AWO Kreisverband Höxter feiert 25-Jähriges Jubiläum Helfen, wo Hilfe gebraucht wird

Bad Driburg (WB). »Die Leute fragten: ›AWO? Was ist das?‹«, erzählt Theresia Engel. Gemeinsam mit Ehemaligen und Aktiven erinnert sich die einstige Vorsitzende gerne an die Anfänge des Höxteraner Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt. Heute – 25 Jahre später – zählt der Verein zu den wichtigsten sozialen Einrichtungen überhaupt.

Von Timo Gemmeke
Der AWO-Kreisverband feiert 25. Geburtstag (von links): Aljona Gottfried (Vorstand), Klaus-Otto Ebeling (Präsidium), Wolfgang Kuckuk (Vorstandsvorsitzender),Theresia Engel (ehemalige Vorsitzende), Marion Schlüter (Präsidium), Dorit Flore (Präsidium), Paul Arens (Präsidiumsvorsitzender), Gisbert Bläsing (Präsidium). Der Verband zählt kreisweit etwa 400 Mitglieder.
Der AWO-Kreisverband feiert 25. Geburtstag (von links): Aljona Gottfried (Vorstand), Klaus-Otto Ebeling (Präsidium), Wolfgang Kuckuk (Vorstandsvorsitzender),Theresia Engel (ehemalige Vorsitzende), Marion Schlüter (Präsidium), Dorit Flore (Präsidium), Paul Arens (Präsidiumsvorsitzender), Gisbert Bläsing (Präsidium). Der Verband zählt kreisweit etwa 400 Mitglieder. Foto: Timo Gemmeke

Etwa 400 Mitglieder, davon 235 Mitarbeiter, ein umfangreiches Angebot von der Mutter-Kind-Kur bis zur Seniorenberatung: Die AWO im Kreis Höxter hat sich in den vergangenen 25 Jahren konstant zu dem entwickelt, was sie seit Beginn der Aktivitäten in den 1950ern sein wollte: Ein Verein, der hilft, wo Hilfe gebraucht wird. Als Unternehmen, als Mitgliederverband und als politischer Akteur. Zum Vereinsjubiläum blicken Ehemalige und Aktive auf eine bewegte Zeit zurück, zwischen staatlicher Restriktion, menschlichen Problemen und sozialen Werten.

»Wollten keine Hausfrauen für 1,50 Euro pro Stunde einstellen«

»Ich wollte an meiner Schule eine Ganztagsbetreuung einrichten. Das war damals kaum möglich«, erzählt Gisbert Bläsing, bis zuletzt Leiter der ehemaligen Grundschule Herstelle. Das Problem: Ein derartiges Angebot war in den 90ern den großen Schulen in Höxter, Brakel oder Bad Driburg vorbehalten. Bläsing, damals ziemlich ratlos, wollte keine »Hausfrauen für 1,50 Euro pro Stunde einstellen«.

Ein Anruf bei der AWO rettet sein Vorhaben. »Von einem auf den anderen Tag wurde ein Betreuungsangebot eingerichtet, das bis zum Ende der Grundschule funktioniert hat«, erzählt Bläsing, heute Mitglied im Vereinspräsidium, weiter. »Die AWO war immer ein guter und professioneller Partner.«

Heute ist die AWO an 23 Schulen im Kreis Höxter tätig, das Gros der Mitarbeiter arbeitet dort. »Der Betreuungsbereich an Schulen hat sich insgesamt am stärksten entwickelt«, bilanziert Wolfgang Kuckuk, aktueller Vereinsvorsitzender des Kreisverbandes. Derartige Erfolgssträhnen wurden nicht selten verhindert – anfangs vom Gesetz, später von der Konkurrenz und heute vom Arbeitsmarkt.

Strukturiertes System dank Pflegeversicherung

So fehlte dem Kreisverband bis zum Jahr 1995 die rechtliche Grundlage zum Aufbau des ambulanten Pflegedienstes; finanzielle Unterstützung blieb damit auch aus. Erst mit Einführung der Pflegeversicherung gelang es, ein strukturiertes System aufzubauen, welches für beide Seiten profitabel ist: für Helfer und für Hilfsbedürftige. Ohne die Änderung und Neueinführung vieler Gesetze, wäre die Arbeit der AWO wie sie heute besteht, nicht möglich. »Soziale Arbeit ist immer politisch«, sagt Kuckuk.

Anders als bei der Pflege, wurde der Bereich der Beratung anfangs nicht von politischen Entscheidungen behindert. »Als wir Ende der Neunziger die Schwangerschaftsberatung starteten, ging es uns um die Eigenverantwortlichkeit der Frau«, berichtet Beate Knievel-Boraucke, die seit dem Umzug der Geschäftsstelle von Höxter nach Bad Driburg bei den AWO-Beratungsstellen tätig ist. Einrichtungen mit konfessionellen Träger stellten sich damals gegen den aus ihrer Sicht »falschen Tabubruch«; Leserbriefe und erboste Zeitungsartikel sprachen noch Jahre später deren Unmut aus.

Einsetzen für »die fünf B’s«

»Uns war nicht nur das Angebot einer derartigen Beratung wichtig. Wir wollten auch denen eine Anlaufstelle bieten, die nicht mit den Vorstellungen einer kirchlichen Einrichtung konform gingen«, so Knievel-Boraucke weiter. Dabei auch problematisch: Eine nicht-christliche Religion oder eine Scheidung machten selbst eine Mitarbeit bei Verbänden wie der Caritas unmöglich. »Wir unterstützen jeden, egal welcher Religion er angehört«, fasst es Paul Arens, derzeitiger Präsidiumsvorsitzender, zusammen.

Einer »Herausforderung« steht die AWO heute allerdings machtlos gegenüber: dem Fachkräftemangel. Bedarf an gut ausgebildetem Personal bestehe durchgehend, so Arens. Als alleiniges Problem des ländlichen Raumes sehen es die Vertreter des Höxteraner Kreisverbandes jedoch nicht: »Das sieht bei unseren Kollegen in Paderborn und Bielefeld nicht anders aus.« Was früher noch hauptsächlich durch ehrenamtliche Mitarbeit geschah, könne heute nicht mehr darüber gestemmt werden – umso schwieriger, wenn in Anbetracht der Konkurrenz qualitativ hochwertige Leistung erbracht werden muss.

Was sich der AWO-Kreisverband für die kommenden 25 Jahre wünscht? »Egal welche Herausforderung ansteht, wir wollen uns weiter für die fünf B’s einsetzen: Beratung, Betreuung, Begegnung, Bildung und Begleitung.«

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