Bad Driburg ist auch in den kommenden zwei Jahren Fair-Trade-Stadt »Müssen unser Kaufverhalten ändern«

Bad Driburg(WB). »Früher gab es in den Schulen Nähunterricht. Heute lassen wir lieber nähen«: Diese Bemerkung hat sich ein Gast nach dem Filmvortrag nicht verkneifen können. Der Film »The True Cost« – Die wahren Kosten« – war Mittelpunkt einer Feier, mit der die erneute Verleihung der Fairtrade-Auszeichnung im Kino neben dem Bad Driburger Rathaus begangen wurde.

Eingeladen hatte die Fair-Trade-Steuerungsgruppe zu Sekt, Saft und Knabbereien und zum gemeinsamen Schauen des Films sowie zur anschließenden Diskussion. Eine nagelneue Fairtrade-Flagge vor dem Bad Driburger Rathaus beweist das Engagement der Kommune und den festen Willen, dieses weiter auszubauen. Um zwei Jahre verlängert sich das Recht, den Titel »Fair-Trade-Stadt« zu tragen (wir berichteten).

Freude über Auszeichnung

Die drei Hauptakteure der Steuerungsgruppe – Bernd Blome, Gerd Borchmeier und Bernhard Kornek – freuten sich mit den Gästen über die Auszeichnung. Sie hatten die Feier bewusst in das »gemütliche Familienkino« statt ins Rathaus verlegt.

Bernd Blome bedankte sich in seinen Begrüßungsworten für die Unterstützung der Verwaltung, vertreten durch den Leiter des Wirtschaftsförderungsamtes, Dr. Heinz-Jörg Wiegand. Bernd Blome betonte den Wunsch der Fair-Trade-Aktiven, die Arbeit zielstrebig fortzusetzen und weitere Unterstützer zu finden.

Der Inhalt des Filmes führte den Besuchern noch einmal deutlich vor Augen, welche Auswirkungen der Konkurrenzkampf der in den USA und Europa ansässigen Modekonzerne für die Menschen in Asien hat, die die Kleidungsstücke immer billiger produzieren müssen. Sie stehen am Ende der sogenannten Wertschöpfungskette und müssen ihre Gesundheit und die ihrer Kinder dem Fastfashion-Konsum der bessergestellten Bevölkerung des Westens opfern.

Auch die Bilder von der Umweltzerstörung in Bangladesch oder im indischen Panjab haben viele erschrocken.

Erschreckende Bilder

Der Film zeigte aber auch Alternativen auf: die Faire-Bezahlung der Arbeiter, die umweltschonende Produktion von Rohstoffen, wie sie von Organisationen wie Eco-Age in London vorangetrieben wird, die mit fair erzeugter Kleidung handeln, die nicht nur schick ist, sondern auch ökologisch einwandfrei. Solche Textilien kann man – mit gutem Willen – auch in der Region bei einigen Fachgeschäften beziehen.

In den lebhaften Gesprächen nach der Filmvorführung ging es im Wesentlichen um die Frage, wie unsere Gesellschaft mit dem »Konsumismus« umgeht, wie die Käufer ihr Verhalten – zu jeder Party oft ein neues Billig-Shirt anziehen – ändern und die Lebensbedingungen der Textilarbeiter, vor allem der Frauen und Kinder, verbessern können.

Die einhellige Meinung der Teilnehmer war: »Ohne unser Kaufverhalten grundsätzlich in Frage zu stellen geht es nicht.« Dafür wollen die Bad Driburger Fair-Trade-Aktivisten auch weiterhin werben.

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