundes- oder landesweit als gefährdet

bis stark gefährdet. Es gibt elf Fledermausarten, wovon zum Beispiel die Bechsteinfledermaus auf der Roten Liste steht. Auch die Geburtshelferkröte oder der Laubfrosch, die beide als stark gefährdet gelten, haben auf dem Gelände einen passenden Lebensraum gefunden.

Michael Retzmann ist seit der ersten Stunde Umweltbeauftragter am Bilster Berg. Über seine Arbeit sagt er: »Ich habe wirklich einen spannenden und abwechslungsreichen Job. Zusammen mit neun Mitarbeitern sorge ich dafür, dass es den Tieren und Pflanzen am Bilster Berg gut geht und dass die Vorgaben des Umweltmanagementsystems ISO 14001 eingehalten werden.« Jedes Jahr würden alle Tierarten gezählt. »Wir haben dabei festgestellt, dass die Tiere sich bei uns sehr wohl fühlen, denn alle haben sich vermehrt«, weiß er.

Neuer Lebensraum

Auch bereits fast ausgestorbene Tierarten, wie zum Beispiel der Kammmolch, seien in einem extra angelegten Teich neu angesiedelt worden. Zudem gebe es eine Orchideenwiese, die sich sehr gut entwickele. »Ohne den Bau des Bilster Berges wäre diese Fläche verloren gegangen und die dort heimischen Pflanzen durch Gräser und Büsche verdrängt worden«, ist der Umweltbeauftragte Michael Retzmann überzeugt.

Doch wie bringt man die Wirtschaftlichkeit einer Test- und Präsentationsstrecke mit der Umwelt in Einklang? Für Hans-Jürgen von Glasenapp, den Geschäftsführer des Bilster Berg , ist dies kein Widerspruch. Er erklärt: »Die Ökologie war von Anfang an ein wichtiger Bestandteil unseres Projekts und wir wollten trotz des Eingriffs in die

Tier- und Pflanzenwelt am Bilster Berg

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  • Tier- und Pflanzenwelt am Bilster Berg
Foto: Bilster Berg
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Natur, den der Umbau des Bilster Berg natürlich schon dargestellt hat, diesen soweit wie möglich kompensieren. Es ist uns wichtig, im Einklang mit der Natur zu arbeiten. Deshalb haben wir uns zum Beispiel für die Installation eines Umweltmanagementsystems entschieden – als einzige Strecke in Europa.« Ein unabhängiger Umwelt-Auditor überprüfe dazu regelmäßig, dass am Bilster Berg alle gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien befolgt werden.

Seltene Arten

Außer seltenen Vogelarten, Amphibien und Fledermäusen findet man auf dem Bilster Berg übrigens auch »normale« tierische Mitbewohner, wie zum Beispiel eine Herde von 20 Galloway-Rindern oder die kleine Fuchsfamilie, die beide vor kurzem Nachwuchs bekommen haben. »Nicht zu vergessen die Bienenvölker, die ziemlich guten ›Rennhonig‹ machen«, verrät Michael Retzmann.

Dass sich kommerzielle Nutzung und Lebensraum für Tiere nicht ausschließen müssen, bestätigt auch Sven Mindermann, Geschäftsführer der Landschaftsstation im Kreis Höxter. »In der Bahntrasse zwischen Höxter und Godelheim sind zum Beispiel Kammmolche heimisch – obwohl die an sich eher stillgelegte Trassen bevorzugen«, nennt er ein Beispiel.

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