Stadtrestaurant »Zur Linde« schließt zum 28. April – Wirt feiert Jubiläum
Tradition endet mit zünftigem Fest

Bad Driburg (WB). Das bekannte Stadtrestaurant »Zur Linde« schließt zum 28. April dieses Jahres seine Pforten. Zur Abschiedsfeier am 1. Mai wird ab 16 Uhr aber noch mal zünftig gefeiert. Dabei kann Heinz Heinemann dann auch auf 50-jährige Tätigkeit als Gastronom anstoßen.

Dienstag, 02.04.2019, 04:00 Uhr
Das Ehepaar Renate und »Hein« Heinemann (Mitte) mit Stammgästen (von links) Petra Ischen, Herbert Schopp, Antje Rebbe und Maria Nolte-Meyer. Am Sonntag, 28. April, schließt das beliebte Traditionslokal in der Badestadt. Foto: Winfried Vogt

Dann lässt das beliebte Wirte­ehepaar Heinz und Renate Heinemann die Tür für immer ins Schloss fallen und sagt gleichzeitig der Gastronomie Lebewohl.

»Das ist ein Stich ins gastronomische Herz von Bad Driburg«, bedauert nicht nur ein Kurgast aus dem Ruhrgebiet das Ende des beliebten Bad Driburger Lokals. Man merkt Renate (62) und ihrem Ehemann Heinz, genannt »Hein«, im Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte schon ihre betrüblichen und melancholischen Gedanken an.

Kinderzimmer existiert noch

Sie leben derzeit noch in dem Wohnteil der Gaststätte in der Langen Straße 28. »Es existiert sogar noch mein Kinderzimmer«, weiß Heinz Heinemann lächelnd zu berichten. Das Gebäude ist verkauft und wird zu Wohnungen umgebaut. Ihr neues Domizil wird künftig ein gekauftes Haus in der Elbinger Straße sein.

»In gewisser Hinsicht bin ich froh, dass es an alter Stelle keine Gastronomie mehr gibt«, sagt Heinz Heinemann, »denn das würde ich irgendwie nur schwer verkraften.«

Bedrückt sind auch die Bad Driburger Karnevalisten, die jetzt auf der Suche nach einer neuen »Herberge«, der Prinzenburg, sind. Mit reichlich Wehmut feierte Rot-Weiß in diesem Jahr zum letzten Male in der Prinzenhochburg den Rosenmontag. Andächtige Stille und reichlich Sentimentalität machten sich bereit, als Jochen Blum sich für die fabelhafte mehrjährige Zeit in »der Linde« bedankte.

Heinemann, früherer Senator der Garde, erfreute auch am Abschiedstag die Narrenschar mit Späßen und lockeren Sprüchen. Aus Dankbarkeit und als ein Zeichen der Verbundenheit bekamen die beiden »geborenen Wirtsleute«, wie Jochen Blum das Ehepaar Heinemann bezeichnete, etwas Besonders überreicht. Von nun an haben Renate und Hein Heinemann Zeit ihres Lebens zu allen Veranstaltungen der Rot-Weißen Garde freien Eintritt.

Familiäre Atmosphäre

Von dieser herzlichen Geste waren beide sehr bewegt. »Ob Stammgast oder spontaner Besucher – man wird immer freundlich und zuvorkommend bedient«, schätzt nicht nur der Bad Driburger Herbert Schopp (61) neben der schmackhaften Beköstigung auch die Herzlichkeit der Wirtsleute.

»Familiäre Atmosphäre, gutes Preisleistungsverhältnis sowie ein Restaurant, als Beispiel für »ein Muss für deutsche Küche« – ein Glücksfall für die Stadt«, hörte man stets in Bad Driburg. »Hein« Heinemann wird auch häufig »Pilzter« genannt. »Diesen Beinamen kann ich mir aber nicht erklären«, sagt er, vermutet aber, dass der mit seinem Urgroßvater zusammen hängen könnte.

In Neuenheerse bei Josef Sievers hat Heinemann das Fleischermeisterhandwerk erlernt. Die Krankheit seiner Eltern hatte zur Folge, dass er ins »kalte Wasser« geworfen wurde. Heinemann musste fortan schon in jungen Jahren volle Verantwortung in der Gastronomie übernehmen. »Und das hat mir so mancher nicht zugetraut«, sagt der heute 72-Jährige- Aber mit Ausdauer und seinem äußerst kommunikativen Wesen habe er sich letztendlich »durchgebissen«.

Als erster Bad Driburger Wirt habe er 1982 die Außengastronomie in der Kurstadt eingeführt. Auch habe er in der damaligen Wirtevereinigung so einiges auf den Weg gebracht und war im Vorstand aktiv.

Mitbegründer

Heinemann gilt auch als Mitbegründer der Veranstaltung »Bad Driburg a la carte«. Ab 1998 wurden »in der Linde«, wie die Gaststätte üblicherweise heißt, verstärkt Speisen angeboten.

»Vom Sehen her kannten wir uns«, erinnert sich Renate Heinemann an die ersten Blickkontakte in diesen Jahren. Als Zahnarzthelferin habe sie sich in der Gastronomie etwas dazu verdient. Sie hat auch die Mühlenschänke von 1994 bis 1998 geführt. »Auf Rosenmontag 1996 begegneten wir uns. Ich habe ihn einfach untergehakt und wir beide sind gemeinsam zur Tenne gegangen«, denkt die Ehefrau noch gerne an die ersten Kontakte zurück.

Enkelkinder freuen sich

Gesundheitliche Gründe zwingen nun beide aufzuhören und kürzer zu treten. Ihre Kinder und vor allem Enkelkinder dürfen sich nun auf mehr Zeit mit Oma und Opa freuen. Die Großfamilie steht ohnehin bei den beiden hoch im Kurs.

»Die letzte Zeit sind wir in unserem Tun und Handeln besonders von unseren Gästen getragen worden«, sagt das Ehepaar Heinemann. »Für eine tolle Zeit möchten wir uns bei allen Gästen und unserem Team bedanken. Die jetzt freie Zeit wollen wir erst mal in Ruhe auf uns zukommen lassen und dann schauen wir mal.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6512316?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851031%2F
Flughafen Paderborn-Lippstadt steht vor der Insolvenz
Der Flughafen Paderborn-Lippstadt in Büren-Ahden im Kreis Paderborn. Foto: Jörn Hannemann
Nachrichten-Ticker