Statt am Steinhuder Meer landen zwölf Hessen in einem Bad Driburger Gasthof
Polizei beendet Kaffeefahrt

Bad Driburg (WB/thö). Polizei und Ordnungsamt haben am vergangenen Sonntag in einem Bad Driburger Gasthof eine so genannte Kaffeefahrt beendet. Derzeit prüfen die Beamten, ob gegen den Wirt, den Moderator und den Veranstalter aus Cloppenburg wegen Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten Ermittlungsverfahren eingeleitet werden müssen. Die zwölf Teilnehmer der Fahrt aus Hessen waren eigentlich davon ausgegangen, ans Steinhuder Meer zu reisen.

Samstag, 04.05.2019, 17:06 Uhr aktualisiert: 05.05.2019, 14:12 Uhr
Vorsicht bei Einladungen mit Geschenken: Wer eine Kaffeefahrt anbietet, hat nichts zu verschenken, sondern will im schlimmsten Fall die Teilnehmer abzocken. Foto: Jürgen Köster/Symbolbild

Decke mit Silberfäden für 600 Euro

Stattdessen wurden sie in zwei Kleinbussen, etwa 160 Kilometer vom angegebenen Zielort entfernt, nach Bad Driburg gebracht, in einen, wie die Polizei im Lahn-Dill-Kreis mitteilt, »in die Jahre gekommenen Gasthof«. Dort begann eine Verkaufsveranstaltung, bei der den größtenteils älteren Teilnehmern unter anderem Decken mit eingewebten Silberfäden für 600 Euro pro Stück angeboten wurden. »Die sollten angeblich gegen Thrombose und offene Körperstellen helfen«, berichtet der Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen, Guido Rehr. Darüber hinaus wurden Augentropfen für 200 Euro sowie verschiedene Reisen angeboten. Anstelle einer in Aussicht gestellten hochwertigen Kaffeemaschine, lag Billigparfum für die Teilnehmer bereit. »Allerdings spendierte der Veranstalter ein kostenloses Mittagessen«, berichtete Rehr. Zum Ende der Veranstaltung griffen die mittlerweile alarmierten Kollegen und Mitarbeiter des Ordnungsamtes in Bad Driburg ein und beendeten die Kaffeefahrt.

Tippgeber reist mit

Das war möglich, weil der Tippgeber der Behörden selbst unter den Teilnehmern war. Der Mann hatte am Donnerstagabend im Hessischen Rundfunk eine Fernsehsendung gesehen, in der die Polizei vor den betrügerischen Maschen von Kaffefahrtenorganisatoren warnte. Der aufmerksame Zuschauer hatte von der Cloppenburger Firma eine »Einladung« erhalten und erkannte Parallelen zu den Kaffeefahrten, vor denen im Fernsehen gewarnt wurde. Er informierte die Polizei in seinem Heimatkreis Lahn-Dill. Zum Schein nahmen der Mann und seine Ehefrau trotzdem an der Fahrt teil und hielten telefonisch Kontakt zu den Ermittlern in Hessen, die dann die Polizei im Kreis Höxter informierten.

Busfahrer ohne Erlaubnis zur Personenbeförderung

Deren Überprüfungen ergaben, dass keine gewerbliche Anmeldung für die Veranstaltung vorlag und die Fahrer der beiden Kleinbusse keinen Personenbeförderungsschein besaßen, der für den gewerblichen Gebrauch der Fahrzeuge notwendig gewesen wäre. Die Ermittler stellten in dem Gasthof die Beschreibungen der angebotenen Waren sicher. Die Rückfahrt der zwölf Hessen musste auf Kosten des Veranstalters mit Taxis organisiert werden.

Kaffeefahrt mit typischen Muster

Polizeikommissar Karsten Lenz, beim Polizeipräsidium Mittelhessen Experte für gewerblichen Betrug und Kaffeefahrten, erkennt in dem Bad Driburger Fall ein typisches Kaffeefahrtenmuster: » Die Teilnehmer werden mit falschen Versprechen in Bezug auf ›Geschenke‹ und das Ziel angelockt und zu abgelegenen Gasthöfen transportiert, wo ihnen zu völlig überteuerten Preisen Billigware angeboten wird.«

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