Hochschulteams testen ihre Rennwagen auf dem Bilster Berg Wenn Studenten richtig Gas geben

Bad Driburg (WB). Wer jetzt am Rand der Rennstrecke Bilster Berg in Bad Driburg stand, konnte den Eindruck bekommen, dass Studenten wie kleine Kinder sind, die mit Matchboxautos spielen. Aber hinter der Formula Student Germany steckt mehr als nur Begeisterung für Motorsport. Der Wettbewerb soll angehende Ingenieure über ein praktisches Beispiel auf das Berufsleben vorbereiten.

Von Dietmar Kemper
Bei der Fahrt auf dem Slalomkurs zeigt sich, wie präzise  das Auto reagiert.
Bei der Fahrt auf dem Slalomkurs zeigt sich, wie präzise das Auto reagiert. Foto: Harald Iding

Fünf Teams testeten auf der etwa 400 Meter langen und 250 Meter breiten sogenannten »Dynamikfläche« der Rennstrecke ihre Wagen. »Ein Auto kann schon nach zehn Minuten kaputt sein, es fällt regelmäßig ein Teil ab«, weiß Rennleiter Karsten Ollesch vom Verein Deutscher Ingenieure OWL. Der VDI  organisierte das Racing-Camp OWL. Schnelles Beschleunigen, Slalomfahren, ein Belastungstest über 22 Runden und das Abfahren  der »liegenden Acht« bringen nicht nur Erkenntnisse darüber, ob alles am Wagen hält. »Es geht um jede Schraube, jedes Getriebe, jede Kardanwelle«, betonte der Vorsitzende des VDI OWL, Rainer Barnekow. Die Teams strebten danach,  die Bauteile noch leichter, stabiler und energieeffizienter zu machen  und erhielten durch die Testfahrten wichtige Erkenntnisse.

Von 0 auf 100 in vier Sekunden

»Testgelegenheiten zu finden, ist superschwierig«,  sagte Fabio Welslau, Chef des Racingteams der Hochschule OWL in Lemgo. Manchmal kann das 15-köpfige Team auf dem Messegelände in Bad Salzuflen und dem Verkehrsübungsplatz des ADAC in Paderborn trainieren. Am Bilster Berg gaben sie mit ihrem alten Rennwagen Gas, der nur 230 Kilogramm wiegt, in knapp vier Sekunden von 0 auf 100 beschleunigt und bis zu 140 Kilometer pro Stunde schafft. »Unser neuer Wagen ist am Computer schon fertig«, erzählte Welslau. Aber es ergibt  Sinn, ältere Modelle noch einmal zu testen, um Erkenntnisse für die neuen zu gewinnen. Welslau machte deutlich, dass in einem Rennwagen eine Menge Arbeit steckt: »Auf eine Stunde Fahrzeit kommen 1000 Arbeitsstunden.« Natürlicher Konkurrent  der Lemgoer ist das UPBracing Team der Universität Paderborn. Das war mit drei Fahrzeugen am Start. Aufbauend auf den Vorgängermodellen hätten die Entwicklung und der Bau des PX 217 nur sechs Monate gedauert, erzählte Tim Stallmeister aus dem  45-köpfigen Team. Das neue 207 Kilo schwere Fahrzeug, das in 3,5 Sekunden Tempo 100 erreicht, soll dank besserer Aerodynamik und optimiertem Fahrwerk in Kurven noch schneller sein.

Neben den heimischen Vertretern testeten die Uni Braunschweig (Lionsracing), Herkules Racing aus Kassel und CAT Racing aus Coburg auf dem Bilster Berg. An der weltweit ausgetragenen Formula Student nehmen 60 Teams aus Deutschland teil. Berühmte Rennstrecken wie der Hockenheimring und der Kurs im englischen Silverstone sind Schauplätze.

Sprungbrett für Ingenieure

Der Wettbewerb soll ein Sprungbrett für Ingenieure des Maschinenbaus und der Elektrotechnik sein, um über das populäre Thema Rennsport Kontakte zu Sponsoren und anderen Firmen knüpfen zu können. Der VDI wolle junge Menschen für Technik begeistern, betonte Barnekow.  Durch die Arbeit am Sportwagen erwerben und vertiefen sie Kenntnisse und erhalten Einblicke auch in die wirtschaftlichen Aspekte des Automobilbaus. Ihre Berufsaussichten steigen durch die Mitarbeit. Karsten Ollesch weiß: »VW und andere Firmen übernehmen die jungen Studenten gern.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.