Bad Driburg: CDU-Spitzenpolitiker Wolfgang Bosbach erwartet bei Bundestagswahl Kopf-an-Kopf-Rennen »Nicht übermütig werden«

Bad Driburg (WB). Auf einen flotten Ritt über viele politische Felder hat Wolfgang Bosbach am Mittwochabend etwa 160 Zuhörer mitgenommen. Sie waren auf Einladung der Jungen Union Bad Driburg in die Brunnenarkaden gekommen, um den streitbaren CDU-Politiker live zu erleben.

Von Jürgen Köster
Bundestagsabgeordneter Christian Haase (von links), Landtagsabgeordneter Matthias Goeken, JU-Stadtverbandsvorsitzender Leonard Rexhepi und CDU-Stadtverbandschef Dieter Legge nehmen Gastredner Wolfgang Bosbach in die Mitte.
Bundestagsabgeordneter Christian Haase (von links), Landtagsabgeordneter Matthias Goeken, JU-Stadtverbandsvorsitzender Leonard Rexhepi und CDU-Stadtverbandschef Dieter Legge nehmen Gastredner Wolfgang Bosbach in die Mitte. Foto: Jürgen Köster

Er sei zum dritten Mal in den »heiligen Hallen« in Bad Driburg, erzählte Bosbach. Durch seine 6000 Einladungen pro Jahr, von denen er 400 annehme und unzähligen Besuche bei seinen Parteikollegen komme er viel herum, »aber es ist keine Location dabei, die auch nur annähernd so schön ist wie diese hier.« Dem für dieses Kompliment folgenden kräftigen Applaus des Publikums sollten an diesem Abend noch zahlreiche weitere folgen – sei es für stichhaltige politische Statements oder humorvolle Anmerkungen des beliebten Christdemokraten.

Nur an wenige Zeiten erinnern könne er sich, in denen das Interesse an Politik so groß gewesen sei wie heute. Alle Veranstaltungen, bei denen er in der letzten Zeit gewesen sei, seien ebenso gut besucht wie die in Bad Driburg, obwohl viel von Politikverdrossenheit gesprochen werde. Das sei zudem bemerkenswert in einer Zeit, »in der uns alle Staaten um uns herum um das beneiden, was wir haben. Meine Kinder kennen nichts anderes als Frieden und Freiheit.« Bosbach bedauerte allerdings, dass einem solch hohen Maß an politischem Interesse eine geringe Bereitschaft gegenüberstehe, in eine Partei zu gehen und sich dort zu engagieren. »Nie ist der Graben zwischen Wählern und Gewählten so groß gewesen wie heute«, urteilte der 65-Jährige.

»Wir werben um Vertrauen, aber wir können es eben nicht allen Recht machen«, beschrieb er das Dilemma der Bundestagsabgeordneten. Von allergrößter Bedeutung sei in der Politik die Übereinstimmung von Wort und Tat. »Es darf auf keinen Fall passieren, das jemand sagt ›Er hat uns getäuscht‹ oder ›Wir haben uns in ihm getäuscht‹«, betonte Bosbach, der auch noch einmal seine zur Bundesregierung konträre Position zur Griechenlandpolitik darstellte. Deretwegen hatte er 2015 sein Amt als Vorsitzender des Bundestagsinnenausschusses niedergelegt. »Handlung und Haftung gehören für mich zusammen. Wenn dieses Prinzip einmal aufgegeben wird, dann werden Länder Risiken eingehen, die sie sonst niemals eingehen würden.« Er habe auch aus diesem Grund nur dem ersten Hilfspaket für Griechenland zugestimmt. Den weiteren nicht mehr. Dabei habe er nichts gegen Griechenland. »Ich kenne nicht einmal einen Griechen, gegen den ich etwas haben könnte.«

Bosbach blickte nicht nur zurück, sondern lenkte den Blick natürlich auch auf die bevorstehenden Bundestagswahlen im September. Er erwarte ein enges Kopf -an-Kopf-Rennen, weil zum ersten Mal seit Jahrzehnten sieben Parteien die realistische Chance hätten in den Bundestag einzuziehen. Die CDU warnte er angesichts der jüngsten Wahlerfolge im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen davor über oder gar hochmütig zu werden.

Die CDU müsse alles daran setzen unterscheidbar von anderen Parteien zu sein und nicht deren Variante. Bei der Suche nach neuen Wählergruppen müsse sie aufpassen, nicht die Mitte der Bevölkerung zu verlieren.

Klar machen müssten die Christdemokraten im Wahlkampf auch, dass ihre Partei es gewesen sei, die die allerwichtigsten Schlüsselentscheidungen für Deutschland getroffen habe. Bosbach erinnerte unter anderem an die Einführung der Sozialen Marktwirtschaft, an die Gründung der Bundeswehr oder an das Festhalten an der Deutschen Einheit. »Und wenn heute jemand fragt, wo sind denn die versprochenen blühenden Landschaften, dann kaufen Sie demjenigen mal eine Fahrkarte in den Osten, nach Dresden oder Erfurt.«

Themenfelder wie die Flüchtlings-, Bildungs- oder Europapolitik oder der Brexit waren weitere Schwerpunkte in den Ausführungen Bosbachs, der anschließend ebenso eloquent und kompetent die ganz unterschiedlichen Fragen der Zuhörer beantwortete.

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