Begehbare Skulptur »Kopf und Körper« eröffnet – Kunstobjekt bereichert Park Schauriges schwebt über dem Irrgarten

Bad Driburg (WB). Für Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff ist ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen, und ein anonymer Unterstützer hat ganz überraschend erheblich dabei geholfen, ihn zu verwirklichen. Die Skulptur »Kopf und Körper« von Michael Sailstorfer ist neuer Mittelpunkt des Irrgartens im Gräflichen Park.

Von Jürgen Köster
Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff dankt dem Künstler Michael Sailstorfer, begleitet von seiner Freundin Marina Wolf, dass er die Skulptur entworfen hat. Sie bereichere den Gräflichen Park, aber auch die gesamte Region.
Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff dankt dem Künstler Michael Sailstorfer, begleitet von seiner Freundin Marina Wolf, dass er die Skulptur entworfen hat. Sie bereichere den Gräflichen Park, aber auch die gesamte Region. Foto: Jürgen Köster

»Ich war absolut überrascht, als ich davon erfahren habe, dass sich jemand anonym im Hotel gemeldet hat, er wolle den städtischen Anteil für das Kunstprojekt übernehmen. Damit ist das Vorhaben komplett ohne öffentliche Mittel finanziert«, freute sich die Gräfin bei der Eröffnung. Nicht nur die großzügige Geste des Mannes im Hintergrund, sondern die Unterstützung von vielen Seiten hatte die Vorsitzende der Diotima-Gesellschaft sichtlich berührt, wie bei ihrer Begrüßungsrede offenbar wurde.

Zweimal seien Anträge auf regionale Kulturförderung abgelehnt worden. Demgegenüber habe sich der Bad Driburger Stadtrat der Angelegenheit gegenüber stets offen gezeigt. Schließlich jedoch sei der anonyme Anruf eingegangen.

Gräfin von Oeynhausen dankte nicht nur dem Künstler Michael Sailstorfer, der in Berlin die Initialzündung für das Projekt in Bad Driburg ausgelöst hatte, sondern auch Roland Nachtigäller, der sie von Anfang an unterstützt habe. Der künstlerische Leiter des Museums MARTa Herford stellte den Gästen der Eröffnungsfeier die begehbare Skulptur vor.

Verstellte Aussichten

Wer den Künstler Michael Sailstorfer kenne, wisse, dass bei ihm »die Verhältnisse leicht ins Rutschen geraten.« Wer sich der Skulptur in der Dämmerung nähere, der entdecke etwas Schauriges. Zudem erleichtere der Irrgarten den Zugang zu dem Kunstobjekt nicht gerade. Die Leiter, die in die Höhe führe, sei »nicht ganz ungefährlich«. Viele Ausblicke, die man von dem Hochsitz erwarte, seien verstellt – und zwar mit voller Absicht.

Die Skulptur hat für Nachtigäller zugleich etwas Anziehendes und Abstoßendes. »Wer genau hinsieht, entdeckt einzelne Elemente wie Auge oder Mund, vielleicht auch Haare. Es bleibt aber alles im Ungefähren«, sagte Nachtigäller.

Blick auf Pool

Dass vorgegeben werde, wohin man von der Skulptur aus schauen könne und wohin nicht, bestätigte Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff. So lenkt ein knapp gefasster Ausschnitt im Holz das Auge des Betrachters hinüber zum Pool des Hotels. »So blickt womöglich eine Ente im Anflug«, meinte die Vorsitzende der Diotima-Gesellschaft nicht ohne humorvolles Lächeln.

Bis kurz vor der Eröffnung war sie jedoch noch eher ernst gewesen, schließlich wurden die Arbeiten gerade 20 Minuten vor der Begrüßung abgeschlossen. Nun hofft die Gräfin, dass viele Kunstinteressierte, die die »documenta« in Kassel und die Skulptur-Projekte in Münster besuchen, auch in Bad Driburg Station machen. »Kopf und Körper« liegt auf deren Weg.

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